Bühne

Neuer Bochumer Dramatikerpreis verzeichnet 28 Einsendungen

Zeitgenössisches Theater will der Bochumer Dramatikerpreis fördern. 

Zeitgenössisches Theater will der Bochumer Dramatikerpreis fördern. 

Foto: Stücke mülheim

Bochum.  Am Bochumer Prinz-Regent-Theater endete die Einsendefrist eines Wettbewerbs für neue Dramatik. Jetzt hat die Jury viel zu lesen.

Dieser Tage endete die Einsendefrist eines Wettbewerbs für neue Dramatik, den das Prinz-Regent-Theater gemeinsam mit dem Theater Rottstraße 5 und dem Zeitmaultheater ausgelobt hat. Immerhin 28 Stücke wurden eingesandt, keine schlechte Quote für einen frisch aus der Taufe gehobenen Preis.

Wenig Vorgaben

„Spiel.Frei.Gabe.“ lautet der Titel des Wettstreits der Autoren. Ziel ist es, neue dramatische Texte zu finden, die insbesondere für kleinere Theater geeignet sind. Traditionelle Dialogführung, experimentelles Theater oder ausufernde Textflächen – formale Vorgaben gab es nicht. Allerdings sollten die Beiträge für eine Spieldauer von 30 bis 40 Minuten ausgelegt sein, inszenierbar mit zwei Schauspieler/innen - was rein praktischen Überlegungen entspringt, da die Siegerstücke im Prinz-Regent-Theater ihre Uraufführung erleben werden und die Privatbühne in Weitmar nur über begrenzte Mittel verfügt.

Gute Einblicke

Die 28 Einsendungen werden in diesen Tagen von einer Jury gesichtet. Ihr gehören Mirjam Schmuck (Ensemble Kainkollektiv), Maria Wolf (Schauspielerin), Oliver Paolo Thomas (Leiter Theater Rottstraße 5) und Damian Popp (Regiestudierender an der Folkwang-Hochschule) an, dazu der Bochumer Journalist und Autor Werner Streletz. Er hat als Schriftsteller und langjähriger WAZ-Kulturredakteur gute Einblicke in das Wettbewerbsgeschäft für Bühnentexte.

„Dramatikerpreise sind inzwischen häufig anzutreffen“, weiß der 70-Jährige. Aus zweierlei Gründen: „Zum Einen können die auslobenden Theater oder Institutionen ihren Ruf schärfen und Aufmerksam erlangen. Zum anderen sind die Wettbewerbe vor allem für Nachwuchsautoren attraktiv.“ Und zwar über das zum Teil erkleckliche Preisgeld hinaus.

Einzige Möglichkeit

Denn oft genug sind Wettbewerbe die einzige Möglichkeit für junge Dramatiker, überhaupt wahrgenommen zu werden. „Wer als unbekannter Name Theaterstücke an Verlage schickt, hört meist nie wieder etwas davon“, weiß Werner Streletz. Die Jahre, in denen aufstrebende Dichter mit ihrem ersten, zweiten Stück deutschlandweit aufhorchen ließen, sind nun mal lange vorbei, man denke an Peter Weiss’ „Ermittlungen“ 1965 oder Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“ 1966.

Heute müssten Jung-Autoren froh sein, wenn es eine Uraufführung ihres Stückes gäbe, weiß Streletz: „In den allermeisten Fällen werden die Stück nicht mehr nachgespielt.“ Ihm ist dasselbe widerfahren. 1992 legte er mit „Lisa, ihr Schreiner und eine Mutter“ seinen Bühnen-Erstling vor. Das Drama wurde im PRT uraufgeführt (mit Thomas Rech und Hans-Wilhelm Lösch), und verschwand dann in der Versenkung.

In der Versenkung

Warum es neue Stücke nicht mehr allzu oft auf die Hauptbühnen größerer Theater schaffen, mag Gründe haben. Für Werner Streletz spielt die Relevanz eine entscheidende Rolle: „Die zeitgenössische Dramatik verhandelt nicht mehr, wie früher, elementare Fragen des Menschlichen. Vielmehr werden eher zwischenmenschliche, private, ,kleinere’ oder Tagesprobleme angefasst, die thematisch nicht allzu lange tragen.“

Ob das bei den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen am Prinz-Regent-Theater ähnlich ist, wird man sehen. Anfang September tritt die Jury zusammen, um ihre Entscheidung zu treffen.

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