Abschied

Langjährige Leiterin des Stadtarchivs verabschiedet sich

Ingrid Wölk verabschiedet sich Ende des Monats als Leiterin des Zentrums für Stadtgeschichte.

Ingrid Wölk verabschiedet sich Ende des Monats als Leiterin des Zentrums für Stadtgeschichte.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Seit 2005 leitet Ingrid Wölk das Bochumer Stadtarchiv. Jetzt geht sie in den Ruhestand. Auf Umzug und bewegende Ausstellungen blickt sie zurück.

Sie wurde vorgewarnt: „Von hundert auf null in den Ruhestand zu gehen: Da soll man dann erstmal in ein tiefes Loch fallen“, so hat es sich Ingrid Wölk oft sagen lassen. Doch die langjährige Leiterin des Stadtarchivs ist keine Frau, die im Interesse eines gemütlichen Abschieds ihren Dienst langsam ausklingen lassen würde. Bis zuletzt sind ihre Tage randvoll mit Arbeit und Terminen.

Eigentlich könnte Ingrid Wölk schon seit Anfang des Jahres im Lehnstuhl daheim in Herten sitzen, doch die Suche nach ihrem Nachfolger gestaltete sich schwieriger als gedacht. So wurde sie gleich zweimal gebeten, jeweils noch ein Vierteljahr dranzuhängen. Wer ihr als Leiter des Stadtarchivs folgt, soll in Kürze benannt werden.

Interesse für Geschichte erwachte erst spät

Seit 2005 leitet Ingrid Wölk das Stadtarchiv, zuvor war sie viele Jahre die Stellvertreterin ihres Vorgängers Johannes Volker Wagner. Dabei erwachte ihr Interesse für Geschichte erst spät: Nach einer Ausbildung zur Verwaltungsangestellten erreichte sie das Abitur über den zweiten Bildungsweg, studierte Germanistik, Politik und später auch Geschichte als drittes Fach. „Das war keine große Liebe“, erinnert sie sich. „Das Interesse fürs Historische erwischte mich spät, aber dann mit Macht.“ Nach der Promotion absolvierte sie ein Referendariat für den höheren Archivdienst in Wiesbaden und Marburg. Dem genauen Quellenstudium galt immer ihr großes Interesse. „Es ist spannend, an die Wurzel zu gehen“, sagt sie. „Ich muss immer alles hinterfragen und kann nichts einfach so hinnehmen.“

Umzug von der Kronenstraße

Eine ihrer größten Aufgaben war der Umzug des Stadtarchivs 2007 von der Kronenstraße in die ehemalige Hauptverwaltung von Aral an die Wittener Straße – und zugleich die Öffnung des Archivs zu einem stadthistorischen Museum mit festen Öffnungszeiten. Hier ist Stadtgeschichte für jedermann erfahrbar. „Diese Doppelfunktion war mir sehr wichtig“, sagt sie. „Denn seit das Stadtmuseum im Haus Rechen 1944 zerstört wurde, hat es etwas Vergleichbares nie wieder gegeben.“

Lebensgeschichte wie ein Krimi

Große Ausstellungen fallen in ihre Amtszeit: Auf „97 Sachen“ mit Alltagsobjekten schaut sie ebenso gern zurück wie auf „Fremd im Revier“ zum Kulturhauptstadtjahr 2010. Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg hielt das Stadtarchiv mit gleich zwei Ausstellungen wach. In „Leo Baer: 100 Jahre deutsch-jüdische Geschichte“ zeichnete Wölk die unglaubliche Lebensgeschichte eines Bochumers nach, der Fremdenlegionär in Nordafrika wurde und vor den Nazis floh. Ein echter Krimi. Auch die Einführung der Stolpersteine geht auf Wölks Initiative zurück.

Was sie demnächst mit ihrer vielen Freizeit anstellen möchte: Ingrid Wölk weiß es noch nicht. Eine Reise nach Texas ist in jedem Fall geplant. „Auf den Spuren von Karl May! Von dem war ich als Kind schon großer Fan, obwohl er den Wilden Westen bekanntlich nie gesehen hat.“

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