Theater Rottstraße 5

Marco Massafra kehrt als „Kohlhaas“ zurück nach Bochum

  Marco Massafra steht als Solodarsteller in „Kohlhaas“ auf der Bühne. Regisseurin Therese Dörr hat die Kleist-Novelle in Anlehnung an die Ästhetik des Absurden Theaters in Szene gesetzt.

  Marco Massafra steht als Solodarsteller in „Kohlhaas“ auf der Bühne. Regisseurin Therese Dörr hat die Kleist-Novelle in Anlehnung an die Ästhetik des Absurden Theaters in Szene gesetzt.

Foto: Thorsten Schnorrbusch

Bochum.   Der Bochumer Theaterpreisträger 2010 Marco Massafra ist aktuell in Stuttgart engagiert. Nun kommt er im Theater Rottstraße als „Kohlhaas“ zurück.

Ein Wiedersehen mit Marco Massafra gibt es am Wochenende im Theater Rottstraße. Der Schauspieler kehrt für sein Solo „Kohlhaas“ nach Bochum zurück. Er erzählt Heinrich von Kleists Geschichte des betrogenen Pferdehändlers und Rächers aus einer bemerkenswert heutigen Perspektive.

Erst sieben Jahre Schauspielhaus, dann Stuttgart

Marco Massafra und seine Ehefrau Therese Dörr gehörten sieben Jahre zum Ensemble Anselm Weber/Olaf Kröck am Schauspielhaus; mit der Übernahme des Theaters durch Johan Simons schlugen die beiden neue Wege ein und sind jetzt am Theater Stuttgart engagiert. Den Bezug zu Bochum hat Massafra aber nicht verloren, denn außer am Schauspielhaus war er regelmäßig auch im Theater Rottstraße 5 aktiv. Dort wirkte er als Regisseur („Warten auf Godot“) und als Schauspieler – so in der von Therese Dörr eingerichteten „Kohlhaas“-Inszenierung, die am Samstag auf der Bühne unter den Bahngleisen Wiederaufnahme feiert. Und damit die Wiederbegegnung mit einem außergewöhnlichen Bühnenkünstler ermöglicht.

Massafra wurde 2010 mit dem Bochumer Theaterpreis „Nachwuchs“ ausgezeichnet und stand in maßgeblichen Inszenierungen der Weber-Zeit am Schauspielhaus auf der Bühne. So in der Hauptrolle als Josef K. in Fadhel Jaibis Irrenhaus-Adaption von Kafkas „Der Prozess“, so in der Uraufführung von Lutz Hübners „Richtfest“ (Regie: Weber), so zuletzt in „Die Orestie“. In Lisa Nielebocks Antiken-Aneignung war Massafra neben Anke Zillich als dominante Klytämnestra als bleicher, mordender Geliebter Dreh- und Angelpunkt des perfiden Spiels um Macht und Verrat.

Zurückhaltender, aber wandlungsfähiger Künstler

Der 1981 geborene Darsteller ist von Typ her eher zurückhaltend, aber er ist ein sehr wandlungsfähiger Künstler. Zumal in „Kohlhaas“ tritt Marco Massafra dafür den Beweis an. In Dörrs Regiedebüt ist eine leise absurde Grundstimmung wahrnehmbar, auch weil der hier vorgestellte „Kohlhaas“ wie einst Krapp in Samuel Becketts „Das letzt Band“ allein mit sich und seinen Gedanken ist, und man nie wirklich weiß, was wahr und was Einbildung gewesen sein könnte. Gleichwohl hat die Aufführung ein ziemliches Tempo, was schon daran liegt, dass Massafra in über 20 Rollen schlüpft, um so die Geschichte um den geprellten Pferdehändler Michael Kohlhaas und seine Rachgier vor uns ausbreitet.

Schwebe zwischen Wahrheit und Einbildung

Dabei hält der Darsteller die Schwebe zwischen Wahrheit und (möglicher) Einbildung beständig aufrecht. Mal denkt man, Massafra rekapituliere die bekannte Kleist-Geschichte bloß, dann wieder erweckt er noch die kleinste Nebenfigur so plastisch zum Leben, dass man niemals zweifeln würde, dass all das, was da an Schrecken ausgebreitet wird, wahr und wahrhaftig wäre. Beeindruckend. Und des Wiedersehens wert.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben