Corona

Kulturleben in Bochum wird durch Coronaregeln stillgelegt

Die Villa Marckhoff-Rosenstein des Kunstmuseums Bochum beherbergt die eigene Sammlung. Ob sie trotz der neuen Corona-Regelungen zugänglich bleibt, stellt sich in den nächsten Tagen heraus.

Die Villa Marckhoff-Rosenstein des Kunstmuseums Bochum beherbergt die eigene Sammlung. Ob sie trotz der neuen Corona-Regelungen zugänglich bleibt, stellt sich in den nächsten Tagen heraus.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die strengen Coronaregeln wirbeln die Bochumer Kultur durcheinander. Der neuerliche Lockdown hat fatale Folgen. Nicht nur Premieren fallen aus.

Die Ankündigung, dass ab der nächsten Woche (2.11.) sämtliche Veranstaltungen aus Gründen der Corona-Vorbeuge ausfallen, hat in der Kulturszene in Bochum für hektische Betriebsamkeit gesorgt. Vom großen Schauspielhaus bis zum kleinen Jazz-Veranstalter heißt es: Alles auf Anfang. Umdenken. Umplanen.

Im Schauspielhaus hat der heraufziehende Lockdown zur Konsequenz, dass die mit Spannung erwartete „Peer Gynt“-Premiere am Samstag, 7. November, ausfallen wird. Und nicht nur sie: Auch die Erstaufführungen der Kinderstücke „Rosi und der Käsekopter“ (8.11.) und „Die unendliche Geschichte“ (28.11.) wurden gecancelt.

„Das Theater insgesamt liegt zwar nicht still, aber der Vorstellungsbetrieb wird ab Montag bis zunächst Ende des Monats komplett eingestellt“, informiert Schauspielhaus-Sprecher Stefan Kriegl. Bühnen- und Werkstatt-Crew, Kostümbildnerei und Technik – alle haben in den letzten Pandemie-eingeschränkten Wochen umsonst gepowert. Immerhin heißt „aufgeschoben“ in diesem Fall nicht „aufgehoben“, denn die Vorstellungen sollen ja nachgeholt werden. Nur wann, weiß im Moment keiner.

Botschaft des Intendanten Simons

Intendant Johan Simons weilt zurzeit in Wien, wo er am Burgtheater Shakespeares „Richard II.“ probt, das am 27. November Premiere haben sollte. Er wandte sich mit einer Botschaft an das Bochumer Publikum: „Im Theater war es trotz Abstandsgebots zuletzt wenigstens noch möglich, sich von der Kunst berühren zu lassen, Gemeinschaft zu erleben – wenn auch auf Distanz. Dass es diese Möglichkeit nun in den nächsten Wochen nicht mehr geben wird, deprimiert mich und macht mich wütend. Wir brauchen die Theater mehr denn je: für die kulturelle Daseinsvorsorge, für die Reflexion der Gesellschaft, für Diskussionen!“

Auch die Bochumer Symphoniker stellen den Spielbetrieb ein, auch im Musikforum haben die jüngst in Berlin beschlossenen Covid-19-Regelungen alles auf den Kopf gestellt. Der Tag danach, Donnerstag, 29. Oktober, verging mit Sitzungen, Absprachen, Konferenzen.

Bosy-Konzert demnächst wieder als Live-Stream

„Wir prüfen nun, ob wir geplante Konzerte ins nächste Jahr verschieben können und planen darüber hinaus für einige Konzerte Live-Streams, damit wir trotz Corona zumindest digital für unsere Zuhörer spielen können“, so Bosy-Sprecherin Christiane Peters. Sie bittet um Geduld: „Am Montag (2.11.) wissen wir mehr und werden dann detailliert informieren.“

Besonders interessiert Bochums Klassik-Freunde, ob die beliebten Silvester- und Neujahrskonzerte überhaupt werden stattfinden können. Und was aus dem großen Richard-Wagner-„Ring“Projekt wird, mit dem sich Generalmusikdirektor Steven Sloane im nächsten Jahr aus Bochum verabschieden wollte. Angesichts der teils rasanten Pandemie-Entwicklung sind verbindliche Aussagen dazu aktuell nicht zu bekommen.

Das drängendste Problem für alle Veranstaltet ist, dass noch keine verbindlichen Vorgaben der Stadt vorliegen. Die Verwaltung ist zurzeit dabei, die Bundes- und Landesvorgaben auf Bochum „herunterzubrechen“.

Unsicherheit auch im Kunstmuseum

Von dieser Hängepartie ist auch das Kunstmuseum betroffen, denn ob die Einrichtung ebenfalls ab Montag (2.11.) schließen muss, war am Donnerstag, 29. Oktober, noch nicht klar. In den neuen, strengen Corona-Verordnungen werden Theater, Opern, Musikhäuser explizit benannt, Museen aber nicht.

Gleichwohl geht Direktor Hans Günter Golinski nicht davon aus, dass, wie vorgesehen, die große Ausstellung mit Fotokunst von Stefan Hunstein am 7. November eröffnet werden kann. „Wir müssen abwarten, wie die überörtlichen Anordnungen hier in Bochum umgesetzt werden“, so Golinski, „aber dass ausgerechnet die Museen von den strengen Auflagen/Regelungen ausgeschlossen sein werden, ist eher unwahrscheinlich.“

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