Kommunalwahl

Kommunalwahl in Bochum: Grüne bei Erstwählern hoch im Kurs

Arne Reuter, links, und Lasse Engelbrecht dürfen am kommenden Sonntag (13. September) zum ersten Mal wählen. Sie und weitere Erstwähler haben mit uns über ihre Wünsche gesprochen.

Arne Reuter, links, und Lasse Engelbrecht dürfen am kommenden Sonntag (13. September) zum ersten Mal wählen. Sie und weitere Erstwähler haben mit uns über ihre Wünsche gesprochen.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Digitalisierung, Nachhaltigkeit, bezahlbarer Wohnraum: Das ist jungen Erstwählern aus Bochum besonders wichtig. Dabei punkten die Grünen.

Als die Wahlbenachrichtigung im Briefkasten von Arne Reuter (16) lag, gab es ein neues Thema für die Gespräche am Abendessenstisch: Die Kommunalpolitik in Bochum. Welche Themen sind wichtig? Was soll sich in Bochum ändern? „Ich weiß inzwischen, dass ich den Grünen meine Stimme geben werde“, sagt der Erstwähler. Die haben am 13. September, wenn Rat, Bezirksvertretung, Oberbürgermeister, Ruhrparlament und Integrationsausschuss gewählt werden, gemeinsam mit der SPD Thomas Eiskirch als Oberbürgermeisterkandidaten.

Der Weg zur Entscheidung: Vor allem ein Blick auf Wahlprogramme und Plakate. „Ich würde nicht sagen, dass ich mich übermäßig für Politik interessiere, aber mein Recht zu nutzen, das ist mir schon wichtig“, sagt der Oberstufenschüler der Graf-Engelbert-Schule. Auch von Mitschülern habe er erfahren: Wählen gehen wollen alle. „Damit habe ich so gar nicht gerechnet“, sagt er.

Bochumer Erstwähler informieren sich bei Instagram

Mitschüler Lasse Engelbrecht denkt ähnlich: „Wenn man nicht wählt, verschenkt man seine Stimme und die Anteile von Parteien wie der NPD werden höher“, gibt er zu Bedenken. Auch er wird sein Kreuz bei den Grünen machen. Damit gibt er seine Stimme einer anderen Partei als seine Eltern, findet aber: „Das ist egal. Ich bleibe bei meiner Entscheidung.“ Reuter weiß noch nicht einmal, wo seine Eltern ihr Kreuz machen. „Sie wollten nicht, dass ich mich dadurch beeinflussen lasse“, berichtet der 16-Jährige.

„Mir sind Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung sehr wichtig“ sagt Engelbrecht. Dass es bei der Digitalisierung noch großen Ausbaubedarf gebe, habe er erst jetzt im Zusammenhang mit der Coronakrise erlebt. „Wir sind außerdem die Generation, die die Schäden der jetzigen Umweltpolitik tragen muss“, betont er. So denken auch die Goethe-Schüler Elias Last (16), Joline Adaeze Uzoma (16) und Hannah Urmoneit (16). „Ich wähle die SPD“, hat Schülersprecher Last entschieden, der plant, nach einem Jura-Studium selbst in die Politik zu gehen. In seinen Augen vereine sie in ihrem Programm soziale Gerechtigkeit, Wirtschaft und Umwelt am besten, ohne dabei eine Aspekte aus den Augen zu verlieren.

„Es ist wichtig, dass mehr gegen Rassismus getan wird“

Urmoneit und Uzoma schwanken noch zwischen dem Linken-Kandidat Amid Rabieh und Thomas Eiskirch als dem gemeinsamen Kandidaten von SPD und Grüne. „Ich bin vor allem per Ausschlussverfahren zu meiner Wahl gekommen“, sagt Urmoneit. Außerdem habe sie mit Mitschülern und Eltern gesprochen, Interviews im Radio gehört und sich bei Instagram informiert. „Es ist wichtig, dass mehr gegen Rassismus getan wird“, betonen beide Erstwählerinnen. Urmoneit ergänzt: „Ich möchte außerdem mit meiner Stimme populistischen Parteien wie der AfD einen Kontrast bieten.“ Sie fürchte, dass die Corona-Krise dieser Partei Aufwind verleihen könnte.

Weitere Wünsche der Erstwähler: Klimaschutzkonzepte auf städtischer Ebene und ein Ausbau des Nahverkehrs. „Der ÖPNV sollte günstiger werden, Autofahren unattraktiver“, sagt Charlotte Reinighaus (19), die dieses Jahr ihr Abitur an der Matthias-Claudius-Schule gemacht hat. „Ich werde bald von zuhause ausziehen, deshalb liegt mir auch bezahlbarer Wohnraum am Herzen“, ergänzt Engelbrecht.

Jungwähler wünschen generelles Wahlrecht ab 16

Last sagt: „Ich finde Eiskirch hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er sich in Bochum gut auskennt. Aber die Schulpolitik ist zu kurz gekommen.“ Seine Schule habe noch immer keine Mensa, das Gebäude sei marode. Uzoma hat ein weiteres Anliegen: „Ich wünsche mir, dass soziale Disparitäten zwischen Stadtteilen wie Wattenscheid und Stiepel ausgeglichen werden.“

Ein Anliegen der Jungwähler werden die Kommunalpolitiker ihnen jedoch nicht erfüllen können: Auch bei der Bundestagswahl schon wählen zu dürfen. „Wir haben durch ‚Fridays for future‘ gezeigt, dass wir eine sehr politische Generation sind, die in der Lage ist, auch über Themen auf Bundesebene mitzubestimmen“, findet Last. Der Großteil der Erstwähler will am 13. im Wahllokal vor Ort wählen anstatt per Briefwahl: So werde der erste Gang in die Wahlkabine noch ein bisschen mehr zu einem besonderen Ereignis.

Alles Wichtige zur Kommunalwahl in Bochum lesen Sie hier.

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