Premiere

Komödie des Claudius-Theaters blickt hinter die Kulissen

„Was Ihr wollt“ heißt ganz frei nach Shakespeare die neue Produktion des Claudius-Theaters. Hier eine Szene aus den Proben.

„Was Ihr wollt“ heißt ganz frei nach Shakespeare die neue Produktion des Claudius-Theaters. Hier eine Szene aus den Proben.

Foto: Dietmar Wäsche

Innenstadt.   In „Was ihr wollt“ zeigen die Bochumer Schauspieler, was während turbulenter Theaterproben alles passieren kann. Die Premiere steigt am 4. Mai.

Wie funktioniert eigentlich Theater? Das ist die zentrale Frage, um die es in der neuen Eigenproduktion des inklusiven Claudius-Theaters geht. Gespielt wird „Was ihr wollt“ – sehr frei nach William Shakespeare. Der künstlerische Leiter Jens Niemeier und Co-Regisseurin Carina Langanki haben daraus ein eigenständiges, komödiantisches Theaterstück entwickelt.

Die Schauspieler spielen Schauspieler. Das einfache Bühnenbild stellt mit Tisch und Stuhl einen Probensaal dar, in dem Shakespeares Drama geprobt wird. „Wir haben versucht, Stereotypen zu finden“, sagt Niemeier.

Allem vorweg steht die eigenwillige Regisseurin Adele

Das Ergebnis ist so bunt wie das Ensemble selbst: So gibt es etwa eine extrovertierte Theater-Diva, die Schüchterne, die Demotivierte, Laien und Profis, unkonzentrierte Spaßvögel, Konkurrenz zwischen Erst- und Zweitbesetzung, Schadenfreude und eine nervöse Regie-Assistenz mit vielen Aufgaben.

Allem vorweg steht die eigenwillige Regisseurin Adele in Trainingsjacke und roter Mütze, die immer wieder voreilige und kompromisslose Entscheidungen trifft, die Proben abbricht, wenn ihr etwas nicht passt und sich von persönlichen Problemen mit Darstellern beeinflussen lässt. Die Regisseurin will „Geschichte schreiben“, sucht nach etwas Neuem, nach Wahrheit und Tiefe. Dabei verliert sie das eigentliche Theaterstück aus den Augen. Sie streicht Rollen und Szenen. Shakespeares Texte hören sich ihr zu altmodisch an.

Theaterkundige, die schon selbst einmal hinter die Kulissen geblickt haben, werden sich an diese Momente erinnert fühlen. „Das Stück ist durch unsere eigene Erfahrung am Theater entstanden“, so Niemeier. Vorkommnisse, die im Ensemble des Claudius-Theaters passieren, seien ebenfalls mit eingebunden worden. Das gesamte Stück wird von einem satirischen und vielleicht sogar selbstironischen Unterton begleitet.

Viele Proben stehen noch an

„Die Situation ist für mich besonders“, sagt Edeltraut Renn, die die Regisseurin Adele spielt. Für sie ist es das erste inklusive Theaterstück, bei dem sie mitspielt. „Ich bin tief beeindruckt und begeistert von den Leistungen, die die Schauspieler mit Handicap bringen.“ Jeder könne seine individuellen Stärken gut einbringen. „Wir machen Behinderung und Inklusion hier nicht zum Thema, sondern leben einfach normal miteinander.“

Niemeier blickt zuversichtlich auf die Premiere. Bis Samstag gibt es für das Ensemble noch viele Proben. Der Regisseur setzt vor allem auf Interaktion und Tempo in dem etwa einstündigen Theaterstück.

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