Kunstmuseum

Kunst stellt die Frage nach der Religion

Auch Stefan W. Knors „Pièta“ ist in der Ausstellung zu sehen. Der Künstler hat eine verbrannte Holzskulptur der trauernden Gottesmutter mit dem toten Christus mit einer Goldlasur verfremdet und damit überhöht.

Auch Stefan W. Knors „Pièta“ ist in der Ausstellung zu sehen. Der Künstler hat eine verbrannte Holzskulptur der trauernden Gottesmutter mit dem toten Christus mit einer Goldlasur verfremdet und damit überhöht.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Die Schau „Bild Macht Religion“ im Museum Bochum stellt sich einem schwierigen Thema. Exponate aus aller Welt fordern zur Auseinandersetzung auf.

„Bild Macht Religion“ ist der doppelsinnige Titel einer so umfangreichen wie tiefgründigen Ausstellung im Kunstmuseum. Bis zum 24. Februar wird in einem großen, spartenübergreifenden Format Kunst zwischen Verehrung, Verbot und Vernichtung präsentiert. Die Schau „hat es in sich“, wird aber auch überregional wahrgenommen. Die WAZ sprach mit Museumsdirektor Hans Günter Golinski.

Die Ausstellung hat das Museum mit dem Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität realisiert, das Konzept ist anspruchsvoll. Wie kommt das an?

Golinski: Wir sind mit den Besucherzahlen zufrieden, sie sind immer weiter angestiegen. Auch wenn man das nicht quantifizieren kann, so kann man doch feststellen, dass zu Stoßzeiten – etwa am eintrittsfreien Mittwoch oder an den Wochenenden – verstärkter Andrang da ist, dem wir auch begegnen.

Wie sieht das aus?

Zum Beispiel sind unsere Museumspädagogen präsent, die für weiterführende Auskünfte zur Verfügung stehen. Viele Leute haben Fragen an die Ausstellung, die ja doppelbödig angelegt ist. Denn auch der Umgang mit Bildern in Religion und Kunst ist ambivalent: Zum einen ermöglichen Bilder, etwas zu sehen, was anders nicht zu sehen ist – Heilige, Götter oder transzendente Wesen. Bilder können faszinieren und anziehend sein. Oder sie können genau das verleugnen und ablehnen.

Die Ausstellung nimmt den Betrachter durch die Vielfalt der Exponate für sich ein. Aber wird auch das „warum?“ deutlich.

Ich denke schon. „Bild Macht Religion“ thematisiert die zwiespältige Rolle von Bildern, Statuen und anderen Darstellungsformen, die Ein- und Rückflüsse auf alle Weltreligionen haben; es sind Arbeiten aus den großen Religionskreisen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus zu sehen. Die Bilder und die Installationen der Schau sind so gehängt bzw. gestellt, dass man schon beim Gehen anfängt, nachzudenken. Es stimmt, dass man sich an den gezeigten Werken reiben kann. Aber es wird durch sie immer auch deutlich, dass alle Religionen nebeneinander stehen und gleichwertig sind; dass keine wichtiger ist als die andere.

Gezeigt wird keine religiöse Kunst, sondern das Werk von Künstlern, die sich mit Religion auseinandersetzen. Das reicht von der griechischen Ikone bis zum blasphemischen „Gekreuzigten Frosch“ von Martin Kippenberger.

Die Schau versammelt so gute Werke aus einem weltumspannenden Kanon, dass die Kunst auch alleine „wirkt“. Denken Sie an die hochrangigen Ikonen, die wir zeigen, oder die historischen ZEN-Kreisformen „Ensos“ aus Fernost. Im Erdgeschoss ist eine solide Basis gelegt, um dann im Obergeschoss auch Konfrontationen begegnen zu können, die zeitgenössische Künstler mit ihren religionskritischen Arbeiten provozieren. Natürlich fordern sie zur Auseinandersetzung auf.

Was, würden Sie sagen, macht den besonderen Reiz der Schau aus?

Es ist der Reiz, einmal etwas ganz anderes als das Erwartete zu entdecken. Und sich klar zu machen, dass das Thema „Religion“ auch in der Gegenwartskunst eine wichtige Rolle spielt.

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