Metzgerhandwerk

Metzger in Bochum haben seit Jahren Nachwuchssorgen

Werden immer mehr zu Fleischveredlern und Caterern ohne Nachwuchs: Metzger wie Jörg Haarmann.

Werden immer mehr zu Fleischveredlern und Caterern ohne Nachwuchs: Metzger wie Jörg Haarmann.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Das Berufsbild des Metzgers hat sich stark gewandelt. Viele sehen sich nun als Fleischveredler. Geeigneter Nachwuchs bleibt aus.

Bei vielen gehört sie am Wochenende dazu: Die warme Fleischwurst. Aber wie lange noch? Das Metzgerhandwerk hat schon seit geraumer Zeit mit Nachwuchssorgen zu kämpfen.

Das gilt sowohl für die Produktion, als auch für den Verkauf. „Viele Menschen nehmen unser Berufsbild mittlerweile ganz falsch wahr“, sagt Jörg Haarmann, der an der Hattinger Straße zusammen mit seiner Schwester die eigene Fleischerei führt.

Keine Schlachtungen mehr

Der Beruf des Metzgers hat sich in der Tat stark gewandelt. In den Bochumer Betrieben werden schon lange keine Tiere mehr geschlachtet. Auch die Zerlegung findet nur noch selten vor Ort statt. „Mit toten Tieren muss man natürlich trotzdem arbeiten“, sagt Haarmann.

Allerdings steht die Zuschneidung des Fleisches, die Herstellung von Wurst und das Würzen der Produkte heute mehr im Fokus als früher. Außerdem nehmen Partyservice und Catering einen immer größeren Platz ein. „Das klassische Geschäft mit Braten und Wurstwaren gibt es fast nur noch zu Weihnachten“, so Haarmann. Ansonsten dominieren Frühstück und Imbiss den Alltag. „Wir orientieren uns immer mehr Richtung Verbraucher“, stellt der Fleischer fest.

Fleischveredler statt Metzger

Uwe Absch, Geschäftsführer der Fleischer-Innung Bochum, geht sogar noch weiter: „Ich würde den Begriff Fleischveredler einführen. Das wäre heute die richtige Berufsbezeichnung.“ Absch beobachtet schon seit längerem schwindende Bewerberzahlen. Somit bleiben natürlich auch viele Ausbildungsplätze unbesetzt.

Metzger Haarmann bildet selbst nicht aus. Das liegt aber nicht an fehlenden oder unqualifizierten Bewerbern, sondern an der Größe und den Möglichkeiten seines Betriebs. „Ich kann eine ausreichende und gute Ausbildung bei mir nicht gewährleisten“, gibt er zu.

Er war aber jahrelang Lehrlingswart der Bochumer Innung und hat zwischen Betrieben und Lehrlingen vermittelt. Er weiß, dass es auch Kollegen gibt, die keine Probleme bei der Besetzung von Lehrstellen haben.

Nachwuchs bleibt aus

Das bleibt aber die Ausnahme. Die meisten Betriebe haben Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. „Das ganze Bildungswesen hakt, heute muss jeder studieren, das Handwerk ist immer weniger wert“, sagt Uwe Absch. Er würde sich eine höhere Wertschätzung des Berufs wünschen.

Haarmann geht in eine ähnliche Richtung: „Viele Leute schätzen zwar unsere Produkte, würden ihren Kindern aber von einer Fleischerlehre abraten.“ Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Frühstückstisch in Zukunft leer bleibt.

>>INFO: Auszubildende im Fleischerhandwerk

  • In der Fleischer-Innung Bochum gibt es heute 15 Mitgliedsbetriebe, von denen acht aktuell noch ausbilden.

  • In diesem Jahr haben drei Fleischer und zwei Verkäufer eine erfolgreiche Prüfung abgelegt. Im vergleich dazu waren es 2016 noch vier bzw. fünf. Zwei Ausbildungen wurden abgebrochen.

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