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Nach Les-Misérables-Schwindel: Bochumer gewinnt Klage

Die Inszenierung des Musicals „Les Miserables“ sorgte Anfang des Jahres für Unmut bei den Zuschauern in Bochum und anderen Ruhrgebietsstädten.

Foto: Walter Fischer

Die Inszenierung des Musicals „Les Miserables“ sorgte Anfang des Jahres für Unmut bei den Zuschauern in Bochum und anderen Ruhrgebietsstädten. Foto: Walter Fischer

Bochum.   Die Inszenierung des Musicals „Les Misérables“ hat viele Zuschauer im Ruhrgebiet verärgert. Ein Bochumer hat nun gegen den Veranstalter geklagt.

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Ralf Möller ist ein echter Musical-Liebhaber. „Elisabeth“ hat er 15 Mal gesehen, bei der Derniere von „Aida“ in Essen vor zwölf Jahren hat er die allerletzte Karte ergattert. Für eine andere Inszenierung des Elton-John-Musicals fuhr er in ein Dorf in der Nähe von Magdeburg. Das Stück „Les Misérables“ hat Ralf Möller acht Mal besucht, als es in Duisburg aufgeführt wurde. Als er mitbekam, dass es Anfang des Jahres im Ruhrcongress gastiert, hat sich der Bochumer sofort zwei Karten für eine der Vorstellungen im Januar gekauft – je 63 Euro teuer.

„Als ich in der Vorstellung saß, dachte ich: Das ist ja gar nicht das richtige Musical“, sagt der 50-Jährige. Zahlreiche Besucher verlassen schon während der ersten Hälfte den Saal, Ralf Möller und seine Begleitung gehen in der Pause. „Ich habe mich maßlos geärgert, weil es nicht das war, was angekündigt war.“

Auf Facebook beschweren sich zahlreiche Besucher

Zudem sei die Inszenierung schlecht gewesen, die meisten Lieder waren auf französisch, die Handlung eine andere. Im sozialen Netzwerk Facebook entsteht ein „Forum für enttäuschte Besucher der sogenannten ,Les Misérables’ Tour“. Denn nicht nur in Bochum, auch in anderen Städten im Ruhrgebiet und darüber hinaus fühlen sich die Besucher massiv getäuscht.

Zwar steht auf den Plakaten, dass die Musik von Esther Hilsberg und der Text von Holger Potocki stammen – und nicht wie im Original die Kompositionen von Claude-Michel Schönberg gespielt und der Text von Heinz Rudolph Kunze erzählt wird. Aber der Titel „Les Misérables“ suggeriert, es handle sich um das Musical, das vor 20 Jahren in Duisburg Deutschland-Premiere feierte.

Das sah auch das Amtsgericht in Kiel so – in der schleswig-holsteinischen Hauptstadt hat der Veranstalter, die Highlight-Concerts GmbH, seinen Sitz. Ralf Möller hatte dort im Frühjahr Klage eingereicht. Die Verhandlung wurde in eine schriftliche umgewandelt – und die Richterin entschied, dass Highlight-Concerts Ralf Möller die Kosten für die beiden Karten zurückerstatten muss. Bis jetzt hat der Bochumer die 135 Euro aber noch nicht erhalten.

Inszenierung in einigen Städten unter anderem Namen

Der Veranstalter hatte das Musical in manchen Städten mit kleineren Sälen, unter anderem in Gladbeck, unter dem Namen „Barricade“ aufgeführt – die Tickets kosteten zum Teil nur wesentlich weniger. Auf einigen Karten für die Bochumer Veranstaltung gab es den Zusatz „Neuinszenierung“, für das Gericht spielte das aber keine Rolle, weil der eigentliche Titel irreführend war.

„In Österreich gab es sogar Sammelklagen, aber das ist in Deutschland nicht erlaubt“, sagt Ralf Möller. Über Facebook habe er von einigen gelesen, die gegen Highlight- Concerts gerichtlich vorgegangen sind, oft auch mit Erfolg. Jedoch ist jeder Fall ein Einzelfall: „Ich habe da meinen Kampf durchgezogen“, sagt Möller, „das kann aber natürlich auch anders ausgehen“.

>>> INFO: Les Miserables lief jahrelang in Duisburg

  • Das Musical „Les Misérables“ wurde 1980 in Paris uraufgeführt. Heinz Rudolf Kunze schrieb später die deutschen Texte. In Duisburg lief die Produktion im eigens dafür gebauten Theater am Marientor.

  • Die Handlung basiert auf dem Roman „Die Elenden“ von Victor Hugo. Die Musik ist von Claude-Michel Schönberg.

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