Klassiker

„Maria Stuart“ feiert Premiere im Theater Rottstraße 5

 Szene aus der Aufführung mit Sina Eball und Greta Ipfelkofer.

 Szene aus der Aufführung mit Sina Eball und Greta Ipfelkofer.

Foto: ROTTSTR 5 THEATER

Bochum.  Das Theater Rottstraße 5 zeigt eine Neuinszenierung von Schillers „Maria Stuart“. Der Klassiker kommt als körperbetontes Spiel auf die Bühne.

Schillers Maria Stuart“ entstand 1800, und auch über 200 Jahre später hat das Drama um die unglückselige Königin von Schottland offenbar seinen Reiz noch nicht verloren. Jetzt macht sich das Theater Rottstraße 5 an die Neudeutung des bekannten Bühnenstoffs.

Ränke und Verlust

In jüngster Zeit war „Maria Stuart“ gleich zweimal in Bochum zu erleben. Am Schauspielhaus inszenierte Heike M. Götze 2017 das Stück reduziert, körperbetont und aus feministischer Sicht als physischen Tour de Force-Ritt, bei der sich Johanna Eiworth (Maria) und Bettina Engelhardt (Elisabeth) nichts schenkten. Und im Theater der Gezeiten brachte im letzten Jahr Denise Rech den Klassiker als Solo für eine Schauspielerin heraus; die beiden so verschiedenen und doch so ähnlichen Frauenfiguren Elisabeth und Maria flossen in Rechs intensiv-beklemmender Darstellung in eins.

„Maria Stuart“ handelt von Ränken und Verlust, Ehrgeiz und Erniedrigung, die Elisabeth, Königin von England, mit der konkurrierenden Maria, Königin von Schottland, verbinden. Ein Machtspiel, wenn auch von zwei Frauen ausgetragen, und natürlich steht die Konfrontation dieser zwei Figuren auch in der Inszenierung im Theater Rottstraße 5 im Fokus.

Lieben und Hassen

Elisabeth ist Realistin bis zur Ruchlosigkeit, während Maria - wie alle Stuarts - Romantikerin ist. In der Unbefangenheit, mit der die beiden Königinnen ihr Duell vor den Augen einer Welt austragen, scheint es ihnen, wie ihren Völkern, legitim und selbstverständlich, dass ihr Lieben und Hassen, Wollen und Dulden Welten in Bewegung setzt. Und doch sind beide Herrscherinnen gefangen zwischen männlichen Opportunisten, die sie instrumentalisieren wollen - und dem politischen Zwang ihrer Völker und den Idealen, die sie verkörpern: ein politisches und menschliches Drama.

Die Regisseurin Ariane Kareev schloss im November ihr Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin mit Auszeichnung ab. Mit ihrer bewegungs- und bildintensiven Bearbeitung von „Maria Stuart“ kehrt sie nun ans Theater Rottstraße zurück, wo ihrer Bühnenlaufbahn begann. Greta Ipfelkofer als Maria ist zum ersten Mal im Theater unter den Bahngleisen zu sehen. Sina Ebell (Elisabeth) wirkte dort schon ab 2012 und zeigte unter anderem mehrmals ihr Solo „Das klassische Italien“. Leon Rüttinger (in den Männerrollen) ist Schauspielstudent des dritten Jahres an der Folkwang Hochschule, derzeit steht er an der Rottstraße auch in Yasmina Rezas „Kunst“ auf der Bühne.

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