Kulturort

Kunstkirche Christ König blickt auf zehn erfolgreiche Jahre

Spektakulär war die Lichtinstallation, die Paul Estrell im Dezember 2010 in der Kunstkirche Christ König realisierte.

Spektakulär war die Lichtinstallation, die Paul Estrell im Dezember 2010 in der Kunstkirche Christ König realisierte.

Foto: Karl GATZMANGA

Bochum.  Die Bochumer Kunstkirche Christ König wird es in der seit zehn Jahren bewährten Form nicht mehr geben.. Nun sind neue Ideen gefragt.

Aus zwölf Kunstprojekten wurden fast 40, und aus einem Jahr am Ende fast zehn: Mit einer letzten Installation ging das Projekt Kunst in der Christus-König-Kirche (K.I.C.K.) zu Ende.

Besucher fühlten sich an Industriekultur erinnert, angesichts der Kranhaken, die der Künstler Nol Hennissen zum Abschied von der Decke ins hohe, leere Kirchenschiff baumeln ließ. Der Werkcharakter der Installation des Niederländers passte ganz gut in Bild, denn nach einem erfolgreichen Jahrzehnt ist K.I.C.K. nun selbst wieder eine Baustelle: Hennissen war der letzte Künstler, der hier ausstellt; das auch überregional beachtete Projekt wird eingestellt.

Versteckte Probleme

Die Gerüchte kursierten schon länger, nun meldet Propst Michael Ludwig Vollzug. „Dieser Raum ist in die Jahre gekommen“, sagt der Pfarrer der Propstei St. Peter und Paul und damit Hausherr der Kunstkirche. Und verweist auf offensichtliche Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk und versteckte Probleme im Heizungskeller.

Entscheidender als die baulichen Beeinträchtigungen in der Kirche (ein Wiederaufbau von 1957) war möglicherweise aber das Ausscheiden von Norbert Düwel. Er war mit einer halben Stelle der einzige hauptamtliche K.I.C.K.-Mitarbeiter, und geht jetzt in den Ruhestand.

Praktische Hilfe

Um das hohe Niveau der Ausstellungen zu halten, bedarf es aber eines „Mädchens für alles“, das Düwel in all den Jahren war. Ob er für Handwerker die Türen aufschloss, den Künstler/innen beim Aufbau ihrer Werke praktisch behilflich war oder konzeptionell mit Propst Ludwig und der Kunsthistorikerin Elisabeth Kessler-Slotta die Vernissagen plante: Ohne Düwel wäre vieles überhaupt nicht möglich gewesen. Da es keinen Stelle-Ersatz vom Bistum gibt, wird es auch keine Fortführung seiner Arbeit geben. „Das ist schade, aber in der Qualität, wie wir sie wollten, wären K.I.C.K. nicht mehr zu fahren“, bedauert Propst Ludwig.

Dabei kann er auf die völlig unerwartete Erfolgsgeschichte des Kunstprojekts verweisen: Ab 2008 stellte Propst Ludwig ein Team aus Ehrenamtlichen mit Kunstsachverstand zusammen. Ziel: In dem als Gemeindekirche aufgegeben Gotteshaus ein Programm für das Kulturhauptstadtjahr 2010 organisieren. „Im ersten Jahr hatten wir hier zwölf Darbietungen, für jeden Monat eine – das war ein rasanter Einstieg“, erinnert sich die Kunsthistorikerin Kessler-Slotta, die zur K.I.C.K.-Kuratorin wurde.

Viel Publikumszuspruch

Vor allem wegen des Erfolgs sei nach dem Kulturhauptstadt nicht an ein Aufhören zu denken gewesen: „Wir hatten so viel Publikumszuspruch. Wenn wir die Tür aufgemacht haben, war es voll“, sagt Kessler-Slotta, die bekräftigt: „Die Künstler hatten hier alle Freiheiten.“

Die Schlagzahl der Installationen wurde im Laufe der Jahre etwas langsamer, weniger spektakulär wurden sie nicht. Man denke an Dirk Hupes konsumkritische Installation „Sehnsucht“, für die er die Kirche mit tausenden schwarzer und weißer Plastiktüten, gefüllt mit Luftpolsterfolie, ausstaffierte. Oder an die Videoprojektion des Berliner Lichtkünstlers Paul Estrell, der die Kirche in ein Lichtgewand kleidete, das alle paar Tage wechselt. Oder an das filigrane, kaum sichtbare Garngespinst, das Elke Maier in dem weiten Raum aufspannte, und das dessen Wahrnehmung doch entscheidend veränderte.

Riesige Dornenkrone

Das K.I.C.K.-Konzept war tragfähig, vielleicht weil es so simpel formuliert war: Für jeden Künstler gab es die zunächst schlicht klingende Herausforderung, den Raum zu gestalten. Doch der ist eben nicht „ohne“, diese riesige, leere Halle mit dem Altar vor Kopf und der stählernen, riesigen Dornenkrone an der Stirnwand. Nicht alle angefragten Künstler haben auch zugesagt. „Manche sind mit dem Raum nicht klar gekommen“, weiß Kessler-Slotta.

Wie es weiter geht in und mit der Kirche am Steinring steht dahin. Gerüchte, die Kirche solle abgerissen und das Gelände mit Altenwohnungen bebaut werden, weist Propst Michael Ludwig vehement zurück: „Das ist nicht geplant, im Gegenteil. Wir versuchen, die Kirche zu erhalten“. Die Frage sei nur, wie. Die Renovierungsfrage müsse geklärt werden, danach seien möglicherweise kleine Events wie Lesungen, Konzerte, Aufführungen möglich. Der Kultur solle das aufgelassene Gotteshaus in jedem Fall weiter dienen, beteuern die Verantwortlichen. Denn in diesem Punkt herrscht Einigkeit: Von der Begegnung zwischen Kunst und Kirche profitieren am Ende alle.

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