Stadtteil-Check

Kruppwerke: Bewohner fühlen sich wohler als mancher glaubt

Gute Noten vergeben (v.l.) Hella Kirchberg, Reinhold Römer, Dorte Huneke-Nollmann und Tanja Schneider für ihren Stadtteil.

Gute Noten vergeben (v.l.) Hella Kirchberg, Reinhold Römer, Dorte Huneke-Nollmann und Tanja Schneider für ihren Stadtteil.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Kruppwerke.   Der Stadtteil Kruppwerke schneidet bei der Befragung von Bewohnern viel besser ab als im WAZ-Stadtteilcheck. Das Quartier habe sich entwickelt.

Die Gesamtnote „befriedigend“ vergaben die WAZ-Leser beim Stadtteil-Check für ihren Ortsteil Kruppwerke. Insgesamt lag das Viertel im Ranking der 30 Bochumer Stadtteile nur im unteren Mittelfeld auf Platz 21. Doch die Befragung interessierter und engagierter Bewohner vor Ort hat ergeben, dass sie ihren Stadteil sehr viel besser bewerten, denn er habe in den letzten Jahren stark aufgeholt und zahlreiche Stärken.

Reinhold Römer (67), er wohnt in Goldhamme, und Dorte Huneke-Nollmann (44) aus Stahlhausen betonen, dass sich der Stadtteil sehr zum Positiven verändert habe. „Wir fühlen uns hier wohl.“ Eine Bewertung, die Hella Kirchberg (67) aus Griesenbruch teilt, sie ist hier groß geworden und Leiterin der Evangelischen Frauenhilfe. Erzieherin Tanja Schneider (42), Anwohnerin und Inhaberin der U3-Betreuung an der Rott-/Annastraße, erklärt ebenfalls, dass sich der Stadtteil „toll entwickelt hat“.

Bestnoten für Nahverkehr

Ein Pfund sei der Nahverkehr – er hat schon im Stadtteil-Check gut abgeschnitten. Reinhold Römer, der sieben Wohnungen teils zeitweise vermietet, betont, dass auch seine Gäste stets die Anbindung loben. Auch für Studenten sei die ÖPNV-Verbindung Richtung Uni gut, sagt Dorte Huneke-Nollmann.

Die medizinische Versorgung bewerten sie, besser als der Stadtteil-Check, mit Gut. „Allerdings fehlt noch eine weitere Apotheke, nachdem die an der Cimbernstraße Anfang des Jahres geschlossen hat“, so Tanja Schneider.

Der Punkt Kinderfreundlichkeit bekommt von ihnen die Note 2. „Wir haben hier viele Spielplätze und als Highlight den Drachenspielplatz“, sagt Schneider. Die Versorgung mit Kita-Plätzen sei gut.

Auch die Freizeitmöglichkeiten werden mit Gut bewertet. „Der Westpark liegt nicht weit entfernt, die Jugendzentren machen viele Angebote, es gibt die Kletterwand am Bunker und viele, teils kostenlose Veranstaltungen in und an der Jahrhunderthalle. Auch mehrere Vereine sind aktiv“, so Tanja Schneider. Das kirchliche Angebot habe sich aber in den letzten Jahren verändert, es sei gerade für Jüngere weniger geworden. Hella Kirchberg ergänzt, dass es für Ältere viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung gebe, vom Seniorencafé über Vorträge bis Tanz. Der Moltkemarkt auf dem Springerplatz sei für alle Altersgruppen ein beliebter Treffpunkt.

Einkaufsmöglichkeiten in Ordnung

Die Einkaufsmöglichkeiten bewertet Tanja Schneider mit gut, da habe sich in den letzten Jahren viel getan. Auch das gastronomische Angebot sei deutlich besser, als es im WAZ-Check bewertet worden ist. „Dafür vergebe ich eine 2. Die zahlreichen Speiselokale und Kneipen bieten für jeden Geschmack etwas.“

Das Thema Sicherheit sehen die vier Befragten nicht so negativ wie im WAZ-Check angegeben. „Abends ist es aber an manchen Ecken zu dunkel, es fehlen Straßenleuchten“, sagt Hella Kirchberg. Reinhold Römer fordert in puncto Verkehrssicherheit Verbesserungen. „Es gibt mehrere Spielstraßenbereiche, trotzdem fahren hier viele, teils auswärtige Fahrer durch; nicht wenige mit überhöhtem Tempo. Da müsste für mehr verkehrsberuhigende Maßnahmen gesorgt werden.“

Die Parkplatzsituation wurde im WAZ-Check nur mit 3- bewertet. Dieser negativen Bewertung schließen sich die vier Befragten an. „Gerade für Anwohner ist es sehr schwer, einen Stellplatz zu ergattern. Das ist ein großes Problem“, sagt Reinhold Römer.

Der Punkt Seniorenfreundlichkeit wird viel besser benotet als im WAZ-Lesercheck, dafür vergeben sie eine 2. „Das Seniorenbüro macht viel, Angebote kommen auch von der Diakonie und der evangelischen Frauenhilfe“, sagt Tanja Schneider.

Nachbarschaft sei gut

Das Gemeinschaftsgefühl bewerten die vier Befragten deutlich besser als im Leser-Check der Fall, wo es lediglich eine 4 gab. Dafür vergeben Reinhold Römer und Tanja Schneider sogar eine 2. Trotz der Vielfalt der Kulturen gebe es ein gutes Miteinander. „Die Nachbarschaft ist gut“, so Helle Kirchberg.

Verbesserungsbedarf sehen sie bei der Sauberkeit (im Stadtteil-Check auch nur mit 4 benotet). „Die Stadt müsste mehr Abfallbehälter aufstellen. Und leider hinterlassen einige Nachtschwärmer viel Müll entlang der Straßen und teils in den Vorgärten“, meint Reinhold Römer.

Ambivalent wird die Stadtverwaltung und Politik bewertet. „Die Parteien müssten transparenter und regelmäßiger agieren“, so Römer. Was alle positiv benoten, ist das seit 2007 laufende Stadterneuerungsprogramm Westend, das Ende des Jahres ausläuft. „In dieser Zeit wurde hier sehr viel bewegt, es gibt eine Anlaufstelle und Ansprechpartner, Kontakte wurden geknüpft und Netzwerke geschaffen“, erklärt Tanja Schneider. Sie hofft, dass nach Auslaufen des Programms eine Anschlusslösung gefunden wird, „denn die Möglichkeit für Bürger, vor Ort Probleme mitzuteilen und sich auszutauschen, ist enorm wichtig“.

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben