Fotografie

Lost Places: Fotos als Blickfang im Bochums Schlegel-Keller

Olaf Rauch, Kurator der Ausstellung „Verlassene Orte & Schönheit des Verfalls“ hat die Schau im Schlegel-Keller coronagerecht organisiert.

Olaf Rauch, Kurator der Ausstellung „Verlassene Orte & Schönheit des Verfalls“ hat die Schau im Schlegel-Keller coronagerecht organisiert.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Schau Urb Expo zeigt 15 Foto-Serien zu den Themen Lost Places und Ästhetik des Verfalls. Der Ausstellungsraum ist selbst ein verlassener Ort.

Foto-Schau in der Unterwelt: Im alten Schlegel-Keller gegenüber dem Rathaus in Bochum kann man die Ausstellung „Urb Expo“ auf sich wirken lassen. Die neunte Ausgabe der Reihe zeigt 15 neue fotografische Serien aus großformatigen Einzelmotiven zu den Themen Verlassene Orte und Ästhetik des Verfalls.

„Urban Explorer“ auf Erkundungstour

„Lost Places“, verlassene Orte: Das ist weltweit und damit auch in Bochum ein großes Thema. Manchmal ein trauriges. Zuletzt gab es auf einer Brache am Westpark einen tödlichen Unfall. Eine 22-jährige Frau war augenscheinlich während einer Erkundungstour auf dem verwilderten Areal zusammengebrochen. Ihre Begleiter alarmierten den Rettungsdienst, der im unwegsamen Gelände zwischen alten Bahnschwellen und dichtem Bewuchs Schwierigkeiten hatte. Die Polizei ging davon aus, dass das Trio den Ort als „Lost Place“ erkunden wollte. Die junge Frau starb im Krankenhaus.

Eine stetig wachsende „Urban-Explorer“-Szene nimmt Risiken und Gefährdungen aber bewusst in Kauf. Aus Abenteuerlust, aus Neugier, aber auch aus geschichtlichem Interesse, wie Olaf Rauch weiß, Kurator der „Urb Expo“-Ausstellung. Der Bochumer Fotograf ist in der Szene gut vernetzt, und er kennt die Beweggründe, warum Menschen abgeschiedene Orte aufsuchen und sie fotografieren. „Es ist der Reiz, etwas Verlorenes oder Vergessenes wiederzuentdecken und es zurück ans Licht zu holen“, so Rauch.

Dass das Aufsuchen von Lost Places vielfach in einer rechtlichen Grauzone stattfindet, nähmen die „Explorer“ (=Entdecker) in Kauf. „Oft sind die Gelände in Privatbesitz und dürften gar nicht betreten werden“, so Rauch. „Andererseits kommen aber auch nicht alle Eigentümer ihrer Sicherungspflicht nach.“ Anders gesagt: Ist erst einmal ein Loch in der Mauer oder im Zaun, werden Menschen dort eindringen.

Warme Farbtöne, besonderer Reiz

Die Fotografinnen und Fotografen, die „Urb Expo“ versammelt stellen sich ihrem Thema auf Plätzen in der ganzen Welt. Lost Places in Frankreich und den USA sind ebenso vertreten wie solche in Ostdeutschland oder im Rheinland. Die Aufnahmen sind durchweg nicht gruselig gestaltet, sondern strahlen in oft warmen Farbtönen einen beinahe anheimelnden Reiz aus.

Die Gemäuer selbst mögen in der Wirklichkeit mittlerweile spooky erscheinen, deren in der Ausstellung gezeigte Abbildungen sind es nicht. Selbst die aufgelassene Bob- und Rodelbahn in Sarajavo, wo 1984 die Olympischen Wettkämpfe ausgetragen werden, und die später im Bürgerkrieg Bomben und Beschuss ausgesetzt war.

Faszierende Symbiose

Heute gammelt die Anlage vor sich hin, aber auf den Fotos von Jeanette Fiedler sieht alles aus wie ein farbig koloriertes Niemandsland, in dem Grau und Grün, Beton und Wald, eine faszinierende Symbiose eingehen.

Dabei sind Lost Places keine Orte der Ewigkeit. „Vielmehr existieren sie nur temporär für einen mehr oder weniger langen Augenblick“, sagt Olaf Rauch. Auf den Leerstand folgt entweder die Abrissbirne oder eine Um- oder Neunutzung.

>>> Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit allen Exponaten und begleitenden Texten.

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