Junges Schauspielhaus

Martina van Boxen nimmt 2018 Abschied von Bochum

Martina van Boxen im WAZ-Gespräch.

Foto: Dietmar Wäsche

Martina van Boxen im WAZ-Gespräch. Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Die langjährige Leiterin des Jungen Schauspielhauses absolviert 2017/18 ihre letzte Spielzeit an der Königsallee. Vertrag wird nicht verlängert.

Große Veränderungen stehen im Jungen Schauspielhaus an: Die langjährige Leiterin Martina van Boxen wird mit dem Intendantenwechsel Johan Simons ab Sommer 2018/19 ihre Arbeit in Bochum beenden.

Die kommende Spielzeit wird nach elf Jahren Ihre letzte am Schauspielhaus sein. Warum?

Martina van Boxen: Johan Simons, der neue Intendant, hat im Schauspielhaus bereits Gespräche mit Blick auf seinen Amtsantritt ab 2018 geführt, unter anderem mit mir. Dabei hat er mir gesagt, dass das Junge Schauspielhaus in der jetzigen Form von ihm nicht weitergeführt werden wird. Mein Vertrag wird nicht verlängert.

Das ist für Sie besonders ärgerlich, da sie eigentlich auf eine weitere Zusammenarbeit mit Anselm Weber gesetzt hatten...

Anselm Weber hatte einen Intendantenvertrag bis 2020, und es war mit ihm besprochen, dass ich das Junge Schauspielhaus während dieser Zeit weiterführen würde. Dann kam sein Entschluss, ans Theater Frankfurt zu wechseln, und er hat seinen Bochumer Vertrag vorzeitig aufgelöst. Im Sommer wird er das Schauspielhaus verlassen.

Mit dieser Entscheidung hingen Sie plötzlich in der Luft?

Personelle Wechsel sind an einem Theater nichts Ungewöhnliches, aber natürlich hatte ich mir vorgestellt, meine Arbeit in Bochumer auch längerfristig fortsetzen zu können.

Zumal Sie sehr erfolgreich damit sind...

Das Junge Schauspielhaus erreicht mit seinen verschiedenen Angeboten pro Spielzeit 2800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich aktiv mit Theater beschäftigen. Sowie rund 10 000 Zuschauer – ohne das Familienstück im Großen Haus. Regelmäßig werden unsere Produktionen zu Kinder- und Jugendtheaterfestivals und zu Gastspielen im In- und Ausland eingeladen.

Gerade erst wurde meine Inszenierung „Co-Starring“ mit dem Preis der Jugendjury beim 32. Westwind-Festival ausgezeichnet. Mit der Produktion „Da-Heim“, einem Tanztheaterstück mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, wurden wir 2014 zum „Tanztreffen der Jugend“ der Berliner Festspiele eingeladen.

Welche Angebote am Jungen Schauspielhaus sind Ihnen besonders wichtig?

Da sind einmal unsere Eigenproduktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, zwei bis drei Produktionen, die im Theater Unten zur Aufführung kommen, zuletzt etwa „Nalu und das Polymeer“ über Plastikmüll in den Ozeanen. Dazu kommen Projekte wie „Theater in und mit der Stadt“ oder unsere Jugendclubs, in denen Kinder und Jugendliche unter theaterpädagogischer Anleitung die Möglichkeit geboten wird, Spielformen zu entwickeln. Daneben gibt es Theaterworkshops und das Projekt „Schulen in Bewegung“, in das sechs Bochumer Schulen aller Schulformen eingebunden sind.

Wie ist das Junge Schauspielhaus personell aufgestellt?

Das Team besteht aus fünf festen Mitarbeitern: Leitung, Dramaturgie und Projektleitung, zwei Theaterpädagoginnen sowie eine Verwaltungskraft. Pro Spielzeit beschäftigen wird außerdem etwa 30 freie Mitarbeiter und Gäste.

Wie geht es nun weiter?

In der Spielzeit 2017/18, die von Interimsintendant Olaf Kröck geleitet wird, wird das Junge Schauspielhaus wie gehabt weiterarbeiten. Was dann kommt, ist offen.

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