Tiere

Meerschweinchen wird an Weihnachten im Laerholz ausgesetzt

Das kleine Meerschweinchen wurde in einem Korb im Laerholz gefunden. Ein durchnässtes Handtuch war über den Korb gebreitet.

Das kleine Meerschweinchen wurde in einem Korb im Laerholz gefunden. Ein durchnässtes Handtuch war über den Korb gebreitet.

Foto: Miriam Gehrke

Bochum.   Eine Spaziergängerin findet das Tier an Heiligabend in einem Korb. Im Tierheim werden seit Jahren kaum noch Tiere nach den Feiertagen abgegeben.

Forcy haben sie das kleine Tierchen getauft. „Weil es doch um sein Leben gekämpft hat“, sagt Miriam Gehrke. Die 33-Jährige betreibt für den Verein „notmeerschweinchen.de“ seit zwei Jahren eine kleine Pflegestelle in Bergkamen. 31 Tiere hat sie 2018 aufgenommen, darunter auch Forcy aus Bochum.

Ein junges Mädchen findet das unterkühlte Tierchen an Heiligabend im Laerholz. Es sitzt in einem Korb mit einem Wassernapf, darüber liegt ein durchnässtes Handtuch. Das Mädchen versorgt das Meerschweinchen notdürftig, nach den Feiertagen übernimmt Miriam Gehrke. Sie kennt sich mit Meerschweinchen aus, sieht gleich, dass es ein älteres Tier ist, das womöglich schon krank war, als es ausgesetzt wurde. „An Heiligabend im Wald entsorgt“ – Miriam Gehrke ist erschüttert. „Vielleicht sollte es durch ein neues Haustier ersetzt werden.“

Jahreswechsel verlaufen im Tierheim ruhig

Im Bochumer Tierheim verlaufen die Jahreswechsel in der Regel ruhig, schon seit Jahren würden in Bochum zwischen den Feiertagen kaum noch Tiere ausgesetzt, sagt die Tierheimleiterin Carmen Dechert. Um zu verhindern, dass überstürzt Tiere im Tierheim ausgewählt, zu Weihnachten verschenkt und im schlimmsten Fall genauso überstürzt wieder abgegeben oder ausgesetzt werden, hat man sich dort eine Sperrzeit auferlegt: Den ganzen Dezember über werden keine Tiere abgegeben. Aussuchen dürfen die Interessenten ihr neues Haustier, mitnehmen nicht.

So wolle man auch sicherstellen, dass ein Tier sich in seinem neuen Zuhause in Ruhe eingewöhnen könne und nicht dem stressigen Trubel ausgesetzt sei, der zwischen den Jahren in vielen Familien herrscht. Natürlich gebe es die eine oder andere Ausnahme: so etwa bei dem Paar, das einen Nachfolger für seinen verstorbenen Tierheimhund suchte und „sehr traurige Weihnachtstage“ gehabt hätte, wenn es bis Neujahr hätte warten müssen. „Bei diesen Leuten konnten wir sicher sein, dass der Hund kein Geschenk sein sollte.“

Viele Tierheim-Besucher im Tierheim

Trotz der Sperrzeit habe das Tierheim in den vergangenen Wochen viele Besucher gehabt, so Carmen Dechert. „Viele finden die Regelung richtig gut, man muss das nur vernünftig erklären.“ Seit Mittwoch werden nun wieder Tiere an neue Besitzer abgegeben. Meerschweinchen seien unter den Kleintierarten derzeit am beliebtesten.

Auch Miriam Gehrke kann ihre Pflegetiere in der Regel gut vermitteln. Das ausgesetzte Tier sei für Bochum vielleicht ein Einzelfall gewesen, sagt sie. Doch für sie ist es nicht das erste entsorgte Meerschweinchen nach den Feiertagen.

Im vergangenen Jahr hat sie ein Tier aus dem Raum Unna aufgenommen, am zweiten Weihnachtsfeiertag. Kein altes, krankes, sondern ein Baby. Das Fundtier aus Bochum hat sie nicht retten können, es war bereits zu geschwächt. „Hätten sich die Leute besser informiert“, schimpft Miriam Gehrke, „dann hätten sie wissen können, dass ich auch alte und kranke Tiere aufnehme – kostenlos“.

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