Bücherherbst

Lesetipps aus Bochum: Diese drei Bücher lohnen die Lektüre

Bochumer Leseherbst: Blick auf die Buchcover der im Text vorgestellten Neuerscheinungen.

Bochumer Leseherbst: Blick auf die Buchcover der im Text vorgestellten Neuerscheinungen.

Foto: JBS

Bochum.  Der Herbst bietet viele Neuerscheinungen, leicht verliert man den Überblick. Die WAZ stellt drei lesenswerte Bücher von Bochumer Autoren vor.

Bald ist der November da, und mit dem Jahreslauf zieht der Bücherherbst ein. Auch wenn die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr coronabedingt ausfallen musste, und die Verlage zu kämpfen haben, waren die Literaten doch nicht untätig. Gilt auch für Bochums Schreibstuben, aus denen ein ganzer Schwung an Neuerscheinungen auf den Markt drängt. Die WAZ stellt drei lesenswerte Titel vor.

Alexandra Huß: Teufelsbruch

Geheimnisvoll, rätselhaft und manchmal blutig geht es in den Büchern von Alexandra Huß zu. Sie spielen oft an entlegenen Orten, etwa in Schottland, aber in ihrem neuen Werk reist die Bochumerin nicht ganz so weit. Denn „Teufelsbruch“ spielt in Berlin, wobei der titelgebende Name sich auf ein Moorgebiet nördlich der Hauptstadt bezieht. Es geht um Joshua, einen Eigenbrötler, der sich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter macht. Das klingt nach Krimi-Plot, und so entwickelt sich das Buch denn auch: zu einem Thriller, der phantastische Szenen mit dem heutigen Alltagsleben verknüpft, wobei hier nicht allzu viel verraten werden soll.

Auch diesmal lässt Alexandra Huß ihre literarische Leidenschaft in die Story einfließen, die alte Dame, mit der es Joshua zu tun hat, heißt nicht von Ungefähr Liselotte Rilke. Und eine Kapitelüberschrift - „Die Blumen des Bösen“ – verweist auf Charles Baudelaire. Das Ganze ist wie immer bei Huß gut beobachtet, sie lässt reichlich Berliner Flair einfließen und kommt mit ihrer Story präzise auf den Punkt. Gute Unterhaltung (Verlag Hansanord,12,90 Euro).

Klaus Rodewig: Wenn das Eis taut

Ein Kapitel seiner eigenen Familiengeschichte hat der Bochumer Mediziner und Psychotherapeut Klaus Rodewig zu einem spannenden zeitgeschichtlichen Roman verarbeitet. Es geht um das größte deutsche Fährunglück (14 Tote) der Nachkriegsgeschichte vom 7. März 1947 auf dem Rhein bei Neuss. Rodewig ist der Sohn des Fährmeisters und Neffe des Unglückskapitäns. Er trägt aber nicht nur die Daten, Zahlen und Fakten zusammen, sondern bettet die Geschehnisse in den eigenen familiären Zusammenhang ein. So wird die Havarie nicht als Verkettung unglücklicher Umstände gedeutet, sondern aus einer psychologischen Zwangsläufigkeit heraus.

Wie waren die familiären Hintergründe, dass der gerade 22 Jahre alte Sohn des Fährbesitzers die Verantwortung für die Fähre übernehmen, und er sie ohne die notwendige Erfahrung bei extremen Wetterbedingungen steuern musste? Das Buch breitet sein Thema auf über 190 Seiten überaus üppig aus, Klaus Rodewig, Jahrgang 1950, schildert die Geschichte so wie er sie aus Erzählungen der Eltern und Verwandten kannte. Und macht damit deutlich, wie sie bis in die Enkelgeneration nachwirkt (Projekt Verlag Bochum, 14,80 Euro).

W. Sophie Reich: Alltagsgeschichten

Das Titelbild dieses schönen Bändchens ziert das Exzenterhaus, ein Stück Alltag unserer Stadt. Allerdings zeigt sich der markante Turm an der Unistraße bunt illuminiert, er wirkt wie eine fantastische Skulptur, die eben überhaupt nicht alltäglich ist. So funktionieren auch die Geschichten, die W. Sophie Reich (*1943) erzählt. Das langjährige Mitglied der Gruppe Bochumer Literaten gebietet über sensiblen Witz und einen liebenswerten Stil, der genaue Beobachtung mit sinnlicher Betrachtung vermischt.

Sophie Reichs Erzählungen handeln von einem Spaziergang in Stiepel mit ungewöhnlich Ausgang oder richten sich, ganz persönlich, in memoriam an den verstorbenen Lyriker Michael Starcke. Die Fragen, wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich? schimmern in jeder dieser sanft schwingenden Erzählungen durch. Ein Buch für schummerige Herbsttage (Books on Demand Norderstedt, 9,90 Euro).

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