Sexuelle Belästigung

Nach Belästigung im Taxi: Wie die Frau die Fahrt erlebt hat

Direkt vor dem Eingang des Riffs in Bochum ist

Direkt vor dem Eingang des Riffs in Bochum ist

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Eine Hernerin (30) soll nach Silvester von einem Taxifahrer sexuell belästigt worden sein. So schildert die Frau die Fahrt nach Wanne-Eickel.

Ein Taxifahrer soll eine 30-jährige Hernerin am Neujahrsmorgen auf der Heimfahrt vom Bochumer Bermudadreieck nach Wanne-Eickel sexuell belästigt haben. Das mutmaßliche Opfer, das seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat im Gespräch mit der Redaktion von dem einschneidenden Erlebnis erzählt.

Sarah – so soll die junge Frau in diesem Text heißen – möchte nach einer langen Silvesternacht im Bermudadreieck gegen 7 Uhr nach Hause. Zwei Freundinnen, mit denen sie unterwegs war, wohnen in Bochum. Die 30-Jährige steigt in ein Taxi, das vor der Tür der Disco „Riff“ wartet, um zu sich nach Wanne-Eickel fahren zu lassen.

Ekel bei der Erzählung

Sie sei vorne eingestiegen, habe sich auf den Beifahrersitz gesetzt und dem Fahrer gesagt, dass sie nach Herne wolle. „Die genaue Adresse hatte ich ihm nicht sofort genannt. Manchmal haben Frauen da einen siebten Sinn“, sagt die 30-Jährige.

Schon auf der Viktoriastraße habe der etwa 28-jährige Taxifahrer begonnen, an Sarahs Oberschenkel zu fassen. „Bitte hör auf damit, ich möchte das nicht“, habe sie gesagt und die Hand weggestoßen. Wenn sie jetzt daran denke, wie er immer wieder zu ihr herübergefasst habe, komme ihr der Ekel hoch, erzählt die Hernerin.

GPS-Daten 24 Stunden gespeichert

„Zwischendurch lenkte er das Gespräch auf meine Arbeit, fragte, wie es mir geht, was ich beruflich mache“, erzählt die 30-Jährige. „Da dachte ich erst, er hätte es verstanden.“ Doch in Riemke, an der Kreuzung der Großraumdiskothek Prater, habe der Mann seine Hose geöffnet und sich entblößt.

Sarah erzählt, wie sie versucht, aus dem Auto zu steigen, aber die Tür nicht öffnen kann. „Ich wollte einfach nur raus und weg.“ Dass die Türen eigentlich von innen nicht verriegelt sein können, erzählt man ihr später, aber sie ist sich trotzdem sicher, dass sie nicht heraus konnte. Der Fahrer habe gesagt, er könne auch mit zu ihr nach Hause kommen. Sarahs Abweisungen habe er ignoriert. Die Frau erzählt von ihren Ängsten: „Wenn ich jetzt frech werde, wenn ich ihn wütend mache, was passiert dann?“ Also bleibt sie freundlich und ruhig.

Wenig Hoffnung, dass der Täter gefasst wird

Erst als die Hernerin mehrfach sagt, dass sie nur 20 Euro dabei habe – das Taxameter hatte den Betrag schon überschritten – habe der Fahrer sie aus dem Wagen gelassen. 20 Minuten sei sie noch bis nach Hause gelaufen, am nächsten Tag habe sie mit einer Mandelentzündung und Fieber im Bett gelegen.

Am 2. Januar schleppt sie sich dann krank zur Polizei: „Mir war definitiv klar, dass ich Anzeige erstatten will.“ Nie habe sie so eine Situation erlebt, sich immer sicher im Taxi gefühlt. „Es passiert öfter, dass solche Fälle erst etwas später angezeigt werden“, sagt Polizeisprecher Volker Schütte. „Die Aussage der Frau ist sehr glaubhaft.“

Wagen kann aus einer anderen Stadt kommen

Sarah hat wenig Hoffnung, dass der Täter gefasst wird. Auch bei der Polizei heißt es, dass die Suche schwierig sei. Schließlich habe sich die Frau weder Kennzeichen noch Unternehmen des Taxis gemerkt. Tausende Fahrer kämen in Frage, denn es sei nicht sichergestellt, dass der Wagen überhaupt aus Bochum komme.

Darauf weist auch Christian Weidmann hin. Er ist Vorstand der Taxi Bochum Genossenschaft, an die rund 60 Taxiunternehmen der Stadt angeschlossen sind. „Vor allem an Neujahr fahren die Taxis kreuz und quer durch die Gegend. Der Wagen kann auch aus einer anderen Stadt kommen.“

Keine Hinweise auf den Täter

Welcher Fahrer wann welche Strecke am Neujahrsmorgen gefahren ist, könne man jetzt nicht mehr nachprüfen. „Wir speichern die GPS-Daten, mit denen man jede Fahrt nachvollziehen kann, lediglich für 24 Stunden“, sagt Weidmann. Er weist auch darauf hin, dass die Taxifarbe nicht geschützt sei – man also immer darauf achten sollte, ob man wirklich in einem zugelassenen Taxi sitzt.

Die Polizei hat auch am eine Woche nach dem Vorfall keine Hinweise auf den mutmaßlichen Täter. Sarah will bestmöglich helfen, denn eines ist für sie klar: „Der Mann darf nie wieder Taxi fahren“, stellt sie klar.

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