Konzert

Manana Menabde singt in Bochum im kleinsten Rahmen

In kleinem Kreis gab

In kleinem Kreis gab

Foto: Klaus Pollkläsener

Mitte.  Die georgische Künstlerin ist in ihrer Heimat eine Größe. Im Jüdischen Soziokulturellen Zentrum Yahad Haverim sang sie unter besonderen Umständen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es ist, als sänge Peter Alexander in der Fußgängerzone ein Ständchen: Manana Menabde ist in ihrer Heimat Georgien eine Künstlerin auf allen Ebenen. Die studierte Regisseurin inszeniert, schreibt, musiziert und singt. Und trotz allem gab sie den Besuchern des Jüdischen Soziokulturellen Zentrums Yahad Haverim am Samstag die Chance, sie ganz nah zu erleben – ohne viel Technik und vor allem ohne Bühnenrampe.

Improvisiert konnte man sie nennen, die Umstände, in denen die Künstlerin vor rund 35 Besuchern auftrat. Das Mikrofon war mit Klebeband an einen Herrendiener getaped, ein Baustrahler spendete ein wenig Licht für den Bereich, der zur Bühne umfunktioniert wurde. Und für die Stühle gab es ein Gebot: Nicht anlehnen, denn nicht alle waren ganz so sicher. „Aber die Leute sind wunderbar“, freute sich die Georgierin. Besonders sei die Situation für sie allemal. Denn sonst kennt Menabde nur die großen Bühnen. „Aber der Austausch hier ist auch Energie“, sagte die Sängerin.

Bis zum letzten Platz war der kleine Raum ausgefüllt. Den Versammelten erzählte Menabde Ausschnitte aus ihrer Biografie – auf russisch. Das Publikum lauschte gespannt. Nur gelegentlich sorgten die Erzählungen für ein Schmunzeln – etwa, wenn die Georgierin erzählte: Auch wenn man das von außen nicht sehe, aber im inneren gleiche sie Marilyn Monroe. Abwechselnd zu den Textpassagen gab die Gitarristin und Sängerin auch russische und georgische Lieder zum Besten. Voller Melancholie erklang dann ihre warme Stimme und verbreitete eine ruhige und nostalgische Atmosphäre.

Für Besucher Elmar Linnemann hat sich der Besuch gelohnt: „Das war eine Perle“, war er überzeugt. Auch wenn der Bochumer kein Wort verstanden hat: „Sie hat eine tolle Stimme. Und auch die Gitarre hat mir sehr gut gefallen.“ Für das Soziokulturelle Zentrum war der hohe Besuch auch eine einmalige Gelegenheit.

Ein Thema ist tabu

Denn sonst engagiert sich der Verein mehr für die Jugend und die Versorgung älterer Menschen: „Wir arbeiten auch mit der Allianz für Demenz zusammen“, sagt Olena Pisarevska vom Yahad Haverim. Über Selbsthilfegruppen über Kinderclubs – für jeden Russischsprachigen ist das Passende dabei. Der Verein handelt konfessionslos – ist also keine jüdische Gemeinde und für alle Interessierten offen. Nur eine Einschränkung gibt es in den Räumen: „Über den Russland-Ukraine-Konflikt ist verboten zu sprechen“, so Pisarevska. Aber davon war das so unübliche Konzert schließlich auch weit entfernt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben