Jugendtheater

Junges Schauspielhaus beendet erfolgreiche „Banden“-Saison

Szene aus der Aufführung „Ein Schluck Erde“.

Szene aus der Aufführung „Ein Schluck Erde“.

Foto: Julian Gutzeit

WAZ-Gespräch mit Cathrin Rose, der Leiterin des Jungen Schauspielhauses. Das Bochumer Jugendtheater ist politischer denn je.

Bochum. Mit gleich drei Premieren endete das „Banden“-Festival des Jungen Schauspielhauses. Die WAZ sprach mit der Leiterin des Bochumer Jugendtheaters, Cathrin Rose.

Was hat es mit den „Banden“ auf sich?

Cathrin Rose: „Banden“ haben wir als Schlagwort für die Jugendclub-Aktivitäten des Theaters in der ersten Spielzeit von Johan Simons gewählt. Der Begriff geht auf die Haußmann-Zeit am Schauspielhaus zurück; damals war ich als Dramaturgie-Assistentin für die „Banden-Bildung“ mitverantwortlich. So hat der Begriff eine gewisse Tradition.

Was genau hat es damit auf sich?

Die Grundidee war es, eine ganze Spielzeit über mit jungen Leuten zu arbeiten. Nicht nur häppchenweise, sondern kontinuierlich. Die Treffen und die Proben für die verschiedenen Produktionen fanden einmal wöchentlich statt; so konnten die Teams gut zusammenwachsen und eigene Ideen gemeinsam mit den Regisseur/innen entwickeln.

Wie viele Jugendliche waren beteiligt?

Es haben etwa 100 Jugendliche mitgemacht, sie zu finden, war kein Problem, die meisten hatten sich selbst bei uns beworben. Die Jugendclubs des Schauspielhauses haben sind gut eingeführt. Entsprechend gut werden sie Jahr für Jahr nachgefragt.

Was war diesmal Schwerpunkt?

Die Produktionen fielen - bei aller spielerischen und darstellerischen Theaterwirksamkeit - politisch aus, das ist wohl der Zeitströmung geschuldet. Die Jugendlichen machen sich sehr viele Gedanken, wie und in welcher Welt sie zukünftige leben wollen. Klimawandel und Umweltzerstörung spielen in den Inszenierungen ebenso eine Rolle wie nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcen-Schonung. Aber auch die pure Lust aufs Leben!

Welche Stücke wurden aufgeführt?

Es waren drei Produktionen. „Transformatoren Ahoi!“ war das erste Figurentheaterstück in der Geschichte des Jungen Schauspielhauses. Angeleitet von der Bochumer Künstlerin Sara Hasenbrink zeigten Kinder und Jugendliche von sechs bis 23 Jahren ein Stück mit Plastik und Gesang, gestalteten Puppen und zwiespältigen Gefühlen. Das Bewegungstheaterstück „Schutz“ wurde auf dem Parkplatz vor der Zeche 1 aufgeführt. 21 junge Leute aus Bochum, mit Wurzeln in vielen Kulturen, spielten und loteten den schmalen Grat zwischen Schutz und Freiheit aus. Die dritte Produktion war der inklusive Tanztheater-Abend „Ein Schluck Erde“. Die Choreographin Kama Frankl hat sich mit zwölf Nachwuchstänzer/innen von zwölf bis 17 Jahren mit dem Umgang der Menschen mit der Erde beschäftigt.

Wie kamen die Produktionen an?

Super! Das Abschluss-Festival mit allen drei Produktionen in der Zeche 1 war sehr gut besucht, Freunde der teilnehmenden Jugendlichen waren im Publikum, Familienangehörige, aber auch ein buntes, vor allem: junges Theaterpublikum. Thematisch konnte man den Eindruck haben, unser „Festival der Banden“ war so etwas wie die „Fridays-for-Future“-Bewegung, übertragen auf den Kunstsektor.

Wie geht es in der neuen Saison weiter?

Die Banden-Idee wird auf jeden Fall fortgesetzt, Anmeldungen werden wahrscheinlich ab September möglich sein. Zurzeit erstellen wir ein extra Banden-Info für die Homepage www.schauspielhausbochum.de, das in den nächsten Tagen online gehen soll.

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