Benimm ist in

Knigge-Kurs: Wie man einen guten ersten Eindruck macht

So bitte nicht: Schauspielerin Maria Wolf erklärt den Schülern, worauf sie bei der Begrüßung achten sollten. Dazu zählt, beim Handschlag Augenkontakt mit seinem Gegenüber aufzunehmen.

So bitte nicht: Schauspielerin Maria Wolf erklärt den Schülern, worauf sie bei der Begrüßung achten sollten. Dazu zählt, beim Handschlag Augenkontakt mit seinem Gegenüber aufzunehmen.

Foto: Sebastian Sternemann

Bochum.  Berufsschüler aus Bochum lernen beim Benimm-Kurs, worauf es beim ersten Eindruck ankommt. Schauspielerin Maria Wolf mimt Unruhestifterin.

Laut telefonierend platzt eine Frau zur Tür herein, läuft quer durch den Unterrichtsraum und entschuldigt sich nur beiläufig für ihr Zuspätkommen. Gipfel der Unverschämtheit: Sie setzt sich, statt auf einen Stuhl, auf den Tisch. Ein Blick in die Gesichter der Schüler der Technischen Beruflichen Schule am Ostring verrät deren Verblüffung. Irgendwas ist hier doch komisch! Wer ist diese Unruhestifterin?

Die Frau gibt sich zu erkennen. „Ich bin Maria Wolf und wollte Euch zeigen, wie man einen schlechten ersten Eindruck macht“, sagt die Bochumerin Schauspielerin. Schüler Mannouh scheint vor allem ein Verhalten gestört zu haben: „Das ist kein gutes Benehmen, wenn Sie sich auf den Tisch setzen.“

Händeschütteln will gelernt sein

Auf dem Stundenplan der sechs Berufskollegs-Schüler steht heute richtiges Benehmen. Bei den Jugendlichen stehen demnächst Vorstellungsgespräche an. Die müssen sie meistern, um einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Knigge-Trainer Detlef Thamm bringt es auf den Punkt: „Der erste Eindruck über eine Person entsteht bereits nach einer dreizehntel Sekunde.“ Entscheidend seien die richtige Kleidung, eine freundliche Mimik und ein ordentlicher Handschlag.

„Wenn Ihr zu spät zum Vorstellungsgespräch kommt, was Euch am besten nicht passieren sollte, müsst Ihr Euch aber auch nicht klein machen, sondern Euch selbstbewusst und freundlich zugewandt entschuldigen“, erklärt Maria Wolf. Und dann wird der richtige Händedruck geübt. Nicht zu lasch. Nicht zu kräftig. Nicht in den Nahbereich des Gegenübers eindringen. Augenkontakt halten. „Ich wusste vorher nicht, dass man beim Händedruck auf den richtigen Abstand zur Person achten muss“, sagt der 17-jährige Kevin.

Thema soziale Netzwerke

Detlef Thamm unterrichtet Grundlegendes: Anderen die Tür aufhalten, sich nicht vordrängeln, „bitte“ und „danke“ sagen. „Ich mache es den Jugendlichen nicht zum Vorwurf, wenn sie sich falsch verhalten. Viele haben gutes Benehmen nie gelernt“, sagt Thamm, der bereits seit 16 Jahren ehrenamtlich Kurse unter der Federführung des Malteser Hilfsdienstes ausrichtet.

Dann spricht der Knigge-Trainer das Thema soziale Netzwerke an: „Seid vorsichtig, was Ihr da einstellt.“ Viele Personaler oder Chefs werfen ein Blick auf die Profile ihrer Bewerber. „Steht da ein respektloser Eintrag oder das falsche Foto, werdet Ihr nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen“, warnt Detlef Thamm.

Ende der Doppelstunde

Gegen Ende der Doppelstunde schwächelt die Konzentration der Jugendlichen. Beim Thema „Wie mache ich richtig mit meiner Freundin Schluss?“ werden alle aber noch einmal wach. Thamms Rat: „Auch wenn’s der härteste Weg ist, solltet Ihr persönlich die Beziehung beenden und nicht per Whatsapp, denn nur so seht ihr Mimik und Gestik.“

Gewiss hätte heute auch Adolph Knigge, der 1788 durch die Schrift „Über den Umgang mit Menschen“ bekannt wurde, den Jugendlichen denselben Tipp gegeben.

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