Urteil

JVA-Beamte müssen für Gewalt gegen Häftling 2400 Euro zahlen

Die Angeklagten neben ihren Verteidigern vor Gericht.

Die Angeklagten neben ihren Verteidigern vor Gericht.

Foto: B.Ki.

Bochum/Herne/Witten.   Vier Vollzugsbeamte der JVA Bochum standen vor Gericht, weil sie einen Häftling misshandelt haben sollen. Jeder muss 600 Euro zahlen.

„Er ist unter die Räder gekommen“, sagte ein Verteidiger über den Gefangenen. Der 48-Jährige war in der JVA Bochum von vier Strafvollzugsbeamten (33 bis 39) schwer verletzt worden, obwohl er sich in der Haft gar nichts hat zu Schulden kommen lassen. Die Beamten, wohnhaft in Gelsenkirchen, Witten, Herne und Marl, standen am Dienstag (2.10.) wegen Körperverletzung im Amt vor dem Amtsgericht. Sie müssen jetzt je 600 Euro an das Opfer zahlen, dann wird das Verfahren eingestellt.

An jenem 28. September 2016 war in der JVA viel schiefgelaufen. Ein Häftling (33) hatte sich über angeblich zu wenig Frühstücksbrot in seiner Zelle beschwert. Eine Teekanne und einen Teller soll der als aggressiv und gefährlich geltende Mann durch den Raum geworfen und bedrohlich eine Scherbe in der Hand gehalten haben. Angeblich ist der Häftling an Hepatitis erkrankt und hätte die Frau infizieren können.

Beamte rückten mit Schutzkleidung an

Vier Beamte, die laut Anklage zu einem Team für Deeskalation gehörten, rückten an. Sie trugen Schienbeinschoner, Brustschutz, Helm, Visier und Schutzschild. Fatalerweise stürmten sie aber in die falsche Zelle. Dort saß ein argloser Häftling und ahnte nichts Böses. „Sie haben sofort angefangen zu schlagen“, sagte er vor Gericht.

Mit Stiefeln hätten sie ihm in die Seite getreten. Er wurde zu Boden gebracht und erlitt schmerzhafte Prellungen, ein Aufplatzen der Lippe und massive Zahnschäden. Erst als der Irrtum auffiel, ließen die Beamten von ihm ab. „Ich sollte nicht böse sein“, hätte ein Beamter gesagt, so der Zeuge.

Kurz nach der Attacke gingen die vier Beamten dann in die richtige Zelle direkt nebenan und fixierten den wahren Störer.

„Wir waren komplett überfordert mit der Situation“

Die Angeklagten waren damals noch Beamte auf Probe. Sie sagen, es habe gar kein richtiges Deeskalationsteam gegeben. „Wir waren komplett überfordert mit der Situation“, sagte einer. Und über den zu Unrecht attackierten Häftling meinte er: „Er hat uns sehr leid getan, es hatte das nicht verdient.“ Geschlagen habe man aber nicht, nur Griffe angewandt. Ein anderer Angeklagter sagte: „Ziel ist, dass weder wir noch der Gefangene verletzt werden. In diesem Fall hat das nicht so ganz geklappt.“

Über ein Disziplinarverfahren soll in der JVA noch nicht entschieden worden sein.

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben