Kunst

Künstler Ostgathe wird in alten Industrie-Hallen fündig

Ulli Ostgathe vor seinen Werken in der Galerie 13.l

Ulli Ostgathe vor seinen Werken in der Galerie 13.l

Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto

Bochum.   In der Galerie 13 in Bochum sind bis zum 14. März Malerei und Fotografie von Ulli Ostgathe zu sehen. Aufgewachsen in der einst zechenreichsten Stadt Europas, sind dem gebürtigen Bochumer die Relikte der industriellen Vergangenheit von Kindesbeinen an vertraut.

Industriemotive bilden seit nahezu zwei Jahrzehnten einen Schwerpunkt im Schaffen von Ulrich „Ulli“ Ostgathe. Inzwischen sind sie so sehr in die Arbeiten des Bochumer Künstlers eingesickert, dass sie nur noch bei ganz genauem Hinsehen als solche überhaupt erkennbar werden.

Keine nostalgische Dokumentation

In der Galerie 13, einem separatem ZImmer im Steuerberaterbüro Brune auf der Huestraße 13, sind bis zum 14. März Malerei und Fotografie von Ulli Ostgathe zu sehen. Aufgewachsen in der einst zechenreichsten Stadt Europas, sind dem gebürtigen Bochumer die Relikte der industriellen Vergangenheit von Kindesbeinen an vertraut. Seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema setzte um 1980 ein, zu einem Zeitpunkt also, als sich der Wandel des alten, montanindustriell geprägten Reviers mehr und mehr Bahn brach.

Den Künstler interessieren die Details

Seit damals stromert Ostgathe, der als Kunstpädagoge am Hildegardis-Gymnasium arbeitet, über aufgelassene Brachen und durch alte Hallen, immer auf der Suche nach Eindrücken und Motiven. Dabei interessiert ihn nicht das große Ganze – zum Beispiel eine alte Hochofenanlage in ihrer vollen Ausdehnung – sondern deren Details: Roststellen auf Türen, Flechtenbesatz auf Rohrresten, zerbrochene, stählerne Formen, abgeplatzte Farbe, abblätternder Firnis.

Nicht um nostalgische Dokumentation ging und geht es Ostgathe, sondern um die Fixierung jenes schleichenden Rückzugsprozesses, dem man nach wie vor überall zwischen Duisburg und Dortmund begegnen kann.

Zerschrammte Oberflächen beginnen zu leuchten

Übertragen auf seine Arbeiten, kommen die staunenswertesten Dinge heraus, denn Ostgathes Bilder und Fotos bilden durchaus keine Ruinenästhetik ab; im Gegenteil. Vielmehr verdichten sie vorgefundene Ansichten zu Bilderwelten von großer Eindringlichkeit. Zerrissene, zerschrammte Wand-, Boden- oder Tür-Oberflächen legen so plötzlich ihre Struktur frei und schimmern Schicht für Schicht für Schicht für Schicht... in betörender Farbigkeit auf. Den industriellen Kern der Motive sieht man dieser auch ästhetisch packenden Kunst nicht (mehr) an.

Zumal bei den großen Triptychen, die in der Ausstellung gleich den Blick anziehen, fallen das fotografische und malerische Werk Ulli Ostgathes in eins: erst bei ganz genauem Hinsehen erschließt sich, wo der Pinsel und wo das Licht gemalt hat. Vor allem bei den Fotografien, die auf Leinwand oder Büttenpapier gedruckt sind, impliziert der Bildträger immer auch einen tiefen malerischen Aspekt.

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