Stadtteilzentrum

Mehrgenerationenhaus in Bochum eröffnet Repair-Werkstatt

Auch eine Fahrrad-Werkstatt gehört dazu (v.l.): Ahmet Aygüm, Ayse Ertürk, Ulrike Renner, Friedrich Porbeck und Thomas Alexander warten auf Besucher.

Auch eine Fahrrad-Werkstatt gehört dazu (v.l.): Ahmet Aygüm, Ayse Ertürk, Ulrike Renner, Friedrich Porbeck und Thomas Alexander warten auf Besucher.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Bochum-Dahlhausen.  Stadtteilzentrum in Bochum-Dahlhausen bekommt offene Werkstatt zum Selbst-Reparieren. Projekt soll Zeichen gegen die Wegwerf-Gesellschaft sein.

Wer in Zukunft ein kaputtes Radio, ein defektes Laptop oder eine hakende Fahrradgangschaltung hat, sollte sich eine Neuanschaffung gleich zweimal überlegen. Nicht nur aus den allseits bekannten Gründen der umweltfreundlichen Nachhaltigkeit und der Kostenersparnis, sondern weil Dahlhausen eine neue Anlaufstelle für lockere Schrauben, klebebedürftige Gegenstände und nicht rundlaufende Mechanik bekommt. „Heute startet unsere offene Werkstatt ,Vielfalt’, in der Menschen aus dem Stadtteil kaputte Dinge reparieren können oder zur Reparatur abgeben können“, sagt Ayse Ertürk vom Bochumer Mehrgenerationenhaus und präsentiert eine Tüftler-Garage mit Werkbank, Montageständer und Werkzeugkiste.

Hinter ihr prangt schon der Schriftzug „Do it yourself!“ - also Englisch für: „Mach es selbst!“. „Die Werkstatt ist offen für alle, wir freuen uns besonders, wenn wir Alt und Jung zusammenbringen können“, so Ertürk weiter. Vielleicht suche jemand zwischen Beruf und Ruhestand eine neue ehrenamtliche Beschäftigung, vielleicht wolle ein Kind seine handwerklichen Fähigkeiten verbessern.

Elektro-Tüftler noch gesucht

Eine „Win-Win-Situation“ nennt Ahmet Aygün, der das Konzept gemeinsam mit Ertürk für das Stadtteilzentrum entwickelt hat, das neue Projekt. „Jüngere Menschen haben häufiger Kompetenzen im digitalen Bereich, dafür können Ältere ein handwerkliches Vorbild sein“, führt er aus. Gleichzeitig tue man etwas gegen die Wegwerf-Gesellschaft und biete Hilfe zur Selbsthilfe.

„Instand gesetzte Gegenstände erhalten so auch eine ganz neue Wertschätzung“, meint Ertürk. Angeregt worden sei das Projekt durch andere Mehrgenerationenhäuser, mit denen man bundesweit vernetzt sei und durch abgefragte Bedarfe im Stadtteil. „Die Garagen-Werkstatt bietet auch Raum für Ideen wie Upcycling“, sagt Ertürk. Es sei also noch Spielraum im Projekt.

Kaputtes Objekt einfach abgeben

Wer Interesse am Mitmachen habe, solle einfach anrufen. Das gilt auch für Besitzer von defekten Gegenständen, denn selbst Tüfteln muss man nicht zwangsläufig - das kaputte Objekt kann auch einfach nur abgegeben werden. „Ehrenamtlich haben schon Interesse am Mitmachen signalisiert, darunter zum Beispiel ein ehemaliger Kfz-Meister und ein Wirtschaftsinformatiker“, sagt Ertürk.

Dadurch kann die Werkstatt sich breit aufstellen: Egal ob Musikinstrument, Fahrrad oder Handy - gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht und getüftelt. „Es wäre super, wenn sich noch jemand findet, der sich mit Elektronik auskennt“, hofft Aygün. Kosten entstehen für Reparateure und Besitzer der defekten Gegenstände zunächst einmal keine. „Nur dann, wenn Ersatzteile angeschafft werden müssen“, sagt Ertürk. Dadurch ist die Werkstatt nicht nur preisgünstiger als kommerzielle Reparaturservices, sondern bietet auch persönliche Kontakte: „Wir haben jeden Tag von 12 bis 16 Uhr einen offenen Treff mit selbstgebackenem Kuchen“, sagt Ertürk. Während Reparaturen stattfinden, könne man sich gleichzeitig am Süßen laben.

Finanziert durch Spende

Finanziert wird das neue Projekt durch die „Volksbankmitgliederstiftung Sprockhövel“, die mit etwa 4800 Euro eine solide Starthilfe beisteuert. „Davon werden wir vor allem Werkzeug anschaffen“, sagt Ertürk. Das Mehrgenerationenhaus hat seit knapp drei Wochen wieder geöffnet, in der Nutzung der Angebote seien die Stadtteilbewohner wegen der Pandemie jedoch noch etwas verhalten, berichtet Ertürk. Einen entscheidenden Vorteil hat die Coronakrise dem Mehrgenerationenhaus jedoch gebracht: Eigentlich hatte in der Auswahl zur Förderung durch die Volksbankstiftung ein anderer Bewerber die Nase vorn: Der DLRG Rettungsschwimmpokal, der sich um Förderung für Catering bemühte.

„Weil der aber wegen der Coronakrise ausgefallen ist, können wir für das Mehrgenerationenhaus nicht nur eine Teilfinanzierung ermöglichen, sondern die komplette Budgetplanung realisieren“, so Thomas Alexander von der Volksbankstiftung. Und noch etwas: Im Zusammenhang mit der Coronakrise werden überbeanspruchtes Spielzeug, vielgenutzte Fahrräder oder heiß gelaufene Home-Office-Rechner bestimmt bald eintrudeln.

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