neue bücher

Lese-Tipps im Bochumer Literatur-Frühling

Literatur im großen Stil halten die Büchereien bereit.

Literatur im großen Stil halten die Büchereien bereit.

Foto: Michael Kleinrensing

Bochum.  Die WAZ stellt Neuerscheinungen von Anja Liedtke, Ulrike Migdal und Inge Meyer-Dietrich vor. Man darf sich auf Abwechslung gefasst machen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bochum ist auch eine Stadt der Literatur – Einzelkünstler, Autorenvereinigungen und nicht zuletzt die Stadtbücherei und die Literarische Gesellschaft sorgen dafür, dass das im Stadtwappen auffindbare Buch auch im durchdigitalisierten, modernen Leben seine Wertschätzung behält.

An dieser Stelle stellt die WAZ drei neue Bücher vor, die im Lese-Frühling 2017 auf sich aufmerksam machen. Verbunden damit sind Kurzporträts der Autoren. Dass es sich dabei um drei Schriftstellerinnen handelt, ist dem Zufall geschuldet. In jedem Fall geht es darum, die Diskussion über Literatur öffentlich weiterzuführen.

Denn Gespräche über Bücher und das Schreiben sowie literarische Reflexionen haben es – trotz aller geäußerten Wertschätzung – in Zeiten von Facebook, Twitter & Co. zunehmend schwer. Jedenfalls, solange das oft geforderte, aber nie eingelöste „Literaturhaus Bochum“ ein Luftschloss bleibt.

>> Ulrike Migdal blickt in Tiefenschächte der Seele

Die Bochumer Literatin Ulrike Migdal ist vor allem als Lyrikerin bekannt. In ihrem neuen Buch „Kein Reim auf Mensch“ geht sie aber schreibend über Grenzen hinweg und versammelt neben ihren Poemen kurze Erzählungen. Und doch ist das Eine dem Anderen eng verwandt, man könnte sogar sagen, die knappen Texte sind ebenfalls wie Gedichte, wenn auch in einem veränderten Look.

In jedem Fall steht Migdal auch in ihrem aktuellen Band für eine artifizielle, nicht ohne Weiteres zugängliche Sprache. Ihre Arbeiten sind poetische Bildfindungen von einiger Kraft, konzentrierte Wortgebilde, belebt durch einem pulsierenden Atem.

Es geht der Autorin um Existenzielles

Inhaltlich geht es „um Existenzielles“, wie die Schriftstellerin sagt. Sie steigt in ihren durchkomponierten Gedankenfragmenten hinab in die „Tiefenschächte der Seele“. „Wir belügen uns, wenn wir sagen: wir haben alles im Griff“, sagt Migdal. Sie weiß, dass in jedem Sphären lauern, die uns ängstigen: Trauer, Verlust, Rohheit, soziale Kälte, Sehnsucht nach Nähe.

Als Künstlerin findet sie Worte für das, was jeden angeht – aber es ist eine Sinnsuche, die dem Leser nicht einfach zufällt, sondern die er sich erarbeiten muss. Migdals Texte sind wie eine rhythmische, durchkomponierte Partitur, die man zu lesen verstehen muss. „Kein Reim auf Mensch“ erschient im Geest-Verlag Vechta (11 Euro).

>> Anja Liedtke macht David Bowie zum Romanhelden

Schwimmen wie ein Delphin oder: Bowies Butler“ heißt der neue Roman von Anja Liedtke; der Titel-Bezug kommt nicht von ungefähr, denn das Buch erschien anlässlich David Bowies Geburts- und Todestag (8.1.1947-10.1.2016). Da passt es, dass die bekannte BO-Autorin den britischen Pop-Künstler sogar persönlich vorkommen lässt.

„Der Roman spielt mit Realitäten und Fiktionen“, sagt Liedtke. Heißt: die echte Bowie-Biografie wird mit einer erfundenen Handlung verknüpft. Die dreht sich (auch) um die Figur der jungen Alex, die, orientierungslos, schließlich selbst gefunden wird: David Bowie liest sie nahe seines Hauses auf, wo Alex in ihrem Auto übernachtet.

Hieraus entspinnt sich ein berufliches und persönliches Verhältnis, das in einer gemeinsamen künstlerischen Zukunft mündet. Anlass des Schreibens war für Liedtke übrigens ihre eigenes Faible für die Musik und Texte David Bowies – seit dem ersten Hören von „Low“ ist sie fasziniert.

Am 16. Februar stellt Anja Liedtke ihren Roman in der Bibliothek Querenburg vor (19 Uhr). „Schwimmen wie ein Delphin oder Bowies Butler“ erscheint im Asso Verlag Oberhausen (12,90 Euro).

>> Inge Meyer-Dietrich entwirft ein Zeitpanorama

Ein großes Zeitpanorama vom Anfang des 20. Jahrhunderts entwirft Inge Meyer-Dietrich in ihrem Ruhrgebiets-Roman „Leben und Träume der Mimi H.“. Die in Gelsenkirchen lebende Schriftstellerin ist in BO-Werne aufgewachsen; die Geschichten und Gespräche aus dem vom Bergbau geprägten Umfeld ihre Kindheit sind wie eine unabwaschbare Grundierung für ihr Buch.

Darin sorgt Mimi, Ehefrau eines Bergmanns, für den Unterhalt der Familie mit drei Kindern, über das politische Chaos der Nachkriegszeit ab 1918, über Inflation, Ruhrbesetzung und Weltwirtschaftskrise hinweg. Es gab und gibt zahllose Bücher, die sich mit jener ideologisch und sozial aufgeheizten Epoche auseinandersetzen.

Meyer-Dietrich ficht das nicht an. Sie entwirft in einer lebendigen, sensibel durchwirkten Sprache das Lebensbild einer Frau, die sich über alle Wandlungen hinweg ihre Träume bewahrt.

Mimi H.s Lebensgeschichte ist so authentisch wie Inge Meyer-Dietrichs Buch lesenswert. (Verlag Henselowsky Boschmann Bottrop, 9,90 Euro)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben