Bildung

Leselernhelfer öffnen in Bochum bei Schülern Perspektiven

Heidrun Abel ist Leselernhelferin und Vorsitzende des Vereins.

Heidrun Abel ist Leselernhelferin und Vorsitzende des Vereins.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.  Die Leselernhelfer Bochum suchen Verstärkung. Viele Schulen haben Bedarf signalisiert. Warum Lesen stark macht und was ein Mentor können sollte.

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Die Leselernhelfer suchen Verstärkung. Viele Schulen haben erhöhten Bedarf angemeldet. Die Vorsitzende Heidrun Abel erklärt, was ein Leselernhelfer mitbringen sollte.

Mentor – Die Leselernhelfer Bochum arbeiten bereits mit 66 Grundschulen, weiterführenden Schulen und Berufskollegs. Der Bedarf ist weiterhin groß. Wieso?

Heidrun Abel: Die Klassenstärken sind oft so groß, dass Lehrer sich nicht um schwache und besonders gute Schüler kümmern können. Sie sind gezwungen, Unterricht anzubieten, der möglichst viele Kinder erreicht und haben keine Zeit für besondere Förderung. Hinzu kommt, dass in den Elternhäusern vieler Kinder nicht vorgelesen wird, keine Bücher vorhanden sind und die Eltern selbst Leseschwierigkeiten haben. So kommt es insgesamt dazu, dass viele Kinder Lücken in der Lese-, Sprach- und Schreibbefähigung haben.

Und die Mentoren kommen dann zur Nachhilfe?

Nein, es handelt sich nicht um eine zusätzliche Unterrichtsstunde! Im Vordergrund steht: Wir wollen Kindern durch fröhliche Leseerlebnisse nahebringen, dass Lesen etwas Schönes ist. Die Lücken, die die Kinder in ihrer Lesetechnik haben, machen Lesen mühsam, so kann es keine Freude machen. Beim Üben haben wir keine Vorgaben, in einer bestimmten Zeit etwas zu erreichen. Wir beginnen bei den Stärken des Kindes und loben viel – einige Kinder haben das noch nicht erlebt.

Was muss man als Mentor mitbringen?

Hauptsache sie lesen selbst gern und mögen Kontakt zu Kindern. Mentoren können die Lesestunde so gestalten, wie sie mit einem eigenen Kind lesen würden. Außerdem sollte man Zuverlässigkeit mitbringen. Die Mentorschaft funktioniert nach dem „1:1 Prinzip“, das heißt: Ein Mentor liest mit einem Kind, einmal in der Woche, eine Stunde in der Schule des Kindes.

Ein Buch sollte man am besten auch mitbringen, oder?

Na klar, aber die Auswahl ist riesig – es muss nur dem Kind gefallen. Im Idealfall hat es selbst ein Buch, was es lesen möchte. Viele Kinder besitzen keine Bücher und kennen es nicht, dass ihnen vorgelesen wird. In Schulen gibt es Bücherkisten und unser Verein bietet jede Menge Lesestoff. Mentoren bekommen einen Stadtbüchereiausweis für die Kinder- und Jugendbuchabteilung. Es müssen aber nicht ganze Bücher gelesen werden: Der Verein stellt auch eine kunterbunte Kinderzeitung zur Verfügung. Solange es Spaß macht, stärkt Lesen.

Wieso?

Lesekompetenz ist enorm wichtig und zwar nicht nur für die schulische und berufliche Entwicklung. Lesen ermöglicht erst gesellschaftliche Teilhabe. Positive Leseerlebnisse geben den Schülerinnen und Schülern Selbstvertrauen. Nur wer sicher lesen kann, versteht Aufgabenstellungen und fühlt sich gewachsen, sie zu lösen. Bücher sind ein großes Geschenk: In fantasievollen Welten lassen sich Abenteuer erleben.

Mehr als 500 Mentoren arbeiten mit mehr als 600 Kindern. Nehmen die auch etwas mit?

Ja, sie wollen ihre Lesestunden nicht mehr missen und sprechen schnell von „mein Paul“ oder „meine Laura“. Mentoren bereichert die vertrauensvolle Bindung zum Kind und die Freude, wenn es auf dem Pausenhof angelaufen kommt. Außerdem ist es für alle toll zu sehen, wie sich die Leseleistung verbessert.

>> LESEHELFER ARBEITEN EHRENAMTLICH

Der Verein Mentor – Die Leselernhelfer Bochum wurde 2007 gegründet. Er bringt ehrenamtlich tätige Mentoren mit Kindern zusammen, die aus den unterschiedlichsten Gründen Probleme mit der deutschen Sprache haben.

Wer Interesse daran hat, Lesementor zu werden, kann sich beim Verein Mentor – Die Leselernhelfer Bochum e.V. unter www.bochum-mentor.de melden oder zu den Bürozeiten Kontakt unter 0234-89013139 aufnehmen.

Nach einem persönlichen Gespräch findet eine zentrale Einführungsveranstaltung statt.

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