Medizin

Neue Bochumer App rückt Bauch und Baby gemeinsam ins Bild

Marcel Abendroth sieht auf seinem Smartphone das Baby im Bauch seiner Frau Lisa. Links: Benedikt Gottschlich.

Marcel Abendroth sieht auf seinem Smartphone das Baby im Bauch seiner Frau Lisa. Links: Benedikt Gottschlich.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Im Augusta-Krankenhaus wird derzeit eine neue App für werdende Eltern erprobt. Sie rückt Bauch und Baby der Schwangeren gemeinsam ins Bild.

„Toll“, strahlt die Mutter. „Faszinierend“, flüstert der Vater. Soeben haben Lisa und Marcel Abendroth (beide 29) ihren Sohn gesehen: mit direkter Sicht in Mamas Bauch. Ein Bochumer Start-up-Unternehmen macht’s möglich: Somaview transferiert den Röntgenblick auf das werdende Leben aufs Smartphone.

Christian Sobotta (37) und Stefan Maas (42) haben als Wissenschaftler an der Westfälischen Hochschule vor einem halben Jahr den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Noch ist ihre Somaview GbR mit Sitz im Querenburger Biomedizinzentrum nicht viel mehr als eine Briefkastenfirma. Doch nicht erst seit dem 2. Platz beim Gründerwettbewerb „Senkrechtstarter“ sind der Medizintechnik-Ingenieur und der Informatiker zuversichtlich: Sie drehen an einem ganz großen Ding.

Extra-Blick wird hinfällig

Das ist einem Notstand geschuldet. Nimmt ein Arzt bei einer Schwangeren eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) vor, muss er den Stereoblick anwenden: auf den Monitor ebenso wie auf den Bauch. Maas und Sobotta streben den Einheitsblick an. „Augmented Reality“ (AR, erweiterte Realität) nennt sich das Verfahren, das die Existenzgründer in Form einer High-Tech-Brille anwenden.

Mit ihr haben die Mediziner das Ultraschallbild direkt vor Augen – unmittelbar dort, wo die Sonografie entsteht. Der störende Extra-Blick auf den Monitor wird hinfällig. „Das wird unsere Arbeit deutlich leichter machen“, sagt Benedikt Gottschlich, Leitender Arzt der Geburtshilfe in der Augusta-Klinik, die sich bereit erklärt hat, die Entwicklung der Jungunternehmer zu erproben.

Ein – möglicherweise höchst lukratives – Nebenprodukt ist eine App, die derzeit gleichfalls im Augusta getestet wird. „Baby AR“ heißt das Verfahren. Der Arzt untersucht die werdende Mutter ganz klassisch per Ultraschall. Ein QR-Code übermittelt die Aufnahme auf das Mobilphone oder Tablet des Vaters.

Das Echt-Bild aus dem Mutterleib vereint sich auf dem Display maßstabsgetreu mit der Sonografie – und vermittelt den Eindruck, man könne den künftigen Nachwuchs quasi durch die Bauchdecke hindurch strampeln oder schlummern sehen.

Baby-App steht kurz vor regulärem Einsatz

Im Gegensatz zur AR-Brille, die noch klinische Studien bestehen muss, steht die Baby-App kurz vor dem regulären Einsatz in Kreißsälen oder bei Gynäkologen. „Sie hat keinerlei diagnostischen Hintergrund, ist für die werdenden Eltern aber ein tolles Erlebnis, an dem per Foto oder Film die Familie oder Freunde teilhaben können“, sagen Christian Sobotta und Stefan Maas.

Lisa und Marcel Abendroth sind als Probanden von der Baby-App angetan. Ihr Stammhalter hat noch gut vier Monate Zeit. Das erste „Selfie“ ist schon im Kasten...

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