Kunstaktion

Künstlerin klebt Bilder von Blumen an verborgenen Orten

Suria Kassimi vor einer ihrer Kunstinstallationen in der Bochumer Innenstadt. Hier bringt sie die Mauer an der Uhle am Dr.-Ruer-Platz zum blühen.

Suria Kassimi vor einer ihrer Kunstinstallationen in der Bochumer Innenstadt. Hier bringt sie die Mauer an der Uhle am Dr.-Ruer-Platz zum blühen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Innenstadt.  „Plants are Heroes“ heißt die Aktion von Suria Kassimi. An vier Stellen in der Bochumer Innenstadt bringt sie Farbe auf graue Mauern.

Dem Grau der Innenstädte will die Künstlerin Suria Kassimi (62) mit Farbe begegnen. Die Aktion „Plants are Heroes“ hat begonnen. An vier Stellen im Zentrum bringt sie großformatige Bilder an, abstrahierte Fotografien von Blumen. Manfred Guse ist mit Kleben beschäftigt: Sobald der Leim aufgetragen ist, muss es schnell gehen – wie beim Tapezieren.

Bis zum Abend wurden die Rotunde, die Mauer an der „Kunst-Uhle“ am Dr.-Ruer-Platz hinter der „Hütte des Wissens“, am Technischen Rathaus und am BVZ damit beklebt.

„In unseren Innenstädten werden immer mehr Bäume gefällt, Blumen verschwinden. Da kam mir die Idee: Die Orte müssen ersatzweise begrünt werden“, erklärt die Recklinghäuserin. Blumen in der Kunst seien zumeist hart am Kitsch, doch in Kassimis verfremdender Technik wiederum weit davon entfernt.

Diese Kunst ist vergänglich

Ihre Aktion wird vom Kulturamt der Stadt gefördert mit einer Summe von 3.000 Euro. „Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass üblicherweise Kunst unterstützt wird, die von Dauer ist. Meine Bilder aber bleiben so lange hängen, bis sie herunterfallen.“ Ihre Aktion gehört zur Street Art, nur, dass die Kunst aufgeklebt, nicht gemalt wird.

Suria Kassimi verwendet sehr hochwertiges Papier. Die Bilder haben Leuchtkraft und entfalten ihre Wirkung auch im Dunkeln. In Recklinghausen hat sie ein ähnliches Projekt im vergangenen Jahr an Abbruchhäusern inszeniert. „Ich dokumentiere meine Arbeiten und fotografiere, wie sie sich verändern. Da musste ich staunen, dass nicht ein Bild durch Vandalismus zerstört wurde.“ Das, so sagt sie, habe auch mit dem Umgang mit Kunst und den Reaktionen der Menschen darauf zu tun.

An versteckten Orten

Eigentlich hätten die Bilder schon vor zwei Wochen im Stadtgebiet ihren Platz finden sollen. Doch die Hitze vereitelte den Plan. „Da hätte der Leim nicht gehalten“, sagt die Malerin, „wir mussten warten, bis es kühler wurde“. Die Stätten in Bochum sind allesamt solche, an denen „man sonst achtlos vorbeiläuft. Jetzt fallen sie ins Auge“. Bestückt werden die Poller vor der Rotunde, die 1. Säule vor dem Eingang zur Zentralbücherei und VHS, die Parkhauseinfahrt an der Hans-Böckler-Straße und eben die graue Mauer neben der ehemaligen Traditionsgaststätte.

Stefanie Kepper vom Kulturamt war die Aktion in Recklinghausen positiv aufgefallen und so holte sie die Künstlerin jetzt nach Bochum. „Wenn die Sache gut ankommt, könnten wir uns weitere Aktionen im Sinne von ,Plants are Heroes’ vorstellen.“ Vielleicht sogar ämterübergreifend in Kooperation mit dem Grünflächenamt. Dann könnten sogar echte Pflanzen zu Helden werden.

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