Corona-Lockerungen

Klavier-Festival: Musikgenuss mit Mundschutz

Die Konzertbesucher des Klavier-Festivals Ruhr durften nur mit Mund-/Nasenschutz hinein. Am Eingang des Musikforums in Bochum standen dazu Desinfektionsmittel bereit.

Die Konzertbesucher des Klavier-Festivals Ruhr durften nur mit Mund-/Nasenschutz hinein. Am Eingang des Musikforums in Bochum standen dazu Desinfektionsmittel bereit.

Foto: Kim Kanert / FUNKE Foto Services

Bochum  Der Auftritt von Pianist Rudolf Buchbinder im Musikforum Bochum war durch die Corona-Vorsichtsmaßnahmen geprägt. Ein spezielles Konzerterlebnis.

Der Bochumer Kulturbetrieb wird langsam wieder hochgefahren, das ist eine gute Nachricht. Aber unbeschwerter Kulturgenuss so wie vor Corona ist bis auf weiteres nicht zu erwarten: Theater, Konzerte und Aufführungen sind durch die Hygiene- und Abstandsvorschriften stark beeinträchtigt. So wie jetzt beim Auftritt von Pianist Rudolf Buchbinder im Musikforum. Ein Erlebnisbericht mit Mundschutz.

Musikforum Bochum leuchtet wieder

Das Musikforum am Marienplatz leuchtet endlich wieder! Am späten Donnerstagnachmittag glänzten die Fenster und das Foyer verlockend; gleich würde im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr der Beethoven-Abend von Rudolf Buchbinder beginnen. Nicht irgendein Pianist, sondern ein Weltstar an den Tasten. Zu Gast in Bochum. Zum Auftakt des stark eingedampften Festivals, das seinen Schwerpunkt wegen der Corona-Krise vom Frühjahr in den Herbst 2020 verlegt hat.

Vorschuss an Vorfreude

Mit einem Vorschuss an Vorfreude möchte man also das Haus sogleich entern, aber gemach! Erstens wollen das auch andere Musikfreunde, und man soll sich ja nicht zu nahe kommen. Also: Bitteschön, die Dame. Bitteschön, der Herr. Nach Ihnen, danke. Weit kommt aber niemand, denn am Eingang sind freundliche Menschen mit Mundschutz postiert, die die Hereinkommenden „auf den rechten Weg bringen“. Ihre Karte? Jawohl! Bitte zunächst die Hände desinfizieren. Müssen Sie noch zur Kasse? Dann bitte hierher. Und Halt!, was ist das? Eben wollte doch glatt jemand ohne Mundschutz das Haus betreten. Das geht natürlich nicht! „Bitte legen Sie die Maske an!“. Natürlich tut das ein jeder, man schickt sich schließlich freiwillig ins Unvermeidliche. Man will ja keinen Ärger machen.

Sehr übersichtlich im Foyer

Das Foyer, bei den meist ausverkauften Konzerten im Musikforum stets ein proppenvoller, summender Bienenstock, ist an diesem Tag sehr übersichtlich belegt. Hier und da stehen zwei, drei, vier Musikfreunde beisammen, plaudern, begrüßen sich. Alles auf Abstand und mit Mundschutz. Mittendrin Franz Xaver Ohnesorg, der Intendant des Klavier-Festivals. Er sei überaus froh, dass zumindest im abgespeckten Rahmen ein Programm gespielt werden könne, er freue sich über den anhaltenden Publikumszuspruch. Ohnesorg ist freundlich und verbindlich wie immer, aber durch seine Maske kaum zu verstehen.

Nicht so rasch wie üblicherweise

Da ertönt der Gong der alten Kirchenglocke von St. Marien, vor jedem Konzert das Signal, dass es nun gleich losgeht. Also: schnell nochmal aufs Klo. Aber auch dieses „Geschäft“ ist in Corona-Zeiten nicht so rasch zu besorgen wie üblicherweise. Die Wegführung zu den WC ist mit „Einbahnstraßen“-Schildern markiert, damit man/frau sich nicht zu nahe kommt; auf dem Boden sind Abstandshalter aufgeklebt, und vor den Türen zu den Toiletten steht Personal (mit Mundschutz), das darauf achtet, dass immer nur die erlaubte Zahl von „Kunden“ hinein darf.

Alles auf Abstand

Beim Herren-WC lautet die ominöse Zahl „6“. „Vier sind gerade drin, Sie können also hineingehen“, sagt der freundliche Helfer. Dankeschön! Im Innern sind verschiedene Türen zu den „Örtchen“ komplett verschlossen, die Pissoire auf Abstand abgeklebt. Vor dem Hinausgehen – klaro! – Händewaschen nicht vergessen.

Zurück zum Saal. Hier folgt die nächste Überraschung: das Große Haus ist ja leer! Stimmt natürlich nicht, denn immerhin sind knapp 300 Karten verkauft worden, aber in dem Riesensaal, der fast 1000 Besucher fasst, scheinen sie sich zu verlieren. Die Abstände in den Sitzreihen sind weit, viele Sessel sind mit Klebeband verschlossen, die Zuwege genau vorgeschrieben. Das sieht komisch aus, ebenso wie die "Wächter", die schwarz gekleideten, maskierten Helfer, die an den Ausgängen Aufstellung nehmen.

Maske darf beim Zuhören abgenommen werden

Als alle sitzen und ihren Platz gefunden haben, kommt die „Entwarnung“. Während des Konzerts darf die Schutzmaske abgenommen werden. Die Abstandshaltung und vor allem der umlaufende Betrieb der Lüftung machen’s möglich. Es ist eine große Erleichterung, endlich wieder „richtig“ Luft zu bekommen. Die „Freiheit der Kunst“ bekommt da eine unerwartete Bedeutung.

Roboter überreicht den Blumenstrauß

Nach dem starken Buchbinder-Auftritt mit Ludwig van Beethovens "Diabelli"-Variationen prasselt großer Applaus, der obligatorische Blumenstrauß für den Künstler wird - kleiner Gag am Rande - von einem fahrbaren Mini-Roboter der Ruhr-Uni überreicht.

Dann ist der wegen der Größe der Musik, aber auch wegen der widrigen Umstände denkwürdige Abend vorbei. Erneut muss der Mund-/Nasenschutz angelegt werden. Das Verlassen des Musikforums, sonst auch wegen der langen Wartezeiten an der Garderobe eine Geduldsprobe, geht diesmal recht fix. Denn neben den regulären sind diesmal auch die Notausgänge geöffnet, so dass man das Haus „hintenrum“ mit ungewohnten Ausblicken verlassen darf.

Was Corona alles möglich macht!

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