Klassik

Musikforum Ruhr ist jetzt schon ein Erfolgsmodell

Inzwischen schon ein gewohntes Bild: Blick in den ausverkauften Konzertsaal. Foto Services

Foto: Felix Heyder

Inzwischen schon ein gewohntes Bild: Blick in den ausverkauften Konzertsaal. Foto Services Foto: Felix Heyder

Bochum.   Der Besucherandrang hat seit der Eröffnung im Oktober nicht nachgelassen. Für die meisten Konzerte heißt es lange im Voraus: ausverkauft!

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Wer versucht, an Karten fürs Anneliese Brost Musikforum zu kommen, muss entweder früh dran sein oder Glück haben. „Der Andrang ist nach wie vor sehr groß, auch die Konzerte Anfang des neuen Jahres sind sehr gefragt“, berichtet BoSy-Sprecherin Christiane Peters. Das neue Musikhaus scheint vom Start weg ein Erfolgsmodell zu sein.

Rock Classics waren binnen Stunden ausverkauft

Beispielhaft für das Riesen-Interesse sind die Silvesterkonzerte. Die Vorstellungen am 31.12. und 1.1. waren schon im Oktober „weg“, auch zwei Zusatztermine für Beethovens „Neunte“ waren ruck-zuck vergeben. Den Rekord gebrochen habe aber die Classic Night, die die BoSy in Kooperation mit der Rock-„Zeche“ Mitte November anboten. „Beide Konzerte waren binnen Stunden ausverkauft“, so Peters.

Noch muss Vieles ausprobiert werden

Was den Großen Saal angeht, sprechen wir dabei von rund 960 Plätzen – mehr als im Schauspielhaus. Sämtliche Verkaufs- und Publikumszahlen werden natürlich akribisch aufgenommen und nachgehalten. Zum 100-Tage-Eröffnungs-Termin Anfang Februar könnte „General“ Steven Sloane eine erste Zwischenbilanz vorlegen. Bis dahin ist weiterhin viel zu tun im Neubau an der Viktoriastraße.

So müssen sich die Musiker und die BoSy-Mitarbeiter weiterhin mit den „Geheimnissen“ des Hauses vertraut machen. „Wir probieren viel aus“, sagt Felix Hülse, Künstlerischer Manager, „weil noch keine Erfahrungswerte vorliegen.“ Beispiel: Kammermusik im Kleinen Saal. Hier sind verschiedene Stuhl-Aufstellungen ausprobiert worden, damit auch in den hinteren Reihen „zwischen den Köpfen hindurch“ der Blick auf die Musiker möglich bleibt.

>> Konzertkritik: Kammermusik als Kunststück

Über die signifikant verbesserte Klangqualität der Orchesterkonzerte im Musikforum ist schon gesprochen worden. Würde das aber auch für die Kammerkonzerte gelten? Die Antwort ist: ja! Das Konzert des Viktoria Streichquartetts am Sonntagabend bewies es.

Kammerensembles sind mehr noch als der wuchtige, große Klangkörper auf akkurate Durchhörbarkeit angewiesen. Die kleine Form haben Komponisten stets genutzt, um tiefe, persönliche Gefühle komprimiert auszudrücken. Da wird das aktive Hören zum innigen Lauschen; umso blöder, wenn der Klang suppig wird oder Ablenkungen stören.

Musik von Leoš Janáček und Jean Sibelius

Im Museumsfoyer, wo die BoSy-Kammerkonzerte meist stattfanden, waren solche sub-optimalen Umstände die Regel. Nichts davon ist im Kleinen Saal des Musikforums geblieben.

Esiona Stefani und Jiwon Kim (Violinen), Aliaksandr Senazhenski (Viola) und Philipp Willerding-Bach (Cello), Musiker/innen der BoSy, bilden das Viktoria Quartett. Mit Leoš Janáčeks Streichquartett Nr. 2 und Jean Sibelius’ Streichquartett d-Moll op. 56 stellten sie Werke an der Grenzlinie zur Moderne vor.

Klang war überall klar und transparent hörbar

Diese vor etwa 100 Jahren entstandene Musik klingt manchmal schroff und widerborstig und ist doch voll vertiefter, intimer Innigkeit. Die Kunst des Quartetts zeigte sich darin, die rhythmisch und dynamisch höchst anspruchsvollen Passagen mit der gebotenen Nonchalance anzugehen: brüsk, aber nicht brutal, rau zwar, aber niemals ruppig.

Der Raumklang war satt und voll, auch in den hinteren Reihen des mit 150 Zuhörern besetzten Saals war alles klar und transparent hörbar. Ein besonderer Genuss war der 3. Satz des Sibelius-Konzerts: ein dunkles Adagio und eine musikalische Entrückung, der die vier Streicher mit konzentrierter Wonne nachspürten.

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