Hundezählung

Kontrolle löst Hunde-Boom aus

Jeder Hund zählt - und bringt Geld in die Stadtkasse. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool

Jeder Hund zählt - und bringt Geld in die Stadtkasse. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool

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Bochum.   Die laufende Hundezählung der Stadt Bochum zeigt Wirkung. Seit Mitte September meldeten Hundebesitzer 800 Tiere neu an. In der Regel beträgt der Zuwachs 30 Hunde pro Monat.

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Die Rechnung der Bochumer Stadtverwaltung scheint aufzugehen: Seit Beginn der umstrittenen Hundezählung Mitte September melden nahezu täglich zahlreiche Bürger ihre Vierbeiner beim Steueramt an – die meisten freiwillig, andere, weil der Kontrolleur schon da war. Mehr als 800 Hunde stehen bereits neu in der Kartei, insgesamt sind jetzt 16 024 sind jetzt aktenkundig.

1000 bis 1500 Neuanmeldungen verspricht sich die Stadt durch die erste Hundezählung seit 1983, die noch bis Mitte Dezember dauert. Erfüllen sich die Erwartungen, dürften pro Jahr rund 200 000 Euro mehr in die klamme Stadtkasse fließen – pro Hund werden je nach Rasse zwischen 144 und 192 Euro Steuer pro Jahr fällig.

Kritik am Procedere übt WAZ-Leser Fritz Nordmann. Die Mitarbeiter der Firma Adler-Kommunalservice, die im Auftrag der Stadt unterwegs sind und 184 000 Haushalte überprüfen müssen, seien nicht sorgfältig. Weil im Nachbarhaus während der Befragung an seiner Haustür der Hund bellte, sei ihm nun unterstellt worden, dass in seinem Haus am Dahlienweg in Eppendorf ein Steuerhinterzieher lebe.

5000 Euro Buße drohen

Nordmann hat an seiner Haustür nämlich ein Namensschild für einen ehemaligen Kollegen angebracht, der ebenso wie er viele Jahre lang als Busfahrer bei der Bogestra gearbeitet hat. „Nach seiner Pensionierung ist er aber in sein Heimatland Marokko zurückgegangen“, berichtet der 68-Jährige, „ich kümmere mich um seine Post.“

Nordmann staunte daher nicht schlecht, als sein Freund von der Stadt aufgefordert wurde, seinen Hund anzumelden. Andernfalls drohe ein Bußgeld von 5000 Euro. Fritz Nordmann amüsiert sich besonders über die Wortwahl im städtischen Schreiben. „Sehr geehrter Herr..., nach meinen Ermittlungen hält sich in Ihrem Haushalt mindestens ein Hund auf...“ Die „Ermittlungen“ hätten aus der Frage nach einem Hund im Haushalt und der Antwort „Nein“ bestanden, versichert Nordmann. Leider bellte zeitgleich der Hund des Nachbarn.

Fehler könnten bei der Hundezählung natürlich passieren, sagte eine Sprecherin der Stadt. Wer unberechtigt eine Aufforderung erhalte, einen Hund anzumelden, könne das schriftlich richtigstellen. „Haben wir aber berechtigte Zweifel, dann schicken wir die Steuerprüfung raus“, hieß es.

Ungeachtet der Zählung verzeichnete die Stadt in den vergangenen Jahren stets eine Zunahme an Hunden. Im Schnitt wächst die Zahl um rund 30 pro Monat. Und das bei einer schrumpfenden Bevölkerung. Wie berichtet verlor die Stadt laut Statistischem Landesamt im vergangenen Jahr fast 1500 Einwohner; Ende Juni waren es 373 748.

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