Verbrechen

Mordermittler in Bochum-Hordel sammeln täglich neue Spuren

Ein Wagen der Spurensicherung und ein Streifenwagen stehen vor dem Tatort, eine Doppelhaushälfte (re.) in der Kappskolonie.

Ein Wagen der Spurensicherung und ein Streifenwagen stehen vor dem Tatort, eine Doppelhaushälfte (re.) in der Kappskolonie.

Foto: Svenja Hanusch

Bochum.   Im Mordfall Hordel sind schon rund 100 Hinweise bei der Polizei eingegangen. „Die heiße Spur ist bisher nicht dabei“, sagt die Polizei.

Nach dem tödlichen Einbruch in der Kappskolonie sind bei der Mordkommission „MK Hordel“ bereits rund 100 Hinweise eingegangen. Allerdings sagt Polizeisprecher Volker Schütte: „Die heiße Spur ist bisher nicht dabei.“

Auch am Donnerstag, am dritten Tag nach dem Verbrechen, sichteten Kriminaltechniker der Polizei die Doppelhaushälfte, in der sich am Montagnachmittag das Unfassbare ereignete hatte. Die Räume müssen von den Tätern zwei Stunden minuziös durchwühlt worden sein. „Es ist deutlichst zu erkennen, dass intensiv und lange durchsucht worden ist.“ Ob etwas beziehungsweise was erbeutet worden ist, wird noch geprüft.

Die Lebenspartnerin (71) des Todesopfers (68), die in einer eigenen Wohnung lebt, wird psychologisch betreut. „Was sie durchgemacht hat, ist sicher alptraumhaft“, sagt Schütte. Im Eingangsbereich mussten sie unter Decken und Kleidung auf dem Boden ausharren. „Sie muss zu diesem Zeitpunkt nicht mitbekommen haben, was mit ihrem Lebenspartner geschieht“, sagt Schütte. Der 68-Jährige lag äußerst massiv gefesselt im Küchenbereich und starb einen Erstickungstod. „Eine ganz, ganz schlimme Tat, die wir zum Glück nur sehr selten haben.“

Die Fesselung ist „von außergewöhnlicher Brutalität gekennzeichnet“

Staatsanwalt Michael Nogaj sagte zur WAZ: „Die Fesselung des Mannes und die Art und Weise, wie das Haus durchsucht worden ist, trug deutlich professionelle Züge.“ Die Fesselung sei „von außergewöhnlicher Brutalität gekennzeichnet“.

Für Nogaj, der auch die Ermittlungen im ähnlichen Mordfall Rottstraße 2017 geleitet hatte, kommen neben Habgier weitere Mordmerkmale in Betracht: Das Ermöglichen einer Straftat (Fesselung) und das Verdecken (Ersticken des Zeugen).

Die 20-köpfige MK Hordel hat massenhaft Spuren gesichert, auch DNA. Dies alles zu sortieren und auszuwerten, ist eine langwierige Arbeit. Dass sie sich lohnen kann, hat der Mordfall Rottstraße bewiesen. Fünfeinhalb Monate blieb der Täter unbekannt, dann landete die Kripo einen Volltreffer. Unentwegt hatte sie DNA-Spuren vom Tatort mit solchen Spuren abgeglichen, die in der bundesweiten DNA-Analysedatei gespeichert sind. Dort sind die genetischen Fingerabdrücke von Vorbestraften hinterlegt. Auf diese Weise ist der Rottstraßen-Mörder (35) gefasst worden. Auch aufgrund der DNA-Spuren wurde er verurteilt. Das sei „das entscheidende Indiz, dass er der Täter ist“, so das Urteil. Insofern dürfte die MK Hordel hoffen, dass die Täter vorbestraft sind.

Kritik am Verhalten der Polizei

Insgesamt ist die Anzahl der Wohnungseinbrüche seit 2015 im Bochumer Polizeibezirk (mit Herne und Witten) zurückgegangen, von 2017 auf 2018 um 22 Prozent. Trotzdem: Am vorigen Freitag (1.2.) war in der Sechs-Brüder-Straße und in Nachbarstraßen zwischen 13 und 22 Uhr dreimal eingebrochen worden. Die unbekannten Täter erbeuteten Geld und Schmuck. Die Kripo sieht einen Tatzusammenhang. Allerdings nicht mit dem tödlichen Überfall.

Anne Drobing (66) ist in Hordel geboren und verbrachte fast ihr ganzes Leben in diesem beinahe dörflich strukturierten Stadtteil. Das Mordopfer und seine erwachsenen Kinder kannte sie persönlich. „Er war ein stattlicher, ja ein mutiger Mann.“ Sie fragt sich nur, warum nach den drei Einbrüchen in der Sechs-Brüder in der näheren Umgebung, unmittelbar vor dem Mord, durch die Polizei nicht intensiver reagiert worden sei. „Wir sehen hier keine Polizisten vor Ort. Es gibt keine Präsenz mehr, keinen Beamten, der die Kontakte zur Bevölkerung sucht.“ Früher habe es in Hordel sogar eine eigene Polizeiwache gegeben, aber das sei Geschichte.

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