Graffiti

Jugendliche Sprayer erobern Gerthe mit Graffiti-Kunst

Marv, so der Künstlername, setzt viel Farbe für sein Motiv einer Freifläche an, die das U27 Graffiti-Sprayern zur Verfügung gestellt hat.

Marv, so der Künstlername, setzt viel Farbe für sein Motiv einer Freifläche an, die das U27 Graffiti-Sprayern zur Verfügung gestellt hat.

Foto: Dietmar Wäsche

Gerthe.   Das Freizeithaus U27 in Gerthe bietet Jugendlichen eine Freifläche für Graffitis. Für Künstler ist das Selbstausdruck, Kunst und Gemeinschaft.

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Es riecht nach Lösungsmittel, im Hintergrund zischen Sprühdosen. Mit farbverschmiertem Gesicht sprüht Fulvio einen schwarzen Schriftzug an die Wand, links neben ihm strahlt bereits ein blaues Muster. „Ich mache Kalligraffiti – eine Mischung aus Kalligraphie und Graffiti“, sagt der 35-Jährige.

Dabei könne er zwei Stile mischen und seinen eigenen Ausdruck entwickeln. Nicht nur Fulvio lässt die Wände auf dem Gelände des Jugend- und Freizeithauses U27 in neuem Stil erscheinen, auch eine Reihe weiterer junger Männer besprüht sie nach ihren Vorstellungen. „Es ist ein Projekt unseres Fördervereins ‘Läuft bei uns’. Wir wollen der Szene in Gerthe eine freie Fläche bieten“, sagt Timm Bantle vom U27. Er sei selbst früher Künstler gewesen, nun seien die Jugendlichen mit dem Wunsch nach einer solchen Veranstaltung an ihn herangetreten.

Ein Freizeitangebot wie Sport und Musik

Christian Vieregge, Streetworker, meint: „Genauso wie es Sportvereine und Musikangebote gibt, ist auch Graffiti ein Freizeitangebot.

Die Jugendlichen sagen damit: So will ich mich darstellen“. Der Streetworker betreut die 22 Freiflächen in Bochum, auf denen gilt: Alles erlaubt – außer pornografische, diskriminierende, gewalt- oder drogenverherrlichende Inhalte. Für Bogdan und Jonas, die zusammen an einem Throw-Up – einem schnell gemalten Bild mit rascher Schraffierung – arbeiten, ist ihr Hobby mehr als Kunst. „Damit gestalte ich meine Umgebung“, sagt Jonas stolz.

Sprayer sind stolz auf ihre Bilder

Man könne Kunst mit anderen teilen, das Sprühen sei etwas Gemeinschaftliches. „Jeder hat ein Kürzel, an dem wir uns erkennen“, sagt Bogdan. Das Meiste lerne man in der praktischen Arbeit, Erfahrene könnten aber Tipps geben, welche Rolle Druck, Entfernung, Schwung und Winkel spielen. „Es ist kein Geschmiere“, stellen Marvin und Joshi klar.

Auf der Wand hinter ihnen entsteht ein knalliger Schriftzug mit bunten Punkten. „Es ist eine Subkultur des Hip Hop, wir hören dabei auch immer Musik“, sagt Marvin. Sie seien stolz auf das, was sie gesprüht hätten. „Vorher machen wir uns Skizzen. Wenn es lange stehen bleibt, freut man sich“, sagt Joshi. Es gebe auch Regeln und No-Gos: „Zum Beispiel bemüht man sich so gut zu sein wie derjenige, den man übermalt. Auch auf Friedhöfen oder Schulen sprühen wir nicht.“

Neben mehr Veranstaltungen wünschen sich die Jungs noch etwas anderes: „Mehr Mädchen in der Szene!“

>>> INFO: Stadt stellt Freiflächen zur Verfügung

  • Der Jugendhilfeausschuss hat bereits im Jahr 2001 das Konzept „Graffiti“ beschlossen, welches 22 städtische Flächen für das Aufsprühen von Graffiti bereitstellt.

  • Die Flächen sind zu jeder Tages- und Nachtzeit nutzbar, sofern das Gelände sauber hinterlassen wird und ohne Lärm gesprüht wird.

  • Die größte Freifläche zum Besprühen befindet sich an der Ruhr-Universität. Eine Übersicht aller legalen Freiflächen für Graffiti in Bochum findet man auf www.bochum.de. Auch eine private Erlaubnis für die Gestaltung von z.B. Stromkästen oder Trafostationen kann man sich bei Bernd Stroß von den Stadtwerken holen. Er ist erreichbar unter 0234/ 960 29 03.

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