Galerie-Blick

Kunstverein Kulturrat zeigt verspielte Kunst

„Teppichhändler“: Blick in den Raum mit den Filzbahnen, die Sebastian Weggler im großen Raum des Kunstvereins ausbreitet.

Foto: Dietmar Wäsche

„Teppichhändler“: Blick in den Raum mit den Filzbahnen, die Sebastian Weggler im großen Raum des Kunstvereins ausbreitet. Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Zu sehen sind Malerei, Skulptur, Objekt und Installationen von Sebastian Weggler. Der Künstler zieht in seiner „Retrospektive“ viele Register.

Verspielte Kunst, könnte man meinen, wenn man Sebastian Wegglers Ausstellung „Retrospektive“ im Kunstverein Kulturrat nur oberflächlich auf sich wirken lässt. Aber so zu denken, wäre weit gefehlt, denn diese einladend wirkende Kunst steckt voller Widerhaken. Und die pieksen das Selbstverständnis des Betrachters ein ums andere Mal.

Schon „Retrospektive“ ist ein schräger Titel – Weggler ist gerade mal 35, und will schon Rückschau auf ein Künstlerleben geben? Aber er ist auch wahr, denn dieser an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Jörg Immendorff und Markus Lüpertz ausgebildete Kreative ist in so vielen Bereichen zu Hause, dass es fast Wunder nimmt, wie er alles unter einen Hut bringt. Dazu kommt eine extrem hohe Schlagzahl im produktiven Ausstoß.

Experimentierfreude, doppelbödiger Humor und schräger Hintersinn

Malerei, Skulptur, Objekt, Installation: Wegglers Schaffen ist durch Experimentierfreude gekennzeichnet, doppelbödiger Humor und schräger Hintersinn markieren seine Herangehensweise. Etwa, wenn er sich als „Teppichhändler“ stilisiert, aber das ausgestellte Konvolut an dicken, trägen Tüchern nur aus Filz-Decken besteht. Ironie auch das, und sie macht vor dem Künstler selbst nicht Halt. Stets hinterfragt Weggler seine Rolle als Kunst-Schaffender und wirkt das selbstbildlich in seine Arbeiten ein.

Die Schau ist ungewöhnlich reizvoll, auch weil sie so voller kraftvoller Farben steckt. Wegglers Wunderkammer der Gattungen, Techniken und der Materialvielfalt entfaltet einen Kosmos der Farben und Formen, die sich wie eine „Handschrift“ wiederholen, und auf die man sich doch nie verlassen kann. Man denke an die autobiografischen „Reisekoffer“-Gemälde, man denke an die bunt-witzigen Briefmarken-Unikate, die Auswahl skurriler, holzgeschnitzter Masken. Aber daneben stehen unvermittelt Keramikteller und -vasen in Delfter Blau, wenn auch mit schlüpfrigen Motiven. Oder der Präparate-Zyklus „Die Umwandlung unwerter Fliegen in hochwertige Kunstprodukte“, minimalistisch und morbide zugleich.

Teppichhändler, Herr der Fliegen, Fakir oder Bettvorleger – Sebastian Weggler ist nichts davon und alles auf einmal. Es macht Spaß, die Launen seiner Inspiration zu genießen. Aber man sollte sich nie zu gewiss sein, dass diese leutselig sich gebende Kunst wirklich nur „Spaß“ machen will.

>>> Dienstags und donnerstags geöffnet

Die Ausstellung „Retrospektive“ ist bis zum 1. Juli im Kunstverein Kulturrat, Lothringer Straße 36c, zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 18 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung (0234/86 20 12).

Im Rahmen der Jubiläumsfeier „30 Jahre Bochumer Kulturrat auf Lothringen“ gibt es am Sonntag, 1. Juli, von 15 bis 20 Uhr eine Sonderöffnung.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik