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Kulturpolitik in Bochum: Jetzt werden neue Anführer gesucht

Für die „Kulturstadt Bochum“ wird auch im U-Bahnhof geworben. Kultur und Bildung werden als Schwerpunkte der kommunalen Politik verstanden.

Für die „Kulturstadt Bochum“ wird auch im U-Bahnhof geworben. Kultur und Bildung werden als Schwerpunkte der kommunalen Politik verstanden.

Foto: Klaus Hartmann / WAZ FotoPool

Bochum.  Drei profilierte Politiker verlassen den Bochumer Rat. Dieter Fleskes, Hans H. Hanke und Lothar Gräfingholt haben die Bochumer Kultur mitgeprägt.

„Time to say good-bye“ heißt es für drei gestandene Lokalpolitiker, die sich seit Jahrzehnten insbesondere für die Kultur in Bochum stark gemacht haben. Im neuen Rat, der sich gerade konstituiert, spielen Dieter Fleskes (SPD), bislang Vorsitzender des Kulturausschusses, sowie die kulturpolitischen Sprecher Hans H. Hanke (SPD) und Lothar Gräfingholt (CDU) keine Rolle mehr.

Damit geht im Wortsinn eine Ära zu Ende, denn der kommende Stadtrat hat viele neue Gesichter. Wer von den Parlamentariern sich fortan für die Belange der Kulturpolitik stark machen wird, steht dahin. Die allermeisten sind bis dato nicht gerade als ausgewiesene Experten für Theater, Kunst & Co. in Erscheinungen getreten.

Bochum als „Hotspot der Live-Kultur“

Fachwissen bedarf es allerdings, denn die Entscheidungen in Sachen Kultur, die in Absprache mit dem Kulturdezernat zu treffen sind, sind für Bochum ebenso bedeutsam wie Entscheidungen etwa im Schul- oder Bausektor. Man denke an überregional ausstrahlende Leuchttürme wie das Schauspielhaus, die Symphoniker oder das Kunstmuseum. Nicht umsonst spielt das Schlagwort „Hotspot der Live-Kultur“ eine prominente Rolle auch in der „Bochum Strategie“, mit der OB Thomas Eiskirch (SPD) angetreten ist, unsere Stadt zukunftsfest zu machen.

Die Sozialdemokraten Fleskes und Hanke haben auf eine neuerliche Kandidatur für den Rat verzichtet; beim CDU-Mann Gräfingholt liegen die Dinge anders. Er hätte gerne eine weitere Runde gedreht, rutschte aber wegen des schwachen CDU-Ergebnisses bei der Kommunalwahl am 13. September aus der Kurve, denn das CDU-Ranking zog nicht bis zu seinem Listenplatz.

Wie blicken die Politiker auf die BO-Kultur zurück, was bleibt aus ihrer Amtszeit hängen, auf was sind sie stolz? Drei Statements.

Dieter Fleskes (*1943), seit 1975 Lokalpolitiker, ehedem in der Bezirksvertretung WAT, seit 1979 im Rat der Stadt Bochum. Seit 2010 Vorsitzender des Bochumer Kulturausschusses:

„Für mich war immer wichtig, der Kultur soviel Gewicht wie möglich zu geben. Das war nicht immer leicht, denn viele meiner Kolleg/innen im Rat sehen ,die Kultur’ eher als Add-On, also als Zugabe im politischen Geschäft. Das habe ich immer anders gesehen, Kultur ist integraler Bestandteil einer Gesellschaft und muss als solche wahrgenommen und gefördert werden. Die schwierige Lage Bochums in der Finanzkrise, die Strukturbrüche nach der Opel-Schließung und dem Nokia-Aus machten es nicht einfacher.

Stabilisierung der freien Szene

Und doch ist es gelungen, die freie Szene zu stabilisieren, den Kulturentwicklungsprozess anzustoßen, die Jahrhunderthalle als Top-Veranstaltungsstätte zu entwickeln. Mit dem Musikforum kam ein neues, überregional ausstrahlendes Juwel dazu, und das Schauspielhaus erhält unter der Intendanz von Johan Simon endlich wieder die künstlerische Wertschätzung auch über Deutschland hinaus, die wir uns lange gewünscht haben.

Dass Bochum nach wie vor zu den stabilsten Kommunen im Ruhrgebiet zählt, und auch wichtige kulturelle Entscheidungen – etwa die Benennung des neuen Generalmusikdirektors oder die Konsolidierung des Schauspielhauses nach dem strukturellen Defizit im Theateretat – parteiübergreifend und einvernehmlich getroffen wurden, macht eine besondere Bochumer Stärke aus.

Die Stadt lebt und entwickelt sich, gerade in den letzten Jahren haben wir gemeinsam einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Bochum ist zum Musterschüler der Region geworden, zumal kulturell.

Lothar Gräfingholt (*1953), seit 1999 im Rat, ehemaliger OB-Kandidat und Kultursprecher der CDU-Fraktion:

„Als ich anfing, war Steven Sloane gerade zum Generalmusikdirektor ernannt worden. Schon damals war der Bau eines Musikhauses ein großes Thema. Für mich war das Projekt sehr interessant, weswegen ich früh die Forderung erhoben hatte, die Marienkirche in die Überlegungen einzubeziehen, nachdem feststand, dass das Musikhaus in die Innenstadt sollte.

Musikforum als „tolle Lösung“

Umso mehr war ich froh und bin es noch über die tolle Lösung, die mit dem Musikforum dann 2016 geschaffen wurde. Einen besonderen Blick hatte ich stets auf das Schauspielhaus. Mein Wunsch war es vor 20 Jahren, dass unser Theater in Deutschland endlich wieder so wahrnehmbar sein sollt, wie ehedem. Mit Johan Simons ist das gelungen.“

Hans H. Hanke (*1956), 16 Jahre Ratsmitglied, langjähriger kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion:

„Neben dem Schauspielhaus, den Symphonikern, dem Prinz-Regent-Theater und dem Museum lag mit immer die freie Szene am Herzen. Ich bin sehr froh, dass wird die Förderung gerade der kleinen Kultur-Akteure auf eine sichere Basis stellen konnten, dass sich Formate wie die BO-Biennale entwickeln konnten; sie machen mit die Bedeutung Bochums für die Kulturlandschaft im Ruhrgebiet aus.

„Bochumer Kultur steht besser da als 2004“

Wichtig für mich waren der Anstoß zum Kulturentwicklungsplan, der jetzt vorangetrieben wird, und das Eintreten für Belange des Denkmalschutzes, wie zuletzt für den Erhalt des Gebäudes der Musikschule. Grundsätzlich kann ich sagen: Die Bochumer Kultur steht heute besser da als 2004.“

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