Stellungnahme

Krankenfahrdienst übt Kritik an Spendenaufruf

Petra Hegemann (r.) hatte sich in der vergangenen Woche mit einem Grillen bei Fahrdienst Heide für private Ausflugsfahrten bedankt.

Petra Hegemann (r.) hatte sich in der vergangenen Woche mit einem Grillen bei Fahrdienst Heide für private Ausflugsfahrten bedankt.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Bochum-Hamme.  Rollstuhlfahrerin Hegemann dankte ihrem Fahrdienst für Ausflugsfahrten über Bochums Stadtgrenzen hinaus. Zum Ärger ihres früheren Transporteurs

Alpincenter Bottrop, Ruhrpark oder Phantasialand: Dankbarkeit dafür, dass Fahrdienst Heide ihr Ausflüge zu solchen Zielen ermöglicht, brachte Rollstuhlfahrerin Petra Hegemann in der vergangenen Woche mit einem Grillen am Ümminger See zum Ausdruck. Ein „Engel“ sei der Fahrdienst für sie, da sie sonst die meiste Zeit nur Zimmerwand, Fenster und Fernseher zu Gesicht bekomme, hatte Hegemann gesagt und zu Spenden aufgerufen - um isolierten Menschen wie ihr mehr Freizeitgestaltung zu ermöglichen.

Udo Pokowietz hat sich jedoch über die Berichterstattung samt dieser Forderung geärgert und sagt: „Die Stadt Bochum unterhält einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderungen. Er dient ausschließlich dazu, Aktivitäten des privaten Lebens zu ermöglichen.“ Pokowietz selbst ist Geschäftsführer genau dieses Fahrdienstes - der „Sani-Car Krankentransport und Rettungsdienst GmbH“.

Gutscheine für private Ausflugsfahrten

Die Fahrten dienten der sozialen Teilhabe, liefen für Leistungsberechtigte über ein Gutscheinsystem und seien aus Steuermitteln über die Solidargemeinschaft finanziert, so Pokowietz weiter. Er gibt aber zu: „Die Fahrten zum Phantasialand und Alpincenter würden nicht finanziert. Warum auch? Bekommen andere auch nicht vom Staat geschenkt.“ Ausflüge innerhalb Bochums seien je nach Einkommensverhältnissen umsonst, wer außerhalb einer Einrichtung lebt erhält beispielsweise 20 Gutscheine. Wer nicht leistungsberechtigt ist, zahlt pauschal 25 Euro.

Zum Fußballmuseum nach Dortmund wären je Fahrstrecke ein Eigenanteil von ca. 18,70 Euro zu zahlen und zum Brauereimuseum je Fahrstrecke ein Eigenanteil von ca. 22,10 Euro. Warum soll hier gespendet werden und für wen?“, fragt Pokowietz verärgert. Pflege- und Krankenkassen seien dafür rechtlich überhaupt nicht zuständig.

„Kein Vertrauen mehr in den Fahrdienst“

Damit konfrontiert, antwortet Hegemann: „Ich habe den Fahrdienst, der im Auftrag der Stadt arbeitet, selbst bis 2012 genutzt. Aus Krankheitsgründen habe ich aber kein Vertrauen mehr in den Fahrdienst.“ Weiter ausführen möchte sie das nicht.

Nach einer Hochzeit sei sie zwischenzeitlich nicht mehr leistungsberechtigt gewesen, hätte nun aber wieder die Möglichkeit, Gutscheine zu erhalten. „Ich möchte das trotzdem nicht, die Gutscheine gelten nur für Bochum, und ich kenne Bochum in- und auswendig“, begründet sie. Den Spendenbedarf sieht Hegemann deshalb weiterhin: „Ausflüge über die Stadtgrenzen hinaus bleiben für mich schwer finanzierbar“, sagt sie.

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