Tanz

Junge Bochumer Tänzerin träumt sich ins Weltall hinein

Eine bewegende Performance brachten die Schüler der Willy-Brandt Gesamtschule gemeinsam mit Studenten der Ruhr-Uni beim Theater Total auf die Bühne.

Eine bewegende Performance brachten die Schüler der Willy-Brandt Gesamtschule gemeinsam mit Studenten der Ruhr-Uni beim Theater Total auf die Bühne.

Foto: Dietmar Wäsche

Werne/Wiemelhausen.   Unter dem Motto „Aus-Zeit“ tanzen Schüler der Willy-Brandt Gesamtschule im Theater Total. Dabei kooperieren sie mit Studenten der Ruhr-Uni.

Nicole möchte gerne in fremde Länder reisen, die chinesische Mauer sehen und ins Weltall fliegen. Einfach frei im All schweben, nur die Tüte aufreißen, um die Chips aus der Luft zu essen – so wie es die Astronauten können: Das wär’ was! Vorher muss Nicole allerdings noch die Wäsche waschen, das Katzenklo reinigen und ihre Hausaufgaben machen. Am besten so schnell wie möglich. Das zumindest schreien ihr die anderen Tänzer auf der Bühne zu. Was es mit dieser etwas komischen Szene auf sich hat?

Kein Teilnehmer hatte vorher Tanz-Erfahrung

Studenten der Ruhr-Uni und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule haben unter der Leitung der Tanz-Profis Michael Hess und Fátima Gomes individuelle Choreographien erarbeitet. Alle Stücke, die solo getanzt werden, haben sich die Schüler selbst ausgedacht.

Die Tanzcollage, die sie im Theater Total an der Königsallee 171 aufführen, kann sich sehen lassen: Kinder und Studierende machen ihre Sache so gut, dass man beinahe denken könnte, sie machen das schon ihr Leben lang.

„Keiner von ihnen hatte vorher Erfahrung mit dem Tanzen“, so Petra Winkler, ohne die dieses Projekt, das seit 2012 jedes Jahr stattfindet, nicht möglich wäre. Sie organisiert die Veranstaltung und sorgt – mit einem Augenzwinkern – dafür, „dass die Kinder zur Probe erscheinen“. Dies sei aber überhaupt kein Problem: Da alles auf freiwilliger Basis passiere, seien die Schüler mit viel Leidenschaft dabei.

„Mehr Zeit für uns!“

Jedes Jahr gibt es ein anderes Motto: Diesmal beschäftigen sich die jungen Leute mit dem Thema „Aus-Zeit“. Es geht um Entschleunigung. Ihre Forderung ist eindeutig und wird von den jungen Tänzern laut über die Bühne gebrüllt: „Mehr Zeit für uns!“

Eines der Ziele dieses Projektes ist es, Universität und Schule zu vernetzen. Obwohl vor allem die Schüler den Studierenden zu Beginn oft mit Skepsis begegnen. Zwei Welten treffen aufeinander – und harmonieren doch erstaunlich gut: „Hier entstehen Freundschaften. Studenten und Schüler bleiben oft auch nach dem Projekt in Kontakt“, sagt Petra Winkler.

Die 15-jährige Schülerin Nicole, die von einem Leben im Weltall träumt, ist eine von ihnen. Sie macht zum vierten Mal bei der Veranstaltung mit. „Die Idee wird vorgeben, doch den Rest haben wir uns selbst ausgedacht“, erzählt sie. „Es kam einfach so aus mir heraus. Außerdem sollen wir auch improvisieren.“

Kunst soll den Geist öffnen und Fragen stellen

Michael Hess ist einer der Choreographen. Zusammen mit Fátima Gomes hat er die Schüler bei ihren Ideen unterstützt. „Kunst soll den Geist öffnen und Fragen stellen. Kunst soll helfen, über eigene Grenzen hinauszugehen – aber ohne Leistungsdruck.“ Denn den hätten die Schüler ja ohnehin zur Genüge. Die Jugendlichen stellen sich bei ihren Choreographien verschiedene Fragen: Brauchen wir eine Welt, in der uns Technik, Arbeit, soziale Netzwerke zu mehr Schnelllebigkeit zwingen? Und was passiert, wenn wir uns gegen die Gesellschaft stellen und unserem eigenen Rhythmus folgen? Die Antworten muss jeder für sich selbst finden.

Bei den Beteiligten hat das Projekt das Selbstbewusstsein gestärkt: „Viele Kinder, die hier mitgemacht haben, sind eigentlich sehr schüchtern. Das Tanzen hat ihnen neues Selbstvertrauen gegeben. Sie sind regelrecht aufgeblüht.“

Nicht nur Selbstbewusstsein, sondern auch Durchhaltevermögen und Kreativität sollen geschult werden. Und vielleicht heißt es dann bald schon für Nicole: Auf ins Weltall!

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