Schwurgericht

Mutter-Kind-Drama: 35-Jähriger wird Totschlag vorgeworfen

Das Schwurgericht hat elf Sitzungstage für diesen menschlich wie juristisch besonders ungewöhnlichen Fall vorgesehen.

Das Schwurgericht hat elf Sitzungstage für diesen menschlich wie juristisch besonders ungewöhnlichen Fall vorgesehen.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Bochum.  Ein Mutter-Kind-Drama wird vor dem Schwurgericht verhandelt. Einer 35-Jährigen wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Es geht um ihr Baby.

Ein großes menschliches Drama wird am Mittwoch (2. Oktober) vor dem Bochumer Schwurgericht verhandelt. Einer 35-jährigen Frau wird „Totschlag durch Unterlassen“ vorgeworfen. Es geht um ihre Tochter, die kurz nach der Geburt in Bochum verstorben ist. Die Frau sitzt in U-Haft.

Die Angeklagte war im Herbst 2016 hochschwanger. Spätestens einen Tag vor der Geburt am 19. Oktober soll sie gemerkt haben, dass es mit der Geburt Komplikationen geben und das Leben des Kindes in Gefahr sein könnte. Sie habe keine Bewegungen des Babys in ihrem Leib mehr wahrgenommen, und sie selbst habe Schmerzen gehabt.

Kind starb kurz nach der Geburt

Obwohl die Frau beunruhigt gewesen sei, habe sie keinen Arzt aufgesucht, obwohl ihr das jederzeit möglich gewesen wäre. Das Kind kam dann zwar lebend auf die Welt, starb aber am selben Tag, wie das Landgericht der WAZ mitteilte. Die Angeklagte soll die Schwangerschaft vor ihren Eltern geheim gehalten haben.

Der Prozess wird sämtliche Beteiligten vor eine besonders schwere Aufgabe stellen. Nicht nur menschlich, sondern auch juristisch. Wann ist ein Unterlassen strafbar, wann nicht? Diese Rechtsfragen sind außerordentlich kompliziert.

„Es gibt massive Hinweise, dass die Frau zumindest vermindert schuldfähig ist“

Seit der vorigen Woche sitzt die Frau in U-Haft. Wegen Fluchtgefahr. Wegen eines Umzugs soll sie für das Gericht nicht mehr erreichbar gewesen sein, so dass Haftbefehl erlassen wurde.

Unabhängig von der Frage der Strafbarkeit wird vor Gericht auch geklärt, ob oder inwieweit die Frau schuldfähig ist. Ein psychiatrisches Gutachten dazu soll noch immer nicht vorliegen. Verteidiger Henry Alternberg aus Bochum sagte am Dienstag auf WAZ-Anfrage: „Es gibt massive Hinweise, dass die Frau zumindest vermindert schuldfähig ist.“

Insgesamt sind elf Verhandlungstage bis 21. November angesetzt.

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