Regionalwährung

Lokal einkaufen mit einer eigenen Regionalwährung in Bochum

Hartmut Lohmann referierte zur lokalen Währung im Saal des „Your Buddha“.

Hartmut Lohmann referierte zur lokalen Währung im Saal des „Your Buddha“.

Foto: Gero Helm

Bochum.   Die „B-Mark“ soll durch einen bewusst eingesetzten Negativzins die Bochumer Wirtschaft ankurbeln. Der Erlös soll der Gemeinschaft dienen.

In Chiemgau, Holstein und vielen anderen Regionen Deutschlands gibt es sie schon: die Regionalwährung. Nun gibt es auch in Bochum eine Initiative, die auf eine lokale Geldwährung setzt. Der Verein „Gemeinsam schöner Leben“ um seinen Vorstand Hartmut Lohmann will das Projekt in die Tat umsetzen.

Misstrauen gegenüber dem heutigen Geld- und Wirtschaftssystem entwickelte Lohmann spätestens nach der Finanzkrise im Jahr 2008. Den Euro bezeichnet er als „Schuldgeld“ und spielt damit auf die Fähigkeit der Geschäftsbanken an, neues Geld durch die Vergabe von Krediten zu schöpfen. Ein Privileg, das früher so nicht existierte und laut Lohmann „gegen das Grundgesetz verstößt“.

Problem im Zins gesehen

Lohmann sieht das vordergründige Problem des Wirtschaftssystems im Zins. Dieser würde zu einem steigenden Wachstumszwang führen und die Schere zwischen Arm und Reich vergrößern. „Es ist wie ein Zug unter Vollgas: Man kann nicht aussteigen und hofft, dass es noch eine Weile gut geht.“ Die Lösung des Problems sieht er in einer Regionalwährung: der Bochumer Mark, oder der „B-Mark“.

Zu einem Wechselkurs von eins zu eins sollen die Bochumer den Euro in die B-Mark eintauschen können. Das Besondere an der Parallelwährung ist, dass sie umlaufgesichert ist und somit halbjährlich drei Prozent an Wert verliert. Dies soll sicherstellen, dass das Geld ausgegeben wird und stets im Umlauf bleibt. Durch die Bindung an die Bochumer Lokalwirtschaft soll die B-Mark diese unterstützen. „Das Geld kann nicht abwandern“, hofft Lohmann. Nach sechs Monaten werden die Geldscheine mit einer Wertmarke aktualisiert.

Gemeinnützige Projekte sollen unterstützt werden

Mit dem Erlös der Wertmarken will der Verein gemeinnützige Projekte unterstützen. „Das Geld schwindet zugunsten aller Anderen“, sagt Lohmann, der im esoterischen Bereich tätig ist. Das Konzept ähnelt der Chiemgauer Regionalwährung. „Der Vorteil der B-Mark ist, dass diese auch zu einem Kurs von 1:1 wieder in den Euro getauscht werden kann“, sagt Lohmann. Dies würde vor allem den mittelgroßen Betrieben steuerliche Vorteile bieten.

Erste Scheine werden in zwei Wochen gedruckt

Lange hat Hartmut Lohmann an der Realisierung der B-Mark gearbeitet, in zwei Wochen sollen die ersten Scheine gedruckt werden. Sein Verein will für die lokale Währung intensiv werben. „Die ersten Betriebe haben schon Interesse gezeigt“, sagt Lohmann. Ob die Regionalwährung allerdings globalen Problemen wie finanziellem Wachstumszwang und Umweltproblemen entgegensteuern kann, bleibt abzuwarten.

>>>>Für bedingungsloses Grundeinkommen

  • Langfristig will der Verein für ein bedingungsloses Grundeinkommen für Bochumer werben. Dann müsste die B-Mark allerdings vom Euro abgekoppelt werden.

  • Zum Vergleich: Damit der Verein durch die Wertmarken 6000 Euro pro Jahr einnehmen kann, müssten dafür 100 000 B-Mark im Umlauf sein.

  • Der Verein „Gemeinsam schöner Leben“ um seinen Vorstand Hartmut Lohmann wünscht sich eine demokratische Kultur. Er betont das Mitspracherecht der Bürger.

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