Nextticket

Neues VRR-Ticket: Bus und Bahn fahren nach Kilometertarif

Über das Smartphone werden die Nahverkehrs-Tickets abgerechnet werden. Der VRR testet die digitale Strategie auch in Bochum.

Über das Smartphone werden die Nahverkehrs-Tickets abgerechnet werden. Der VRR testet die digitale Strategie auch in Bochum.

Foto: dpa

Bochum/Witten/Hattingen.   Der VRR hat eine neue Ticketgeneration für Bus und Bahn vorgestellt. Seit Anfang Juni läuft im Ruhrgebiet der zweite Teil des Projekts.

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Haltestellengenau abrechnen können Bogestra-Kunden von sofort an ihre Fahrten mit Bus und Bahn. Das Verkehrsunternehmen nimmt Teil am Next-Ticket-Projekt des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), das das Land mit 600.000 Euro fördert.

Mit dem neuen Ticket sollen Tarifstrukturen vereinfacht, neue Kunden gewonnen und Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr fairer gestaltet werden.

Ticket bisher von 11.000 Kunden genutzt

Seit Anfang Juni läuft Teil zwei des Projekts, den Bogestra-Vorstand Andreas Kerber gestern mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) und VRR-Vorstand José Luis Castrillo während einer Straßenbahnfahrt von Bochum nach Gelsenkirchen erläutert hat.

Das neue Ticket wurde seit Februar von 11.000 Kunden, die die Next-Ticket-App auf ihr Smartphone geladen haben, in 30.000 Fahrten genutzt.Abgerechnet wurde erst nach dem VRR-Tarif, seit Anfang Juni nach dem Kilometertarif. Und der ist auf den sieben Kilometern von Bochum nach Gelsenkirchen-Ückendorf erstaunlich günstig.

2,85 Euro bezahlt ein Fahrgast, der mit der Straßenbahn von der Haltestelle „Wattenscheider Straße“ bis zum Ückendorfer Platz in Gelsenkirchen fährt und den Fahrpreis über die Next-Ticket-App abrechnen lässt, indem er beim Betreten der Bahn den Button „Check-in“ drückt und beim Verlassen „Check-out“ wählt. Zum Vergleich: Das sonst dafür nötige VRR-Ticket der Preisstufe B kostet 5,90 Euro.

Projektleiterin: „In jedem Fall ist die Abrechnung fairer“

„Für einige Kunden wird es günstiger, für andere teurer, wenn sie das Next-Ticket nutzen“, erläutert Projektleiterin Simone Mathea-Schönfeld und nennt zwei Beispiele: Wer vom Hauptbahnhof Dortmund nach Langendreer fährt (Preisstufe B - 5,90 Euro), bezahlt für die zwölf Kilometer mit dem Next-Ticket 3,85 Euro (Grundpreis 1,42 Euro plus 0,20 Euro x 12 km). Wer von Dahlhausen zum Bermudadreieck fährt (Preisstufe A - 2,80 Euro) muss mit dem neuen Ticket 3,25 Euro (1,45 Euro plus 0,20 Euro x 9 km) bezahlen. Es gibt Gewinner und Verlierer.

„In jedem Fall ist die Abrechnung fairer“, so Simone Mathea-Schönfeld. Die Kunden bezahlen ausschließlich die Leistung, die sie auch in Anspruch nehmen. Ein weiteres Argument für die individuelle Abrechnung: Fahrgäste müssen nicht überlegen, welches Ticket das richtig für sie ist, sondern können Bus und Bahn spontan nutzen.

Zumal: Beim Check-in wird ihnen auf ihrem Handy der Preis bis zur nächsten Haltestellen ebenso angezeigt wie der mögliche Endpreis, sofern auch die Endhaltestelle schon angegeben wird. Insgesamt, so heißt es, „soll der Umstieg vom Auto auf den ÖPNV für die Menschen attraktiver werden“.

Projekt läuft noch bis Ende August

Bis Ende August läuft das Projekt noch, das bislang 80 Prozent der teilnehmenden Kunden weiterempfehlen, so der VRR, der bislang, so VRR-Vorstand José Luis Castrillo, „sehr zufrieden ist mit den Ergebnissen“. Danach werde ausgewertet und entschieden, ob und in welcher Form das Angebot als Ergänzung zum bisherigen Tarifsystem weiterläuft.

Möglich wäre etwa auch eine Abrechnung der Kosten nicht nach Entfernung der Haltestellen, sondern nach Luftlinie. Von den 11.000 Kunden, die das Next-Ticket bislang nutzen, haben sich 700 über die Bogestra angemeldet. Sie haben bislang 5000 Fahrten über das neue System abgerechnet.

Das Projekt ist Teil der ÖPNV-Digitalisierungsoffensive NRW. Die Bogestra hat dabei einen gewichtigen Anteil. Sie war bei der Vorbereitung vor allem für die beiden Bereiche Datenschutz und Geschäftsbedingungen zuständig. „Die persönlichen Daten der Kunden und Fahrtendaten werden auf getrennten Servern gespeichert“, versichert ein Projektmitarbeiter. Lediglich für die monatliche Abrechnung würden sie zusammengeführt.

VRR testet digitales Ticket im Nahverkehr

Der VRR testet für 18 Monate im gesamten VRR-Gebiet das elektronische nextTicket.
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