Landgericht

Mutiger Zeuge fasst mutmaßlichen Sexualstraftäter in Bochum

Der Rettungsdienst versorgte das verletzte Opfer an der Laerheidestraße in Bochum. Es erlitt u. a. Kratzspuren und Schürfwunden. Bis heute leidet die Frau stark unter dem Verbrechen.

Der Rettungsdienst versorgte das verletzte Opfer an der Laerheidestraße in Bochum. Es erlitt u. a. Kratzspuren und Schürfwunden. Bis heute leidet die Frau stark unter dem Verbrechen.

Foto: WTVnews

Bochum.  Durch viel Mut hat ein Zeuge in Bochum verhindert, dass ein brutaler sexueller Übergriff nicht noch schlimmer wurde. Der Richter: „Respekt!“

„Respekt!“, sagte Richter Thorsten Fülber am Montag zu einem 25-jährigen Handwerker aus Bochum. Der Mann hatte mit großer Zivilcourage einen mutmaßlichen brutalen Sexualstraftäter verfolgt und so lange festgehalten, bis die Polizei eintraf. Durch sein „beherztes Einschreiten“ hätten er und auch seine Mutter (56) Schlimmeres verhindert.

Es geht um ein hinterhältiges Verbrechen am 15. April 2020 in einem Grüngürtel an der Laerheidestraße in Querenburg. Damals ging gegen 21.45 Uhr eine 47-jährige Frau mit ihrem Hund spazieren, als sie – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – hinterrücks von einem 23-jährigen Mann attackiert und zu Boden gerissen wurde. Er zog sie teilweise aus und wollte sie vergewaltigen. Dabei hatte er eine Schere und ein massives Sex-Spielzeug.

Das Opfer aus Bochum hatte Todesangst

Die beiden kannten sich gar nicht. Der Täter fixierte sie am Boden mit seinem Körpergewicht, die Frau rief um Hilfe. Dann drückte der Mann ihr seine Hand in den Rachen; so tief, dass sie nicht mehr richtig atmen konnte und Todesangst hatte.

Zu diesem Zeitpunkt stand eine Anwohnerin (56) auf ihrer Terrasse. „Ich habe Schreie gehört“, sagte sie vor der 1. Strafkammer. Außerdem sei auf der Straße ein kleiner Hund „wie bekloppt“ hin und hergelaufen. Sie dachte: „Da muss doch was Schlimmes passiert sein!“

25-Jähriger rannte „im Vollsprint“ hinter dem Täter her

Augenblicklich ging sie zu ihrem Sohn (25), der im selben Haus wohnt. Beide schauten draußen sofort nach, was los war. Über ihren Sohn sagte die Zeugin: „Ich habe ihn nur noch abpesen sehen.“

Der 25-Jährige fand in dem dunklen Grüngürtel nahe eines Spielplatzes rein intuitiv genau den Tatort. Zunächst hatte er am Boden das unbekleidete Gesäß einer Frau gesehen, dann schaltete er sein Handy-Licht ein und blickte in zwei Gesichter: das des Täters, der gerade aufsprang, und seines Opfers. Die Frau war dem Zeugen zufolge „völlig aufgelöst“, blutete um den Mund herum und sagte „Vergewaltigung“. In diesem Moment rannte der Angreifer weg. „Ich bin dann sofort hinterher“, berichtete der Retter. „Im Vollsprint“.

Dramatischer Zweikampf auf der Flucht

Auf der Flucht drehte sich der Täter plötzlich um und schlug seinem Verfolger mit der Faust ins Gesicht. Dabei platzte die Lippe auf. In einem Gerangel gingen beide zu Boden. „Er lag erst auf mir, dann ich auf ihm.“ Der 25-Jährige konnte ihn so gut fixieren, dass er auch noch in der Lage war, per Handy die Polizei anzurufen. Zwischenzeitlich sagte der Täter, dass er mit Corona infiziert sei.

Während die Polizei sehr schnell eintraf, kümmerte sich die Mutter des Retters um die 47-Jährige. „Ich habe sie in den Arm genommen. Sie hat ganz doll im Gesicht geblutet.“

Richter Fülber lobte Mutter und Sohn: „Dass es in unserer Gesellschaft noch Menschen gibt, die sich einsetzen!“ Beide hätten „sehr mutig reagiert“.

Der Beschuldigte sagt, dass er sich an nichts erinnern könne. Damals war er stark alkoholisiert. Er hat eine paranoid halluzinatorische Psychose und gilt als schuldunfähig. Er soll unbefristet in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden, in der er jetzt schon lebt. Den Anschuldigungen tritt er nicht entgegen. Der Überfall tue ihm sehr leid. Corona hatte er übrigens nicht gehabt.

Ein Urteil folgt noch.

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