Stadtgeschichte

Bochum: Warten auf Gutachten über Zwangsarbeiterlager Bergen

Die schlicht gebauten ehemaligen Baracken in der Siedlung Bergener Straße wurden unter Denkmalschutz gestellt.

Die schlicht gebauten ehemaligen Baracken in der Siedlung Bergener Straße wurden unter Denkmalschutz gestellt.

Foto: Uli Kolmann / WAZ

Bochum-Bergen.  Die Barackensiedlung für Zwangsarbeiter im Bochumer Norden soll saniert werden. Das Stadtarchiv soll dazu die Geschichte mit Schulen aufarbeiten.

Die denkmalgeschützte Barackensiedlung an der Bergener Straße soll saniert und ihre Geschichte aufgearbeitet werden, dann entscheidet sich auch die Frage, ob sie in irgendeiner Form als Gedenkstätte oder Museum ausgewiesen wird. Zumindest diese Zwischenmitteilung gibt das städtische Liegenschafts- und Katasteramt auf drängende Anfragen der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Nord, die zu ihrer Sitzung am Dienstag (14.) zusammenkommt. Fassbare Ergebnisse sollen allerdings erst in einer der nächsten Sitzungen des Stadtteilparlaments vorliegen.

Ein externes Büro ist demnach vor gut einem Jahr beauftragt worden, eine Bestandsaufnahme über den Zustand der Gebäude zu erstellen, die der Stadt gehören. Dann sollen auch unterschiedliche Varianten für eine weitere Nutzung der Gebäude, die Kosten und den Zeitrahmen für die Umsetzung vorliegen.

Das Liegenschaftsamt versichert, nachdem die CDU ihre Anfrage von vor zehn Monaten nachdrücklich noch einmal auf den Weg brachte, eine geschichtswissenschaftliche Begleitung dieser Sanierung und künftigen Nutzung durch das Stadtarchiv/Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte sei vorgesehen. In Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt der Stadt soll das im ersten Halbjahr 2020 erfolgen.

Verwaltung will Vorschlägenoch 2020 beraten

Erste Ergebnisse könnten dann nach dem Sommer vorliegen und Vorschläge für das weitere Vorgehen ausgearbeitet und beraten werden.

Allerdings sind in den Erläuterungen in der Denkmalliste der Stadtverwaltung schon viele Details über die Entstehung der Siedlung, ihre Nutzung und vor allem ihre Besonderheiten zusammengestellt.

So etwa, dass die ehemalige Krupp-Zechenanlage „Constantin der Große“ mehrere Lager zur Unterkunft von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern aus den besetzten Ostgebieten errichtet hatte. 3.500 Zwangsarbeiter befanden sich 1944 auf den Constantin-Schachtanlagen, insgesamt 40 Prozent der Belegschaft.

Bis zu 600 Zivilarbeiter beherbergt

Das Lager an der Bergener Straße wurde 1941/42 für Zivilarbeiter der Zeche gebaut. Die Baracken waren zunächst mit 70 sogenannten fremdländischen Zivilarbeitern belegt. Im Laufe des Krieges soll sich diese Zahl auf über 600 Mann gesteigert haben, es sollen überwiegend zwangsverpflichtete Polen und Galizier gewesen sein.

Luftschutzgräben sind erhalten

Als bemerkenswert wird eingestuft, dass parallel zu jedem Gebäude ein gedeckter Luftschutzgraben verläuft. Alle sind erhalten geblieben. Das Lager soll Gegenstand der Beweisaufnahme im Nürnberger Krupp-Prozess 1947 gewesen sein, der sich vor allem mit der Behandlung von Zwangsarbeitern auseinandersetzte. Nach dem zweiten Weltkrieg fehlten dem Bergbau bis zu 50 Prozent der Arbeitskräfte.

Die verbliebenen Stammbelegschaften waren demnach überaltert, viele arbeitsfähigen deutschen Männer waren im Krieg getötet worden oder in Gefangenschaft. Die damaligen Anwerbungskampagnen wurden dadurch behindert, dass in den zerstörten Städten des Ruhrgebietes der Wohnraum knapp war. So wurden Zwangsarbeiterlager offenbar vielfach zu Bergarbeiterheimen umgenutzt. Im Lager Bergen wurden in den 1950er Jahren etwa 100 Bergleute untergebracht.

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