Partnerstadt

Kriegskinder aus der Ukraine finden neue Freunde in Bochum

Foto: Rainer Raffalski

16 Kinder aus der Ukraine lebten vier Wochen in Gastfamilien. Ablenkung vom zum Teil schlimmen Alltag in der Heimat. Silvester wurde es problematisch.

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Bis Silvester ging alles gut. Die 16 Kinder im Alter von 8 bis 13 aus der Ukraine, die einen Monat in Gastfamilien in Bochum untergebracht waren, wurden wie erhofft von dem abgelenkt, was in ihrer Heimat passiert: Krise, Krieg, keine Freude.

Die freikirchliche Gemeinde „Gottes Wort“ in Harpen hatte diese Aktion gestartet, um den Kindern zu zeigen, dass es Hilfe und Unterstützung gibt und vor allem Freunde in Bochum. Seit nunmehr fast 30 Jahren ist Donezk Bochums Partnerstadt, gibt es Verbindungen zur Ukraine. „Die Kinder teilen alle das gleiche Schicksal“, sagte Ivan Stukert, Gemeindeleiter der Gemeinde. „Sie sind traumatisiert, haben ihre Eltern, ihre Mutter oder Oma verloren. Wir wollen ihnen eine gute Zeit bereiten, wollen mit ihnen Weihnachten feiern und dadurch vielleicht dazu beitragen, dass sie den Krieg in ihrer Heimat vergessen. Wir wollen ihnen dadurch auch zeigen, dass man anders miteinander leben kann. Sie sollen Freundschaften entwickeln. Sie sollen wissen, wohin sie immer fahren können. Bochum soll für sie etwas Besonders werden und sein.“

Silvesterfeier mit 150 Menschen

Das wurde es. Zum Beispiel für Artjom. Der 13-Jährige lebte vier Wochen bei der Familie von Viktor Gontscharow. „Sein Vater ist tot“, sagte Gontscharow. „Seiner Mutter mussten beide Beine amputiert werden. Wir haben versucht, jeden Tag etwas anderes mit ihm zu unternehmen. Unsere sechs Kinder haben ihn gut aufgenommen. Wir waren schwimmen, wir waren im Sauerland Ski fahren. Die Kinder sind von der Stadt auf den Weihnachtsmarkt eingeladen worden, wurden durch das Rathaus geführt. Und wir haben alle zusammen Silvester gefeiert. 150 Menschen im Gemeindesaal. Mit allen Kindern, die aus der Ukraine da waren, mit den Gastfamilien, mit viel Musik, Essen, spielen“ – und auch mit Silvester-Knallerei. Und das sorgte bei einigen Kinder für schlechte Gefühle.

Elena Semerenko, die zwei Kinder aufgenommen hat, hatte genau das befürchtet. „Wir haben vorher mit den Kindern darüber gesprochen. Darüber, dass es laut wird, dass es knallt. Die Kinder hatten alle gesagt, dass es okay. Als es dann aber los ging, ist ein Kind weggerannt, hat sich in einem Gebüsch versteckt.“

Durch dieses Ereignis brach sich die ganze Trauer Bahn. „Erst dadurch“, sagte Elena Semerenko, „hat sich das Kind geöffnet, hat erzählt. Vorher waren die Kinder sehr in sich gekehrt, waren die schlimmen Erlebnisse in ihrer Heimat kein Thema. Das Erzählen hat den Kindern geholfen und ich glaube die Zeit in Bochum auch. Sie werden die Stadt in guter Erinnerung behalten und sie wissen, dass sie hier Freunde haben.“

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