Welt ohne Waisenkinder

Junge Aktivisten radeln von Bochum nach Frankreich

Die Initiative „Welt ohne Weisenkinder“ stellte ihre Arbeit auf dem Husemannplatz vor. Pastor Gennady Mokhenko (l.) ist der Initiator.

Die Initiative „Welt ohne Weisenkinder“ stellte ihre Arbeit auf dem Husemannplatz vor. Pastor Gennady Mokhenko (l.) ist der Initiator.

Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum.   Die Aktion „Welt ohne Waisen“ will für Adoption begeistern. In Bochums ostukrainischer Partnerstadt Donezk suchen viele Kinder ein neues Zuhause.

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Donezk, Bochums Partnerstadt im Osten der Ukraine, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus herrschte zunächst Armut. Die Stadt erholte sich, doch seit 2014 kämpfen hier ukrainische Soldaten gegen pro-russische Separatisten. Der Deutschandfunk meldete kürzlich, Gefangene würden hier in Arbeiterlagern interniert.

Andrej Pudin ist als Waisenkind auf den Straßen von Mariupol, nahe Donezk, groß geworden. Heute fährt der 26-Jährige gemeinsam mit über 20 anderen jungen Ukrainern für die Aktion „Welt ohne Waisen“ Fahrrad: von Bochum bis an die Atlantikküste. Sie alle waren selbst Waisenkinder, heute wollen sie als junge Erwachsene auf die Situation im Donbass aufmerksam machen.

Ermutigung zur Adoption

Andrej Pudin lebte von den nun 26 Jahren seines Lebens sechs Jahre auf der Straße. Seine Eltern gehörten zu jenen, die unter dem Fall des Eisernen Vorhangs begraben wurden: Armut, Alkoholismus und Depressionen prägten gerade die ärmeren Teile der Bevölkerung. Bis er zwölf war, schlug er sich alleine durch. Dann kam er zu Pastor Gennady Mokhenko, der sich für „Welt ohne Waisen“ um Kinder im Donbass kümmert.

Heute ist Andrej Musiker, singt inbrünstig auf dem Husemannplatz in Bochum vor neugierigem Publikum und erzählt seine Geschichte. „Wir erzählen diese Geschichten nicht, damit ihr denkt: Ach, die armen Jungs“, sagt er. „Wir wollen Sie ermutigen, selbst Kinder zu adoptieren. Deshalb fahren wir diese Tour.“

Bis zu 120 Kilometer pro Tag

In drei bis vier Wochen wollen die Radler für den guten Zweck bis zu 120 Kilometer am Tag zurücklegen, ihr Ziel ist das französische Saint-Nazaire an der Atlantikküste. Den Besuch in Bochum hat die Christengemeinde Gottes Wort aus Harpen organisiert. Gemeindeleiter Ivan Stukert freut sich, dass dieses Jahr noch ein paar Jugendliche mehr mitfahren. „Das geht, weil im letzten Jahr die Visapflicht für Ukrainer weggefallen ist.“ Stukert weiß Bescheid über die Lage der Kinder im Donbass. Er hat die Ostukraine einige Male besucht: „Es wird nach wie vor gekämpft.“ Noch vor einigen Tagen seien bei einem Schusswechsel einige Soldaten gestorben.

Durch den Krieg mit den Separatisten haben auch viele, die heute Waisen sind, ihre Eltern verloren. Dabei hatte sich die Situation gerade verbessert, erzählt Andrej Prudin: „Die Kinder leben heute nicht mehr auf der Straße, sondern sind untergebracht und Sozialarbeiter kümmern sich um sie.“ Auf ein Zuhause warten viele allerdings immer noch. Deshalb sind er und die Anderen unterwegs: um Zeichen zu setzen, vom Donbass, in Bochum und bis zur Atlantikküste.

>>> Donezk: Bochums Partnerstadt seit 1987


Die Harpener Christengemeinde Gottes Wort engagiert sich auch im Umland von Donezk und hält Kontakt zu Waisenhäusern. Wer sich für das Thema interessiert, kann sich bei Gemeindeleiter Ivan Stukert melden: 0157 / 829 867 60.


Donezk ist seit 1987 eine Partnerstadt von Bochum. Vor Ausbruch des Krieges war die Metropole im Kohlerevier Donbass die fünftgrößte Stadt der Ukraine. Die aktuelle Einwohnerzahl ist nicht genau bekannt.

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