Schauspielhaus

„Lindbergh“: Kleine Maus startet im Theater zu großem Flug

Im Hamburger Hafen ist die kleine Maus nicht mehr sicher: Schon lange träumt sie davon, endlich Reißaus nehmen zu können. Szene aus „Lindbergh“ mit Michael Habelitz und dem tollkühnen Stoffhelden.

Foto: Sebastian Kirch

Im Hamburger Hafen ist die kleine Maus nicht mehr sicher: Schon lange träumt sie davon, endlich Reißaus nehmen zu können. Szene aus „Lindbergh“ mit Michael Habelitz und dem tollkühnen Stoffhelden. Foto: Sebastian Kirch

Bochum.   Mit „Lindbergh“ gelingt Regisseurin Martina van Boxen im Theater Unter ein Meisterstück. Liebevoll-nostalgische Aufführung für Kinder ab sechs.

Was tun, wenn die Welt, in der wir leben, eng und hässlich wird? Wenn überall gefährliche Katzen lauern und tödliche Mausefallen ein schreckliches Ende bedeuten? Für die kleine Maus ist die Sache klar: Sie will weg! Weit weg! Am liebsten nach Amerika, wo auch Nagetiere in Frieden leben dürfen. Doch wie kommt man heil über den großen Teich? Die kleine Maus fasst einen kuriosen Plan...

Mit dem großartig illustrierten Bilderbuch „Lindbergh“ gelang dem Autor Torben Kuhlmann vor drei Jahren ein Bestseller. In Anlehnung an den Flieger Charles Lindbergh, der 1927 als erster Mensch den Atlantik überquerte, erzählt Kuhlmann von einer Maus, die dieses Kunststück viel früher vollbrachte. Dem vielfach preigekrönten Buch ließ der Autor sogar ein zweites folgen: In „Armstrong“ zieht es die Maus auf den Mond.

Wundervolles Bühnenbild

Im Theater Unten bringt Martina van Boxen die schwer zu Herzen gehende Geschichte von der fliegenden Maus jetzt auf die Bühne. Und nach einer knappen Stunde Spieldauer und dem donnernden Schlussapplaus lässt sie festhalten: Mit „Lindbergh“ gelingt Martina van Boxen ein Meisterstück. Die Aufführung ist liebevoll, nostalgisch und charmant, sie packt auch junge Zuschauer zu jeder Sekunde und verfügt zudem über eines der wundervollsten Bühnenbilder, die es im Schauspielhaus seit einer Weile zu bestaunen gibt.

Dabei folgt die Regisseurin der Geschichte relativ linear, sie liest sie als Erzählerin aus dem Off sogar selbst vor. Ähnlich wie bei ihrer Produktion von „Däumelinchen“ verbergen sich die Kulissen in lauter Kisten und Koffern, die nach und nach geöffnet werden und den Blick frei geben auf die zauberhaft gemalten Schauplätze: vom Abwasserkanal bis zum Hamburger Hafen zu Beginn des 20. Jahrhunderts (gestaltet von Michael Habelitz und Esther van der Pas). Die drei Schauspieler verlieren dabei auf der Bühne kein einziges Wort. Lediglich mit dem geschickten Einsatz von live gespielter Musik und mit raschen Szenen- und Lichtwechseln treiben Maria Trautmann, Manuel Loos und Michael Habelitz die Geschichte voran, wobei Habelitz die Maus durchaus geschickt als niedliche Handpuppe führt. Kein Wunder, dass dem kleinen Hauptdarsteller der größte Applaus gebührt.

Tollkühner Flug über den Ozean

Dass die Aufführung nebenher einiges erzählt über Flucht und Auswanderung ist ein Aspekt, über den sich die älteren Zuschauer am Ende Gedanken machen können. Die Kleinen staunen derweil über den Ozeanflug, den die tollkühne Maus im selbst gebauten Doppeldecker bewältigt. Und wenn sie nach mehreren gescheiterten Versuchen tatsächlich abhebt, dann ist das ein magischer Moment.

Am Ende der turbulenten Reise steht die Freiheitsstatue wie ein Mahnmal der Hoffnung auf ein besseres Leben in einer fremden Welt. Wünschen wir der tapferen kleinen Maus dabei alles Gute.

Lindberghs Ozeanflug dauert eine Stunde

„Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer kleinen Maus“ ist geeignet für Kinder ab fünf Jahren. Die Aufführung im Theater Unten (Schauspielhaus) dauert etwa eine Stunde.

Die Vorstellungen am 21., 22., 31. Oktober und 5. November sind ausverkauft. Karten gibt es noch für den 18. November. Weitere Vorstellungen im Dezember. Info: 0234 / 33 33 55 55.

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