Geschichte

Niederländerin findet Fotos von Wattenscheider Soldaten

Mutmaßliche Wattenscheider Soldaten während der Besetzungszeit in den Niederlanden.

Mutmaßliche Wattenscheider Soldaten während der Besetzungszeit in den Niederlanden.

Foto: Foto: Stadtarchiv

Wattenscheid.  Auf dem Dachboden eines Bauernhofs findet eine Niederländerin die Fotos deutscher Soldaten. Die Spur führt nach Wattenscheid.

Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Niederlande begann am 10. Mai 1940. Fast genau fünf Jahre Lang waren die Niederlande besetzt. Am 5. Mai 1945 wurde die Kapitulation unterschrieben. Auch Wattenscheider und Bochumer waren damals an der Besetzung beteiligt. Nun sind in der niederländischen Stadt Markelo - rund 30 Kilometer von Enschede entfernt - Bilder aufgetaucht, jahrelang versteckt in einer Schublade auf dem Dachboden eines Bauernhauses.

„Die Fotos stammen von der Enkelin des ehemaligen Bewohners, der mittlerweile verstorben ist. Die Soldaten waren wahrscheinlich auf seinem Hof untergebracht“, erklärt das Vorstandsmitglied der Heemkunde Markelo Foundation, einem niederländischen Heimatverein, Geje Leferink.

Bilder wurden in Wattenscheid entwickelt

Aus welcher Zeit die Fotos genau stammen, weiß auch er nicht. Eine Notiz auf der Rückseite gibt aber zumindest einen Hinweis: 9.5.1943 steht dort geschrieben. Ob diese Jahreszahl das Entwicklungsdatum oder das Datum der Aufnahme selbst ist, konnte Leferink bisher allerdings nicht mehr zu rekonstruieren. „Wir haben insgesamt nur sehr wenige Fotos aus dieser Zeit in unserem Archiv“, sagt Leferink.

Neben der Jahreszahl steht auf der Rückseite zweier Bilder der Name eines Fotoladens in Wattenscheid: „Foto-Göbbeler 466 Wattenscheid“, kann man dort in roter Schrift lesen. „Der Laden war früher am heutigen August-Bebel-Platz“, weiß Andreas Halwer vom Stadtarchiv Bochum. Im Zuge von Umbauarbeiten sei der Laden aber bereits 1960 vollständig abgerissen worden - genau wie die gesamte Häuserwand dort. Seit dem existiert er nicht mehr.

Heimatforscher nimmt Kontakt mit Bochum auf

Die Kontaktaufnahme des niederländischen Kollegen war auch für Andreas Halwer etwas Außergewöhnliches: „Solche Zuschriften aus anderen Regionen bekommen wir relativ selten. Meistens kann man die Fotos ja nicht mehr zuordnen.“ Der einzige Hinweis nun war eben der Stempel des Fotogeschäfts. Neben den Aufnahmen der Soldaten am Strand und an einer Kaimauer in einem Hafen wurden zwei Familienfotos gefunden. Sie sollen laut Geje Leferink die Angehörigen der Soldaten zeigen. „Mich wundert etwas, dass die Soldaten in der Nähe eines Naturschutzgebiets, ganz am Stadtrand von Markelo untergebracht waren. Hier fanden eigentlich gar keine Kampfhandlungen statt“, erklärt der Vorsitzende des Heimatvereins.

Suche nach Angehörigen

Sowohl Leferink als auch Andreas Halwer wollen die Fotos nun am liebsten noch lebenden Verwandten zukommen lassen. „Für die Familien könnten diese Bilder noch von Wert sein“, vermutet Geje Leferink. Bisher reichen die Hinweise nicht aus, um potenzielle Angehörige zu finden. Aber vielleicht erkennt ja jemand auf den Bildern etwas.

>>> Angehörige können sich melden

Falls Leser auf einem der Bilder Angehörige oder sogar sich selbst wiedererkennen, melden sie sich bei der Lokalredaktion der WAZ Wattenscheid unter Tel. 02327/ 98 26 37 oder per Mail: redaktion.wattenscheid@waz.de.

Informationen zu Bochums und Wattenscheids Stadtgeschichte gibt es online unter www.bochum.de/stadtarchiv oder direkt vor Ort im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte Wittener Straße 47.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben