Erste Hilfe

Kinder werden in Erste-Hilfe-Kurs zu kleinen Sanitätern

Mia (links) und Aurelia verbinden sich gegenseitig beim Erste-Hilfe-Kurs für Kinder in der Bücherei Langendreer.

Mia (links) und Aurelia verbinden sich gegenseitig beim Erste-Hilfe-Kurs für Kinder in der Bücherei Langendreer.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum-Langendreer.  Jugendrotkreuz bietet Erste-Hilfe-Kurs für Kinder an. Dabei geht es um Notruf, Seitenlage und Druckverbände, aber auch um den Eigenschutz.

Plötzlich liegt Melina Katsimpoura auf dem Boden und bewegt sich nicht mehr. Was ist passiert? Aufgeregt springt Heinrich Kister im Raum hin und her. „Was soll ich tun, was soll ich tun?“, schreit der Leiter vom Jugendrotkreuz (JRK) aufgeregt und hält sich die Augen zu. Ein wenig müssen die zehn Kinder lachen, aber sie wissen: Wenn wirklich etwas passiert ist, verhält man sich besser anders.

Wie genau, das zeigt Kister den acht- bis 14-jährigen Kindern beim zweistündigen Erste-Hilfe-Kurs in der Stadtteilbücherei Langendreer. „Wenn es drauf ankommt, will ich wissen, was ich machen muss“, sagt Enya (10). Und auch Florian (14) meint: „Nach dem Kurs fühle ich mich bestimmt selbst viel sicherer.“

Das Handy für den Druckverband

Kister schreibt an die Tafel: „Wo passiert? Was passiert? Wie viele Betroffene? Welche Art der Verletzung? Warten auf Rückfragen“. Die 112 und die 110 stehen schon daneben. „Die W-Fragen für den Notruf kenne ich schon“, sagt Miriam (11). Dass man mit 911 den Notruf in den USA tätigt, mit einem kleinen V-Schnitt ein Pflaster viel leichter kleben kann und selbst ein Handy für den Druckverband taugt, ist für die kleinen Sanitäter aber neu.

Unfallsituationen haben fast alle Kinder schon erlebt: Lennard hat sich einen Legostein ins Ohr gesteckt, Miriam beim Basketball ihren Daumen verstaucht und Aurelia ist auf dem Schulhof auf einen Stein gefallen. „Meine Freundinnen haben mich dann zum Lehrerzimmer gebracht“, berichtet die Neunjährige. Ein Pflaster könne sie selbst draufmachen, aber Nachfragen sei immer besser.

Üben kann man auch mit Kuscheltieren

Das will auch der 22-jährige Heinrich Kister an diesem Vormittag in der Stadtteilbücherei den Kindern vermitteln. Zwischen Notrufnummern, stabiler Seitenlage und Druckverbänden sagt er: „Ein Kind soll nur so viel machen, wie es sich zutraut. Eigenschutz geht immer vor.“ Früh genug anfangen zu üben könne man eigentlich nicht, das geht auch mit den eigenen Kuscheltieren. Bei Reanimationen, Amputationen und Verätzungen seien Kinder aber klar außen vor.

Auch Trösten ist Hilfe

Was der Mann vom Jugendrotkreuz vermitteln will: „Man braucht keine Angst haben, den Notruf zu wählen und auch Trösten ist eine Form der ersten Hilfe.“ Besonders spannend finden die Kinder die Berichte aus dem Einsatzalltag und die konstruierten Situationen. „Wenn man sich im Wald beim Schnitzen eine Schnittwunde zufügt, kann auch ein Ast für einen Druckverband geeignet sein. Hauptsache das Material saugt kein Blut auf“, erklärt Kister. Und eine mögliche Blutvergiftung durch das dreckige Holz? „Eine Vergiftung kann man mit Antibiotika im Krankenhaus im Zweifel leichter behandeln als eine Verblutung“, so Kister.

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