Junges Schauspielhaus

Jugendtheater in Bochum: Kinder bilden Aufsichtsrat

Willkommen im „Theaterrevier“: Die jungen Mitglieder der „Drama Control“ (Kinderaufsichtsrat) des Kinder- und Jugendtheaters hatten beim Eröffnungsfest viel Spaß.

Willkommen im „Theaterrevier“: Die jungen Mitglieder der „Drama Control“ (Kinderaufsichtsrat) des Kinder- und Jugendtheaters hatten beim Eröffnungsfest viel Spaß.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bochum.  Mit der Gründung eines Jugendtheaters in Eigenregie setzt das Schauspielhaus Bochum ein Ausrufezeichen. Kinder bilden ihren eigenen Aufsichtsrat.

Die Welt gehört in Kinderhände, fand schon Herbert Grönemeyer. Am Schauspielhaus Bochum wird diese kühne Idee jetzt Wirklichkeit: Mit dem „Theaterrevier“ ist in der Zeche Eins in Weitmar eine eigene Spielstätte für Kinder- und Jugendtheater eröffnet worden.

Die künstlerische Leitung liegt bei den jungen Teilnehmern im Alter von 5 bis 21 Jahren, die in einer „Drama Control“ die Geschicke ihrer Bühne selbst bestimmen sollen. Das Junge Schauspielhaus übernimmt lediglich die „Wächterposition“, so Leiterin Cathrin Rose bei der Eröffnung.

Aufwendiger Umbau der Zeche Eins

Das Theaterrevier, das vom Land NRW mit 1,3 Millionen aus dem Förderprogramm „Neue Wege“ unterstützt wird, findet sich in der Zeche Eins, die dafür aufwendig umgebaut wurde. Gleich zur Eröffnung lassen die Jugendlichen keinen Zweifel daran, wer künftig hier „der Chef“ ist: „Wir sind Deine Drama Control, ob es dir passt oder nicht“, gibt Till (11) dem Intendanten Johan Simons zu verstehen, der offenkundig Gefallen an dieser Idee hat.

„Dies ist ein zukunftsweisender Baustein der Kulturstadt Bochum“, sagt der Theaterleiter. Dass die künstlerischen Entscheidungen künftig nicht mehr von Erwachsenen, sondern aus der jungen Gruppe heraus getroffen werden, hält auch Kulturdezernent Dietmar Dieckmann (SPD) für einen fabelhaften Ansatz: „Ich werde bestimmt öfter kommen“, verspricht er.

Klimaschutz als Botschaft

Im Anschluss an die Eröffnungsfeier auf dem Hof an der Prinz-Regent-Straße finden zwölf geladene Gäste (mehr dürfen coronabedingt nicht hinein) Einlass in die Vorstellung von „The Last Minutes Before Mars“. Wer sich das ansieht, ahnt schnell, wohin ein Teil der Fördergelder geflossen sein dürfte: Durch hochmoderne VR-Brillen schaut man sich die Performance an, die ihre Botschaft vom Klimaschutz hinter einem etwas aufdringlichen Motivationsseminar versteckt.

Ob es im Theaterrevier künftig „Erdbeereis auf Lebenszeit“ gibt, um noch einmal mit Herbie zu sprechen? Das Projekt, so versichern alle Beteiligte, sei langfristig angelegt und soll auch über die Intendanz von Johan Simons hinaus Bestand haben. Der hat gerade übrigens mächtig Spaß an seinem Job: „Es ist eine Freude, hier Intendant zu sein!“ ruft er den Zuschauern zu und erntet viel Applaus.

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