Verbrechen

Nachbarn nach tödlichem Überfall in Bochum entsetzt

Beamte der Spurensicherung vor dem Tathaus, eine Doppelhaushälfte. Bis in die frühen Morgenstunden haben die Ermittler zahlreiche Beweise gesichert.

Beamte der Spurensicherung vor dem Tathaus, eine Doppelhaushälfte. Bis in die frühen Morgenstunden haben die Ermittler zahlreiche Beweise gesichert.

Foto: Markus Rensinghoff

Bochum.   „Ich werde keinem mehr so einfach die Tür aufmachen“, sagt eine Nachbarin nach dem tödlichen Überfall in Hordel. Dort herrscht Entsetzen.

Monika Flaskamp hat Angst. „Ich werde keinem mehr so einfach die Tür aufmachen“, sagt die 66-Jährige. Schräg gegenüber ihrem Haus in der Sechs-Brüder-Straße in Hordel, in der Kappskolonie, war am Montag ihr 68-jähriger Nachbar überfallen worden und eines, so die Polizei, „nicht natürlichen Erstickungstodes“ gestorben. Die zwei Einbrecher hätten „ein brutales Vorgehen“ gezeigt.

„Ich gucke jetzt immer, wer vor meiner Tür steht“, sagt Flaskamp. Und ihr Mann bestätigt: „Man fühlt sich nicht mehr sicher. Ansonsten sieht man nur im Fernsehen, was die Polizei macht. Jetzt passiert das genau vor unserer Haustür.“

Um 17.50 Uhr hatte die Lebenspartnerin (71) des Todesopfers den Notruf alarmiert. Als die Polizei eintraf, lag er gefesselt mit dem Bauch auf dem Boden und regte sich nicht mehr. Auch sonstige Lebenszeichen waren nicht mehr zu erkennen. Ein Notarzt versuchte, ihn zu reanimieren, doch es war zu spät. Der 68-Jährige war bereits tot.

Bereits zweieinhalb Stunden vor dem Notruf hatte der Überfall begonnen. Warum die Frau so spät Alarm geschlagen hat, ob die Täter so lange das Haus durchsucht hatten und die Frau vor lauter Angst gelähmt war, werden die Ermittlungen klären. Die Täter hatten ihr im Eingangsbereich eine Decke übergeworfen, unter der sie auf dem Boden liegend ausharren musste. Äußerlich blieb sie unverletzt, sie erlitt aber einen Schock.

Unklar ist auch, ob beziehungsweise wieviel Beute die Verbrecher gemacht haben. Außerdem wissen die Ermittler noch nicht, ob die Opfer nach den Tätern ins Haus gekommen sind oder umgekehrt.

Die Leiche ist obduziert worden. Auf welche Weise der Mann erstickt ist, teilt die Staatsanwaltschaft nicht mit. Die Täter sollen nicht wissen, war die Mordkommission unter Leitung von Kriminalhauptkommissarin Daniela Stiens alles weiß. Akribisch haben die Ermittler Spuren gesichert: bis Dienstagfrüh um 5 Uhr, um 8 Uhr waren sie wieder im Einsatz.

Entsetzen in der Siedlung

In der Kappskolonie herrscht Entsetzen. So ein Verbrechen mitten in dieser beschaulichen Siedlung, noch dazu bei Tageslicht. Die Kolonie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1906–1915) aufgebaut, um Bergleute der Zechen Hannover und Hannibal an den Betrieb zu binden. Die Zechenhäuser, auch das des Toten, erwecken von außen betrachtet nicht den Eindruck, dass dort viele Reichtümer zu finden sein könnten. Es ist eine Siedlung, in der die Nachbarn sich zumeist viele Jahre kennen und darauf achten, was passiert.

Das Ehepaar Kolbach/Flaskamp bekam natürlich mit, als die Polizei mit mehreren Wagen vorfuhr, den Tatort abriegelte. Vom Verbrechen hatten die beiden jedoch nichts bemerkt. Als dann aber klar war, was passiert war, alarmierten sie ihre Kinder, die in der Nähe wohnen.

Ebenso wie die Mitglieder des ABSV Hofstede-Riemke, des Allgemeinen Bürger-Schützenvereins. Ein Vorstandsmitglied hatte vom Tod ihres Vereinskameraden gehört und eine Nachricht in die Vorstands-WhatsApp-Gruppe geschickt. Der Tote hatte vor vier Jahren das Goldene Schützenjubiläum gefeiert, seit 1965 war er im Verein aktiv. Zuletzt war er Kompanieführer der 2. Kompanie.

Am Dienstagnachmittag erschienen erneut Polizeiwagen rund um den Tatort. Die Beamten befragten Passanten, ob sie Verdächtiges gesehen haben. Eventuell haben die Täter ihr Auto am nahen Nordwestbad geparkt und sind zu Fuß zum Tatort gelaufen. Deshalb befragte die Polizei auch Passanten am Bad. Von Freitag bis Dienstag hat es in der Kappskolonie drei Einbruchstaten gegeben – ungewohnt viele.

>>> Fall erinnert an Raubmord von der Rottstraße

Der aktuelle Fall erinnert an den Raubmord von der Rottstraße vor fast genau zwei Jahren. Damals war ein älteres Ehepaar (78, 79) in seiner Erdgeschosswohnung überfallen und ausgeraubt worden. Diese Tat war allerdings noch sehr viel brutaler, weil die Opfer mit einem Messer und Tritten entsetzlich zugerichtet worden waren. Der Täter wurden im vorigen Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der frühere Leiter des für Kapitalverbrechen zuständigen Kriminalkommissariats 11, Klaus Lipp-haus, hatte 2012 in einem WAZ-Gespräch die Sorge geäußert, dass Wohnungseinbrüche auch tödlich enden könnten, wenn die Täter auf anwesende Bewohner treffen und die Tat eskaliert.

Damals war die Anzahl der Wohnungseinbrüche steigend, heute ist sie wieder fallend.

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