Urnenbestattung

Krematorium in Bochum öffnet sich für Hinterbliebene

Noch werden die Särge mit einem Gabelstapler in die Öfen gewuchtet. Bis 2019 soll das Krematorium mit einem Schienensystem ausgestattet werden. Dann können auch Angehörige der Einäscherung beiwohnen.

Foto: Gero Helm

Noch werden die Särge mit einem Gabelstapler in die Öfen gewuchtet. Bis 2019 soll das Krematorium mit einem Schienensystem ausgestattet werden. Dann können auch Angehörige der Einäscherung beiwohnen. Foto: Gero Helm

Bochum.   Im städtischen Krematorium sollen Angehörige bei den Feuerbestattungen künftig dabei sein dürfen. 2019 ist ein Umbau am Freigrafendamm geplant.

Die Zahl der Feuerbestattungen in Bochum steigt unaufhörlich an. Drei von vier Verstorbenen werden inzwischen in einer Urne beigesetzt. Die Stadt reagiert: Nach einem Umbau des Krematoriums können Angehörige künftig bei der Einäscherung dabei sein.

4337 Leichname wurden im vergangenen Jahr im städtischen Krematorium auf dem Hauptfriedhof am Freigrafendamm in Altenbochum verbrannt. „Der Trend zur Urnenbestattung ist ungebremst“, sagt Peter Dittert, Leiter der Friedhofsunterhaltung. 75 Prozent macht der Anteil bei den Feuerbestattungen, 25 Prozent bei Sargbestattungen aus. „Vor 20 Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt.“

Gabelstapler hat 2019 ausgedient

Mit den Kremierungen steigt die Zahl der Familienmitglieder und Freunde, die ihre Angehörigen auf dem letzten Weg im Krematorium begleiten wollen. Das ist verboten. „Aus Pietäts- und Sicherheitsgründen“, erklärt Peter Dittert.

Die Holzsärge mit den Leichnamen werden mit einem Gabelstapler in die beiden Gasöfen gewuchtet. Ein wenig würdiger Anblick, der der Trauergemeinde erspart bleiben soll. Da der Gabelstapler vor- und zurückfährt, herrsche zudem Unfallgefahr für die Umstehenden.

Ausnahmen gibt es heute nur bei Hindus

Eine Ausnahme werde nur bei Hindus gemacht. „Der Hinduismus sieht vor, dass bei einer Verbrennung mindestens ein Angehöriger anwesend ist. Auf dieses religiöse Ritual nehmen wir selbstverständlich Rücksicht“, so Peter Dittert.

Voraussichtlich ab 2019 sollen alle Hinterbliebenen diese Möglichkeit haben. Derzeit sind die Räume und Geräte nur für den „betrieblichen Ablauf“ ausgerichtet. Heißt: Allein die Mitarbeiter haben Zutritt.

Um dem Wunsch vieler Angehöriger nachzukommen, sei nun der Umbau des Krematoriums und seiner Zugänge „konkret in Planung“, bestätigt Stadtsprecher Peter van Dyk auf Anfrage der WAZ.

Stadt installiert ein Schienensystem

Vorgesehen ist, ein Schienensystem zu installieren. Der Gabelstapler hätte ausgedient. Der Sarg würde im Beisein der Trauergemeinde auf den Schienen in den Ofen gleiten: „gefahrlos und pietätvoller, als es heute der Fall ist“, so van Dyk.

Möglicherweise werden im Zuge des Umbaus auch die bis zu 1000 Grad heißen Öfen ausgetauscht, die elf Jahre alt sind. „Beizeiten müssen sie trotz regelmäßiger Wartung erneuert werden“, sagte Peter Dittert in dieser Woche am Rande der Aktion „WAZ öffnet Pforten“.

Zwei Öfen verbrennen täglich 28 Leichname

Für das 1942 errichtete Krematorium, in dem bisher über 103 000 Menschen verbrannt wurden, wäre die Öffnung eine Zäsur. Nur in wenigen öffentlichen Einrichtungen ist es Angehörigen grundsätzlich erlaubt, bei der „Übergabe an das Feuer“ Abschied zu nehmen.

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