Ausstellung

Künstlerin zeigt im Kunstverein den „Stammbusch des Lebens“

Eine riesige Skulptur aus Sisal-Fäden hat die Künstlerin Simona Koch beim Kunstverein auf Haus Kemnade eingerichtet.

Eine riesige Skulptur aus Sisal-Fäden hat die Künstlerin Simona Koch beim Kunstverein auf Haus Kemnade eingerichtet.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Eine riesige Installation ist im Haus Kemnade zu sehen. Simona Koch hat dafür ihre Ahnengalerie durchforstet – und über 2000 Personen ermittelt.

Eine verblüffende Ausstellung zeigt die Künstlerin Simona Koch in den Räumen des Kunstvereins auf Haus Kemnade. Aus dem Stammbaum ihrer eigenen Familie hat sie eine riesige Installation aus Sisal-Fäden entwickelt, die sie in jahrelanger Beschäftigung kunstvoll ineinander geknotet hat.

Dieser „Stammbusch“, wie sie ihn nennt, wächst immer weiter: Je mehr teils weit entfernte Verwandtschaftsverhältnisse sie aufspürt, desto mächtiger wird die Installation, die in ihren wilden Verzweigungen bereits jetzt eine imposante Größe von mehreren Metern erreicht hat. „Und ihre Arbeit ist noch längst nicht abgeschlossen“, sagt der Kurator Reinhard Buskies. „Eigentlich ist das gar nicht zu vollenden. Dieser Gedanke spielt in ihrer Arbeit eine zentrale Rolle.“

Alles fing ganz klein an

„Mycelium of Humans“ nennt die in Wien lebende Künstlerin ihre zweiteilige Installation, die sie seit 2013 mit Unterbrechungen voran treibt. Dabei fing alles ganz klein an: Den Stammbaum ihres engsten Familienkreises notierte Simona Koch mit zartem Bleistiftstrich auf einem Zettel – und forschte von dort aus immer weiter. Eine ständig wachsende Ahnengalerie entstand, die alle Menschen mit einbezieht, zu denen verwandtschaftliche Beziehungen besteht. Dafür bemühte sie diverse Stammbäume in Archiven und Internetdatenbanken.

Das Ergebnis ist erstaunlich: Über 2000 Personen, verteilt über mehrere Generationen, hat sie mittlerweile ermittelt, mit denen sie verwandt ist. „Das ist alles Blutsverwandtschaft, über wie viele Grade auch immer“, sagt Buskies. Kochs Ahnenforschung reicht mittlerweile zurück bis ins frühe 13. Jahrhundert und erstreckt sich von Deutschland über Polen, Österreich, Niederlande, USA, Schweiz bis Frankreich und Belgien.

Installation umfasst zwei Teile

Die Installation, die auf Haus Kemnade zu sehen ist, umfasst dabei zwei Teile. Im rechten Teil des Raumes findet sich der Stammbaum auf einem langen Tisch, der mit mehreren Leselampen versehen ist. Links daneben ist die Skulptur aus Fäden bis an die Decke gespannt, die in ihren schier unendlichen Verzweigungen und ihrer helixförmigen Struktur wie eine menschliche DNA aussieht. Mittels kleiner Nummern, die in der Skulptur eingeflochten sind, lassen sich die Verwandtschaften nebenan auf dem Tisch sogar (halbwegs) nachvollziehen.

Gesamte Menschheit miteinander verbunden

Und die Arbeit wächst: „Bei der letzten Ausstellung vor einem Jahr in Wien war der Tisch noch sechs Meter lang. Mittlerweile sind es neun Meter und es soll immer weiter gehen“, hat Buskies beobachtet. Letztlich wolle die Künstlerin damit die eindrucksvolle These aufstellen, dass die gesamte Menschheit irgendwie miteinander verbunden ist. „Dafür verfolgt sie einen fast schon wissenschaftlichen Ansatz und fügt diesen mit der Kunst auf beeindruckende Weise zusammen.“

Im abgedunkelten Raum des Kunstvereins auf Haus Kemnade wirkt die Installation ganz besonders. Durch sorgfältig eingesetztes Licht entfaltet der „Stammbusch“ eine fast majestätische Wirkung. Man kann ihn umkreisen, sollte ihn aber besser nicht anfassen. „In der Kunst von Simona Koch geht es viel um Atmosphäre und um das Geheimnisvolle“, meint Buskies. Absolut sehenswert.

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